Peter E. Huber zur Kardinalsfrage: Kommt die große Börsenkorrektur?
Es gibt genug Warnzeichen, die darauf hinweisen, dass es nicht unbedingt klug ist, jetzt verstärkt Aktien zu kaufen. Anleger waren selten so hoch wie aktuell investiert, und die Barreserven amerikanischer Aktienfonds sind auf einem Rekordtief. Die Sentiment-Indikatoren befinden sich am Anschlag.

Die bisherigen Favoriten aus dem Technologiebereich zeigen erste Ermüdungserscheinungen. "Selbst so solide Qualitätsaktien wie Microsoft oder SAP verlieren an einem Tag mehr als zehn Prozent", gibt Fondsmanager-Urgestin Peter E. Huber, Fondsmanager bei Taunust Trust, zu bedenken. "Der US-Dollar als Reservewährung gerät ins Wanken. Silber verzeichnet einen beispiellosen Kurssturz, nachdem das Edelmetall viele Jahre nicht beachtet wurde, in den letzten Monaten wegen bekannt gewordener Knappheit, aber verstärkt im Mainstream angekommen ist. Der Bull/Bear-Indikator der Bank of America lag bis vor wenigen Tagen im knallroten Verkaufsbereich."

Investoren scheint das nicht zu kümmern
Trotz dieser Warnsignale haben die Anleger in den letzten Monaten munter weiter gekauft und die Rekordsumme von 400 Milliarden US-Dollar neu in US-Aktien-ETFs gepumpt, wie die folgende Grafik illustriert:

Wann tritt die Wende ein?
Es sei zwar fast unmöglich, obere Wendepunkte an den Börsen zu bestimmen, so Peter E. Huber weiter. Man könne einfach nicht voraussagen, wie weit eine euphorisierte Masse die Kurse nach oben treibt. So warnte der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan 1996 nach einem starken Kursanstieg eindringlich vor einer irrationalen Übertreibung (irrational exuberance). Trotzdem verdoppelte sich der Dow Jones in den Folgejahren nochmals bis im Frühjahr 2000 das große Börsen-Beben begann.
Der langfristige Aufwärtstrend an den Börsen bleibt intakt

Melt-up Boom diagnostiziert
"Der aktuelle Melt-up-Boom wird verursacht durch die Flucht der Anleger in Sachwerte (Aktien, Edelmetalle, Rohstoffwerte) und raus aus den Anleihen und Währungen überschuldeter Staaten. Auch der Euro ist eine Schwachwährung und profitiert lediglich von der Verlagerung aus dem Dollarbereich. Doch auch in solchen Aufwärtstrends sind scharfe Korrekturen nichts Ungewöhnliches oder gar ein Unglück. Sie sind im Gegenteil wie ein reinigendes Gewitter, das die Bewertungen wieder in normale Größenordnungen bringt (mean reversvion). Die schwachen Hände werden abgeschüttelt, wie Altmeister Kostolany zu sagen pflegte", ist Peter E. Huber überzeugt.
Wie soll man sich im derzeitigen Börsenumfeld positionieren?
Sieben Regeln hat Peter E. Huber ausgemacht.
1. Investieren Sie nur Geld am Aktienmarkt, das Sie in den nächsten Jahren nicht benötigen und spekulieren Sie auf keinen Fall auf Kredit.
2. Legen Sie Ihren Aktienanteil so fest, dass Sie auch in einer längeren Baissephase nicht panikartig verkaufen müssen.
3. Führen Sie die Aktienquote regelmäßig wieder auf die ursprünglich angesetzte Größenordnung zurück. Es genügt, wenn dieses Rebalancing einmal im Jahr durchgeführt wird. Dies veranlasst automatisch antizyklische Käufe und Verkäufe.
4. Erhöhen Sie Ihre Aktienquote auf keinen Fall nach einer längeren Aufwärtsbewegung, weil Ihnen das Umfeld jetzt besonders günstig erscheint. Diese Phasen sind die gefährlichsten.
5. Vermeiden Sie Klumpenrisiken, wie sie etwa im MSCI-Weltaktienindex vorhanden sind mit einem US-Gewicht von über 70 Prozent, davon ein Großteil in Technologiewerten mit KI-Fantasie.
6. Achten Sie auf eine ausgewogene Streuung über verschiedene Länder, Branchen und Einzelwerte.
7. Tauschen Sie überhitzte Werte in Value-Aktien. Die günstige Bewertung eines gesunden Unternehmens reduziert das Abwärtsrisiko. Hier gibt es weiterhin zahlreiche attraktive Gelegenheiten in Europa, Asien und den Emerging Markets. (kb)

