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Peter E. Huber zu Schuldenboom und Inflationsgefahren

Investoren plagen derzeit viele Fragen: Führt die weltweit exzessive Notenbank- und Fiskalpolitik zu neuen Inflationsgefahren? Wie will man die Schuldenberge jemals wieder abtragen? Soll man Aktien jetzt kaufen oder verkaufen? Peter E. Huber, Fondsmanger des „Huber Portfolio SICAV“ hat Antworten.

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Peter E. Huber, Fondsmanger des  „Huber Portfolio SICAV“
 
© Hemmerich

Klar ist, dass die Corona-Pandemie beispiellose Schuldenexzesse weltweit ausgelöst hat. In den USA wurde gerade ein Hilfsprogramm über 1.900 Milliarden US.Dollar verabschiedet. "Unter anderem sollen 100 Millionen private Haushalte einen Scheck über 1.400 US-Dollar  bekommen. Und schon plant Präsident Biden ein weiteres Konjunkturpaket über 3.000 Milliarden US-Dollar, um die Wirtschaft über Infrastrukturprogramme zu stimulieren. Die EU hat ein Hilfsprogramm über 750 Milliarden Euro verabschiedet (größtenteils nicht rückzahlbar), um den „armen“ Südländern durch die Corona-Krise zu helfen. Auch in Deutschland wird die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse hemmungslos über Bord geworfen, um die Wirtschaft mit einem „Wumms“ wieder auf Trab zu bringen. Lediglich bei der Umsetzung der Programme hapert es in unserem Bürokratenparadies wie üblich gewaltig", stellt Peter E. Huber, Fondsmanger des  „Huber Portfolio SICAV“, fest.

Finanziert wird die Schuldenlawine durch Anleihekäufe der Zentralbanken
Deren Notenpressen laufen heiß. So hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde per Knopfdruck das Anleihekaufprogramm um 500 Milliarden Euro auf 1.800 Milliarden Euro erhöht und finanziert so die Neuverschuldung aller Mitgliedsländer komplett. Auch FED-Chef Jerome Powell hat angekündigt, die expansive Geldpolitik auch im Falle steigender Inflationszahlen aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig will man die Zinsen deutlich unter diesen Zahlen halten.

Helikoptergeld, nicht mehr nur in Japan
Nach Japan, das diese Politik seit langem recht erfolgreich umsetzt, hat jetzt also auch der Westen Gefallen an der Finanzrepression (Financial Repression) gefunden. Bürger und Staaten werden mit frisch gedrucktem „Helikoptergeld“ beglückt. Die Schuldenberge sollen weginflationiert werden, indem man die Zinsen deutlich unter der Geldentwertung hält. Peter E, Huber dazu: "Die große Frage ist, ob das auch klappt. In den letzten Jahren ist es den Notenbanken jedenfalls nicht gelungen, trotz aller Gelddruckerei auch nur ihr selbst gestecktes Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Und keiner weiß so recht warum!" 

Drohen Inflationsgefahren?
Auf dem Fondskongress in Mannheim hat Peter E. Huber Anfang 2016 wegen der QE-Programme deutlich steigende Inflationsraten vorausgesagt – und lag voll daneben. Huber dazu: "Eine meiner größten Fehlprognosen. Die Änderungsraten der  Konsumentenpreise stiegen zwar in den USA bis Mitte 2018 von unter Null auf drei Prozent und in Euroland auf zwei Prozent an, nur um anschließend wieder nach unten abzudriften. Steigende Geldmengen schlugen also nicht auf die Konsumentenpreise durch, sondern nur auf nicht beliebig reproduzierbare Güter (Immobilien, Ackerland, Kunst, Aktien etc)." Die Annahme der Monetaristen unter Milton Friedman, dass steigende Geldmengen mit einiger Zeitverzögerung unweigerlich zu steigender Inflation führen, habe sich als haltlos erwiesen. Die deflationären Kräfte durch die anhaltende Globalisierung und der Konkurrenzdruck durch die im Internet geschaffene Transparenz seien einfach zu groß gewesen. Die Produktpreise blieben unter Druck, so dass sich eine klassische Lohn/Preis-Spirale nicht entwickelt konnte.

Doch wie sind die Inflationsgefahren heute einzuschätzen?
Die Notenbanken beschwichtigen, denn ihr Coup kann nur gelingen, wenn sich steigende Inflationserwartungen nicht in der Bevölkerung etablieren und zu einem entsprechenden Zinsdruck führen. So rechnen sie – wie übrigens auch die meisten Wirtschaftsexperten – nur mit einem vorübergehenden leichten Überschießen der Teuerungsziele. Zum einen wegen Basiseffekten bei den gestiegenen Öl- und Rohstoffpreisen, zum anderen wegen einer Auflösung des Konsum- und Investitionsstaus nach dem Ende der Pandemie. So könnten sich die Konsumentenpreise in den USA nach Schätzungen der University of Michigan in den nächsten 12 Monaten um ca. 3,1 Prozent erhöhen. Nach 2022 soll der Inflationseffekt gemäß OECD-Berechnungen dann kaum mehr sichtbar sein. So sind denn auch die zehnjährigen Inflationserwartungen, abgeleitet aus dem Terminmarktkurven, stabil geblieben. Und in der Eurozone liegen sie bei 1,5 Prozent.

Doch es gibt auch warnende Stimmen
Der angesehene unabhängige Marktstratege Russell Napier sieht in der Ankündigung, die Anleiherenditen unter der Inflationsrate zu halten als offenes Bekenntnis zur Finanzrepression. Er erwartet eine Rückkehr der Inflation nach Jahren der Deflationsgefahr, da die Geldmengen in den OECD-Ländern so schnell wachsen wie seit Dekaden nicht mehr. Auch verleihen Banken aufgrund der staatlichen Bürgschaften jetzt Geld an Unternehmen, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen werden. Napier erwartet, dass die Inflationsraten in den nächsten Jahren deutlich über vier Prozent klettern werden. Und nach Ansicht der für ihre Treffsicherheit berühmten Ökonomen von Swiss Life Asset Managers ist das Inflationsrisiko in den Industriestaaten aktuell so hoch wie nie in den letzten zwanzig Jahren. Die Teuerungsrate in den USA soll sich in kürzester Zeit mehr als verdoppeln. Wirtschaftsexperte Kenneth Rogoff erwartet derweil vor allem durch die Umkehr der Globalisierung große Auswirkungen auf die Inflation. 

Steigende Preise
Die steigenden Energie- und Rohstoffpreise, steil nach oben kletternde Einkaufsmanager-Indizes, die schiere Größe der Fiskalpakete, die Corona-bedingten Hilfskredite, Engpässe in den globalen Lieferketten, der Rückbau der Globalisierung, steigende Frachtraten, Handelsbeschränkungen und Produktivitätsverluste bilden eine Mixtur, die man nicht unterschätzen sollte, meint Peter E. Huber. "Auch den Dienstleistungssektor gilt es im Auge zu behalten. Als ich das letzte Mal beim Friseur war, zahlte ich für einen Haarschnitt 30 Euro – nach 22 Euro vor Corona. Es ist nicht auszuschließen, dass die überlebenden Dienstleister (Hotel-, und Gaststättengewerbe, Friseure, Touristik und viele andere) sich für die Corona-bedingten Einnahmeausfälle schadlos halten werden."

Aktien kaufen oder verkaufen?
Nach dem Corona-bedingten Kurseinbruch im letzten März/April haben sich die Aktiennotierungen überraschend schnell und kräftig erholt. Viele Börsenindizes befinden sich nahe ihrer historischen Höchstkurse und so mancher hat diesen Aufschwung verpasst. Andere fragen sich, ob man nicht langsam an Gewinnmitnahmen denken sollte. Die Aktienmärkte seien offensichtlich bereit, einen Wirtschaftsaufschwung nach dem Ende der Pandemie vorwegzunehmen, so Huber. Asien habe die Covid-Krise gut bewältigt, und viele Länder wie die USA könnten beachtliche Impferfolge vorweisen. So sei es kein Wunder, dass sich Optimismus breit mache.

Portfoliotransaktionen
Peter E. Huber dazu: "Wir haben den bisherigen Aufschwung genutzt, um unsere Aktienquote schrittweise auf 70 Prozent zu reduzieren. Dies entspricht einer neutralen Positionierung, da wir langfristig an steigenden Aktienkursen partizipieren wollen. Mit 30 Prozent in Gold und Cash halten wir viel Pulver trocken, um stärkere Rückschläge für neue Engagements nutzen zu können. Grundsätzlich sollte man nur Baissephasen wie im letzten Frühjahr zum antizyklischen Einstieg nutzen, auch wenn dies vielen Anlegern mental sehr schwerfällt."

Entgegen dem allgemeinen Empfinden seien Aktienkäufe in einer Panik mit viel weniger Risiko behaftet als Käufe in einer Euphorie. Derzeit sei es sinnvoll, seine Bestände langfristig weiter zu halten. Wer noch nicht investiert sei, sollte Anfangspositionen aufbauen und dann schrittweise möglichst in Schwächephasen zukaufen. Grundfalsch sei es, steigenden Kursen nachzujagen und nach einem längeren Kursrückgang zu verkaufen -ein für viele Investoren leider typisches Verhalten. (kb)

 

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