PGIM: Wieso Fußballclubs für Private-Credit-Investoren attraktiv sind
Europas Spitzenclubs werden zunehmend wie globale Entertainment-Konzerne geführt – mit wachsendem Kapitalbedarf. Davon profitiert vor allem der Private-Credit-Markt, beobachtet PGIM. Institutionelle Kreditgeber finanzieren mittlerweile Transfers, Infrastruktur und strategische Beteiligungen.

Der europäische Profifußball entwickelt sich immer stärker zu einem attraktiven Markt für institutionelle Kreditgeber. Was lange Zeit vor allem von lokalen Familien, Mitgliedervereinen oder vermögenden Mäzenen geprägt war, hat sich zu einer globalen Unterhaltungsindustrie mit milliardenschweren Kapitalströmen gewandelt. Besonders Private-Credit-Anbieter gewinnen dabei an Bedeutung.
"Der moderne Fußballverein ist nicht mehr nur eine Mannschaft; er ist ein kapitalhungriges Unternehmen, das sich in einem zunehmend komplexen finanziellen Umfeld behaupten muss", schreibt Josh Shipley, Head of Europe Direct Lending beim US-Asset-Manager PGIM, in einem Marktkommentar.
Europa ist das Zentrum dieses Wandels. Alle 20 umsatzstärksten Fußballclubs der Welt stammen aus Europa, so Shipley. Gleichzeitig unterscheiden sich die Finanzierungsstrukturen der großen Ligen deutlich.
Während die englische Premier League dank ihrer Größe und der breiten Verteilung von Medienerlösen besonders attraktiv für Investoren geworden ist, konzentriert sich der Wert in Spaniens La Liga stärker auf wenige Topclubs.
In Deutschland begrenzt die "50+1"-Regel, die – mit Ausnahmen – eine Mehrheit beim Mutterverein vorschreibt, den Einfluss externer Investoren.
Banken stoßen an Grenzen
Mit dem steigenden Kapitalbedarf geraten klassische Banken zunehmend an ihre Grenzen. Regulierung, Bilanzrestriktionen und der Fokus auf standardisierte Kredite erschweren individuelle Finanzierungen.
"Banken sind für maßgeschneiderte Finanzierungen, die an sportliche Leistungen oder langfristige Infrastrukturprojekte gekoppelt sind, kaum noch geeignet", so Shipley. Institutionelle Kreditgeber könnten dagegen flexiblere Strukturen mit längeren Laufzeiten anbieten.
Parallel dazu hat sich der Markt für Private Credit selbst stark verändert. Da traditionelle Private-Equity-Transaktionen zuletzt rückläufig waren, suchen Investoren verstärkt nach neuen Anlagefeldern. Fußballclubs gelten dabei zunehmend als attraktive Assets – gestützt durch globale Medienrechte, starke Marken und Sachwerte wie Stadien.
Auch die Professionalisierung der Vereine treibt diese Entwicklung voran. Viele Clubs verfügen inzwischen über Finanzabteilungen auf institutionellem Niveau und treten aktiv am Kapitalmarkt auf.
Mehr als nur Transferfinanzierung
Der Finanzierungsbedarf im Fußball geht längst weit über Spielerkäufe hinaus. Besonders wichtig sind Liquiditäts- und Betriebsmittelfinanzierungen. Einnahmen aus TV-Rechten, Transfers oder internationalen Wettbewerben schwanken oft erheblich.
"Alternative Kreditgeber bieten zunehmend maßgeschneiderte Lösungen an, um diese Dynamik zu glätten, Altverbindlichkeiten zu refinanzieren oder Bilanzrestrukturierungen zu unterstützen", erklärt Shipley.
Auch strategische Transaktionen gewinnen an Bedeutung. Dazu zählen Minderheitsbeteiligungen, Eigentümerwechsel oder sogenannte Multi-Club-Ownership-Modelle, bei denen Investoren mehrere Vereine kontrollieren.
Besonders dynamisch entwickelt sich die Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Viele europäische Stadien gelten im internationalen Vergleich als veraltet. Moderne Arenen werden zunehmend als multifunktionale Entertainment-Zentren konzipiert, die ganzjährig Einnahmen generieren sollen.
"Die Finanzierung dieser Anlagen erfordert lange Laufzeiten, flexible Tilgungsmodelle und Strukturen, die die relative Stabilität der Einnahmen aus Ticketverkäufen und Gastronomie berücksichtigen, selbst wenn die Leistungen auf dem Spielfeld schwanken", betont Shipley.
Risiken bleiben hoch
Trotz des Wachstums bleibt die Finanzierung des Profifußballs anspruchsvoll. Sportliche Risiken wirken sich unmittelbar auf Cashflows und Bewertungen aus. Abstieg, verpasste internationale Wettbewerbe oder regulatorische Änderungen können erhebliche finanzielle Folgen haben.
"Ein erfolgreicher Kreditansatz muss diese Risiken ausdrücklich berücksichtigen und sie durch angemessene Fremdkapitalquote, diversifizierte Sicherheitenpools und solide Vertragsbedingungen mindern", so Shipley.
PGIM zählt mittlerweile zu den aktiven institutionellen Geldgebern im europäischen Fußball und finanziert Clubs in Spanien, Portugal, Italien und Großbritannien. Laut Shipley dürfte die Bedeutung institutioneller Investoren in den kommenden Jahren weiter steigen. Shipley: "Institutionelle Kreditgeber werden zunehmend nicht nur als Kapitalquellen, sondern als strategische Partner angesehen." (dv)
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