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Philippe Gräub, UBP: "Europa startet aus der Pole-Position"

Nach Ansicht des Head of Global and Absolute Return Fixed Income bei Union Bancaire Privée (UBP), startet der Alte Kontinent aus der Top-Position für die nächste Etappe des globalen Aufschwungs.

Philippe Gräub, Head of Global and Absolute Return Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP)
Philippe Gräub, Head of Global and Absolute Return Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP)
© UBP

Nachdem Europa im Erholungsprozess nach der Pandemie bislang hinter anderen Regionen zurücklag, sprechen nun einige Faktoren dafür, dass der Kontinent auf die Überholspur wechselt. Das eröffnet vielversprechende Perspektiven für europäische Unternehmensanleihen, insbesondere höherverzinsliche Papiere wie High Yield- oder AT1-Anleihen, meint Philippe Gräub, Head of Global and Absolute Return Fixed Income, Union Bancaire Privée (UBP), in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Marktkommentar.

Planziele der EU-Kommission könnten übertroffen werden
Die weltweit laufenden Impfkampagnen sind ein klarer Positivfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Bislang liegt Europa beim Impffortschritt noch zurück. Mit steigenden Liefermengen und immer mehr verabreichten Impfdosen könnte sogar das Planziel der Europäischen Kommission, bis Ende September 70 Prozent der Erwachsenen in Europa zu impfen, übertroffen werden.

Damit rückten weitere Öffnungen für die Wirtschaft in den Blick, wovon insbesondere der Dienstleistungssektor profitieren könnte. Infolge von Lockdown-Maßnahmen, Reisebeschränkungen und geschlossenen Geschäften haben sich zudem die Sparquoten in Europa während der Pandemie verdoppelt.

"Wir gehen davon aus, dass diese Ersparnisse wieder in den Konsum fließen werden. Von diesem Effekt dürfte besonders die europäische Peripherie profitieren, deren Wirtschaft zu einem höheren Anteil vom Tourismus geprägt ist. Aus Makroperspektive dürfte Europa zugutekommen, dass die beiden größten Handelspartner - USA und China - in der Wachstumsentwicklung schon weiter fortgeschritten sind", hält Gräub fest.

Inflation steigt nur vorübergehend
Trotz des positiven Ausblicks beim Konsum geht Gräub davon aus, dass die geld- und fiskalpolitischen Impulse aufrechterhalten werden. Die EZB dürfte ihre Politik des Quantitative Easing fortsetzen sowie den Einlagenzins voraussichtlich noch einige Jahre konstant halten und damit die Zinsen nicht so schnell wieder anheben wie die Federal Reserve. Dadurch bleiben die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig.

In puncto Fiskalpolitik ist für dieses Jahr mit den ersten Auszahlungen aus dem EU-Wiederaufbaufonds zu rechnen. Dieser Fonds finanziert sich über gemeinsame Anleihen am europäischen Kapitalmarkt. Dieses Geld soll über Zuschüsse und Kredite vor allem den am stärksten von der Coronakrise in Mitleidenschaft gezogenen Ländern zugutekommen und die Investitionstätigkeit ankurbeln, was zu weiterem BIP-Wachstum führen dürfte.

Der Konjunkturaufschwung könnte zusammen mit anderen Faktoren, wie unterbrochenen Lieferketten und Basiseffekten, potenziell zu einem Anstieg der Kerninflation führen. Ein solches Phänomen sollte Gröbs Erachtens nach lediglich vorübergehender Natur sein, wenn man sich die strukturelle Dynamik in Europa in Kombination mit anhaltend hohen Zahl an Arbeitssuchenden vor Augen hält. "Vor diesem Hintergrund besteht an der Zinsfront kein akuter Handlungsbedarf. Die EZB wird sich hüten, noch einmal den Fehler zu machen, die Zinsschraube zu früh wieder anzuziehen", prognostiziert Gräub.

High-Yield und nachrangige AT1-Bankanleihen aussichtsreich
Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für Unternehmensanleihen positiv. Mit der zu erwartenden Wachstumsbeschleunigung sollten auch die Umsätze und Gewinne der europäischen Unternehmen wieder steigen. Gleichzeitig bewegen sich die Kosten für Fremdkapital auf historisch niedrigem Niveau.

Das europäische High Yield-Segment ist laut Gräub bemerkenswert gut durch diese schwere Krise gekommen. Die verschiedenen Kurzarbeitsprogramme haben sich als wirkungsvoll erwiesen und konnten hohe Ausfallquoten abwenden. Angesichts des günstigen makroökonomischen Umfelds sieht Gräub das Auslaufen dieser Programme unkritisch, sodass bei europäischen High Yield-Anleihen weiterhin mit Erträgen für Anleger und nicht mit einer zweiten Welle an Ausfällen zu rechnen ist.

Nachrangige AT1-Bankenpapiere sollten sich mittelfristig ebenfalls gut entwickeln. Doch nicht nur die makroökonomischen Rahmenbedingungen sind positiv für Banken, auch auf Unternehmensebene sieht es gut aus: Banken konnten in letzter Zeit mit sehr hohen Gewinnen überzeugen und mehrheitlich die Erwartungen sogar übertreffen. Dies spiegelt sich auch in weiterhin sehr komfortablen Eigenkapitalquoten wider. Das AT1-Segment zeichnet sich laut Gräub dadurch aus, dass die Spreads aktuell noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. Dies macht diese Assetklasse besonders attraktiv.

"In Europa hat die Erholung nach der Pandemie erst spät eingesetzt, es gibt jedoch ermutigende Anzeichen dafür, dass sich das Blatt nun wendet. Angesichts einer Vielzahl von Positivfaktoren für Europa sind europäische Anleihen, insbesondere die höherverzinslichen Segmente, mittelfristig durchaus einen Blick wert", erklärt Gräub abschließend. (aa)

 

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