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Peter Huber sieht Inflations-Comeback, positioniert sich entsprechend

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die weitere Entwicklung der Inflationsraten. Denn im Juni stieg der amerikanische Consumer Price Index um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der deutsche Konsumentenpreisindex kletterte um 3,8 Prozent nach oben. Was sagt Peter E. Huber dazu?

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Peter E. Huber, Fondsmanager des Huber Portfolio SICAV bei Taunus Trust
© Archiv

"Solche Teuerungsraten haben wir lange nicht mehr gesehen. Die Notenbanken beeilten sich denn auch, diese Entwicklung als vorübergehend zu charakterisieren, bedingt durch Basiseffekte bei den Energie- und Rohstoffpreisen, Auflösung des Konsum- und Investitionsstaus nach der Pandemie und temporäre Lieferengpässe. In ein paar Monaten sollte sich das Ganze wieder normalisieren. Eine Änderung der extrem expansiven Geldpolitik sei deshalb nicht erforderlich", stellt Investment-Urgestein Peter E. Huber, Fondsmanager bei Taunus Trust, fest.

Die Märkte scheinen der Notenbank-Erklärung zu vertrauen
Die Zinsen an den Anleihemärkten haben sich wieder deutlich zurückgebildet, ebenso die Inflationserwartungen und der Goldpreis. So rentieren 10jährige T-Bonds nur noch mit 1,19 Prozent und deutsche Bundesanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit haben sogar eine negative Verzinsung von 0,5 Prozent. Parallel dazu kamen Value-Aktien unter Druck, während Wachstumswerte wieder zulegen konnten. 

Peter E. Huber hat da so seine Zweifel
Sicher wird sich die Inflation nächstes Jahr nach dem Auslaufen der Basiseffekte beruhigen. Aber die Phase extrem niedriger Teuerungsraten, die uns jetzt so lange begleitet hat, dürfte ausgelaufen sein. Den Notenbanken und den Regierenden dürfte das ganz recht sein, führen doch negative Realzinsen zu einer Reduktion der Staatsschulden. Im Vergleich zu einem Staatsbankrott ist die Finanzrepression (Financial Repression) der wesentlich elegantere Weg, sich seiner Schulden zu entledigen.

Eine Entlastung bei den Rohstoffpreisen ist nicht in Sicht
Zunächst betrachtet Peter E. Huber die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise. Noch vor kurzem erklärten die Experten, dass die noch nicht geförderten Vorkommen an fossilen Energieträgern (Kohle, Erdöl, Erdgas) nichts mehr wert seien, da sie aufgrund der Energiewende nicht mehr eingesetzt würden. Es handele sich um sogenannte „Stranded Assets“, die abgeschrieben werden müssten. Seitdem hat sich der Preis für Kohle verdreifacht. Und auch die Preise für Öl und Gas zeigen stramm nach oben. Das Problem ist, dass aufgrund der rigiden Klimaziele kaum mehr Geld in die Erschließung neuer Vorkommen fließt, das Angebot also viel schneller zurückgehen wird als die Nachfrage. Und das macht sich über steigende Preise bemerkbar. "Besonders positiv dürfte dies für Erdgas sein, dessen Nutzung wesentlich weniger Schadstoffe produziert als Kohle und sich daher als ideale Substitution anbietet, bis der verstärkte Ausbau der alternativen Energien eines Tages den schnell wachsenden Strombedarf decken kann", analysiert Huber.

Entwicklung der Erdgaspreise über die letzten fünf Jahre

Quelle: Taunus Trust

Überhaupt sei es blauäugig anzunehmen, dass die Energiewende spurlos an den Inflationsraten vorbeigehen werde, so Huber weiter. "Der Verbraucher wird die Zeche bezahlen. Schon jetzt klettern die Preise für Großhandelsstrom munter nach oben, die EEG-Umlagen haben es in sich und das geplante separate CO2-Emissionshandelssystem für den Wohnungsbau und den Verkehr wird vor allem das Tanken und Heizen deutlich verteuern." 

Stockende Globalisierung und anziehende Lohn-Preis-Spirale
Auch die Globalisierung stockt. Die Zeiten, in denen immer mehr Produktion in Billiglohnländer ausgelagert wurde, um die Herstellungskosten zu drücken, sind definitiv ausgelaufen. Wachsende Handelskonflikte, zunehmender Protektionismus (Importzölle), Lieferengpässe und explodierende Frachtraten führen zu einer Neuausrichtung der Lieferketten und steigenden Preisen. Von einer Lohn-Preis-Spirale als klassischem Inflationstreiber ist derweil noch wenig zu sehen." Doch die Babyboomer gehen in Rente, und schon jetzt macht sich ein gravierender Fachkräftemangel bemerkbar. Goldman Sachs hat soeben die Einstiegsgehälter für Nachwuchskräfte von 85.000 auf 115.000 US-Dollar angehoben, in Asien steigen die Löhne sprunghaft und auch in den unteren Lohngruppen (Pflegekräfte, Mindestlöhne) sind bei uns deutliche Anpassungen geplant", stelle Huber fest.

Konsequenzen für die Anlagepolitik
"Die Inflation ist nicht tot, sondern hebt nach langer Pause wieder ihr hässliches Haupt. Wir reagieren darauf mit der Etablierung einiger Inflationstrades. Wir investieren in Unternehmen, die von steigenden Gas- und Rohstoffpreisen profitieren. Diese sind derzeit recht preiswert, da sich institutionelle Anleger aufgrund von ESG-Kriterien scharenweise davon trennen. Und wir kaufen inflationsgeschützte Anleihen (Inflation Linker) und verkaufen gleichzeitig Zins-Futures mit identischer Laufzeit. Die Zinsdifferenz und damit die Inflationserwartungskomponente liegt in Deutschland beispielsweise für die nächsten 10 Jahre nur bei 1,4 Prozent", erklärt Peter E. Huber. (kb)

 

 

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