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Peter E. Huber: Europas Underperformance ist selbstverschuldet

Bürger und Firmen werden durch eine Fülle an Steuern und Abgaben gegängelt und ächzen unter immer neuen Regulierungsvorschriften. Der überdimensionierte Wohlfahrtsstaat und die Brüsseler "Subventionitis" schlagen sich auch an der Börse nieder, meint der Starcapital-Gründer.

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 Peter E. Huber, Partner und Vorstand von Starcapital 
© José Poblete / FONDS professionell

"America first" – das Credo von US-Präsident Donald Trump gilt auch am Aktienmarkt. Ein direkter Branchenvergleich zeigt, dass Europas Börsenunternehmen ihren amerikanischen Pendants performanceseitig gewaltig hinterherhinken – und das schon seit einer Dekade. Starcapital-Gründer Peter E. Huber betreibt Ursachenforschung und erklärt die Gründe für diese Zweiteilung in der aktuellen Ausgabe seines Kommentars. (ps)


Bis vor Kurzem war die Wirtschaftswelt noch in Ordnung. Wir befanden uns in einem synchronen globalen Konjunkturaufschwung mit steigenden Unternehmensgewinnen und fallenden Arbeitslosenzahlen. Der Kupferpreis als Spiegelbild dieser Entwicklung befand sich seit Ende 2015 in einem intakten Aufwärtstrend.

Seit den Drohungen von Donald Trump aber entsprechende Taten folgten und wir uns in einem waschechten Handelskrieg befinden, ging "Dr. Copper" auf Tauchstation. Zusammen mit anderen Frühindikatoren signalisiert dies für Europa und Asien eine deutliche Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik.

Inzwischen machen sogar erste Warnungen vor einer drohenden Rezession die Runde. Dabei geht die größte Gefahr nicht einmal von den Zöllen und anderen Sanktionen aus. Es ist vielmehr die tiefe Verunsicherung der Investoren, die immer mehr Unternehmen zu einem vorsichtigeren Ausblick veranlasst. Das Vertrauen, das hier kaputt gemacht wird, kann so schnell nicht wiederhergestellt werden. Zumal auch mit der Art und Weise des rüden Vorgehens, wie auf den Nerven der Anleger "herumgetrumpelt" wird. Ein Wirtschaftskrieg kennt keine Gewinner!

Wenn sich die Börsen in einem solchen Umfeld entgegen unseren Erwartungen erstaunlich stabil verhalten, könnte das verschiedene Ursachen haben. Zum einen sind die Zinsen in Europa und Asien immer noch in der Nähe historischer Rekordtiefs und die Notenbanken tun sich schwer, von ihrer ultralockeren Geldpolitik abzurücken. Zum anderen sind viele Aktien extrem niedrig bewertet mit einem Kurs/Buchwert von um die eins und einem Kurs/Gewinn-Verhältnis um die zehn. Solche Bewertungskennzahlen lassen auf mittlere Sicht ein erhebliches Aufwärtspotential erwarten. Es befinden sich enorme Summen an Liquidität an der Seitenlinie, und es gibt keine ernst zu nehmende Alternative zu Unternehmensanteilen. Jeden stärkeren Rückschlag sollte man daher zu einer Aufstockung der Aktienquote nutzen.

Eine weitere Herausforderung für uns als überzeugte ValueAnleger ist die Tatsache, dass der synchronen Entwicklung der Weltwirtschaft infolge der Globalisierung eine asynchrone Börsenentwicklung gegenübersteht. Während der hoch bewertete amerikanische S&P 500-Index von einem historischen Rekordstand zum nächsten eilt, dümpelt das europäische Blue Chip-Barometer – der Euro Stoxx 50 – bei 3.400 Punkten herum, nach einem Hochpunkt von über 5.500 Punkten im Jahr 2000. Beides sind Kursindices, also direkt miteinander vergleichbar.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass die USA eben innovativere Unternehmen aus dem Technologie oder Biotech-Bereich haben, wie Google, Amazon oder Biogen und Europa eben nicht. Das erklärt aber nicht, warum auch Sektoren, die in Europa als unattraktiv und wachstumsarm gelten, in den USA prosperieren: Branchen wie Telekom, Banken, Autos oder Versorger, bei denen dies auch deutlich an der Börsenentwicklung abzulesen ist.

Quelle: Starcapital

Auf den ersten Blick ist dies absolut nicht zu verstehen. Warum entwickelt sich der Kurs einer JP Morgan so viel besser als eine BNP Paribas? Oder eine Ford im Vergleich zu einer Daimler? Alle Unternehmen sind schließlich weltweit tätig, also direkt miteinander vergleichbar. Und das Management der europäischen Spitzenunternehmen ist auch nicht schlechter als das der amerikanischen Kollegen.

Ein Grund dürfte darin liegen, dass US-Aktien inzwischen deutlich überbewertet und europäische Aktien deutlich unterbewertet sind. Dies bietet antizyklische Kaufchancen gerade bei den unbeliebten hiesigen Branchenvertretern. Warum die europäischen Börsen immer mehr ins Hintertreffen geraten, könnte zum Teil aber auch politisch begründet sein. In den USA werden wichtige Bereiche dereguliert, die Unternehmenssteuern immer mal wieder gesenkt sowie Subventionen und öffentliche Wohltaten beschnitten. In Europa greift die Politik immer mehr in das Wirtschaftsgeschehen ein.

Hier nur einige Beispiele aus Deutschland:

  1. Nach Fukushima wurde eine überstürzte „Energiewende“ eingeleitet. Über Nacht wurden hochmoderne heimische Kernkraftwerke stillgelegt oder ihre Restlaufzeit deutlich beschnitten. Vielleicht wegen der erhöhten Tsunami-Gefahr? Als Folge wurden in Frankreich und Belgien die Laufzeiten der Hochrisiko-Reaktoren - meist an der deutschen Grenze gelegen - deutlich verlängert. Und es werden bei uns Rekordmengen an umweltschädlicher Kohle verstromt. Alternative Energien wurden mit Milliarden an Steuergeldern subventioniert. Mit der Folge, dass umweltfreundliche Gas- und Wasserkraftwerke sich nicht mehr rentierten und stillgelegt wurden. Viele Steuergelder wurden in den Aufbau einer Solarindustrie gesteckt, um damit eine "Zukunftsbranche" zu fördern. Mit dem Ergebnis, dass heute fast alle Unternehmen pleite sind – Solarworld lässt grüßen. Desgleichen werden ganze Landstriche mit Windkraftanlagen „verspargelt“, die Vogelpopulationen, wie den roten Milan, ausrotten. Jetzt müssen tausende dieser Windräder aus der ersten Generation bereits abgebaut und entsorgt werden, weil sie nicht mehr effizient sind. Vielleicht sollte man sich hier einmal über die Ökobilanz unterhalten. Energieunternehmen wie RWE sind heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.
  2. Als nächstes mussten die Banken dran glauben. Ihnen wurden die Regulierungsschrauben angesetzt (Basel I, II, III, IV), weil sie während der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Gerettet werden mussten mit Milliardenbeträgen aber vornehmlich eine Tochtergesellschaft der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau und die öffentlich-rechtlichen Landesbanken, weil sie sich mit riesigen Beträgen in amerikanischen SubprimeRamschanleihen verzockt hatten. Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken haben dagegen nie einen Euro an Beihilfen gesehen (außer der Commerzbank, die sich mit der Übernahme der Dresdner Bank übernommen hatte). Gleichzeitig wurde das Kreditgeschäft durch eine aggressive Zinspolitik der EZB stark in Mitleidenschaft gezogen. Unternehmen wie die Deutsche Bank sind heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.
  3. Auch die Versicherungen leiden unter der Regulierungswut (Solvency I, II etc). Die Politik der EZB zur Entlastung der immensen Staatsverschuldung führt zudem zu negativen Realzinsen ("financial repression"). Sie schädigt damit alle, die ihre Altersvorsorge auf Lebensversicherungen aufgebaut haben und führt zu einer schrittweisen kalten Enteignung der Sparer.
  4. Zum größten Schildbürgerstreich könnte aber der politische Angriff auf die Automobilwirtschaft werden. Deutsche Autokonzerne gehörten bis vor Kurzem zu den besten weltweit und sicherten in unserem Land hunderttausende Arbeitsplätze. Dagegen musste doch etwas unternommen werden. Zum Beispiel durch immer rigorosere Vorgaben zur Senkung der Abgaswerte, die am Schluss von den Autobauern nur noch mit Schummeleien erfüllt werden konnten. Doch auf Dieselgate musste noch eins draufgesetzt werden. Dieselfahrverbote wegen zu hoher Feinstaubwerte machen dieser deutschen Schlüsseltechnologie den Garaus und führen zu einem Einbruch bei der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. Dabei kommt die Feinstaubbelastung nachweislich teilweise durch den Abrieb bei den Reifen und Bremsen zustande, hat also mit dem Diesel gar nichts zu tun. Natürlich werden von den Fahrverboten alle jene ausgenommen, die den ganzen Tag in der Stadt herumfahren (Taxis, Handwerker etc.). Die wirklichen Umweltverschmutzer wie zum Beispiel die Schweröl verheizenden Kreuzfahrtschiffe bleiben dagegen unbehelligt. Stattdessen will man jetzt – wieder mit Steuersubventionen – den verstärkten Absatz von Elektroautos erzwingen. Deren Ökobilanz ist dem Vernehmen nach mehr als zweifelhaft. Nicht nur, dass sie den Stromverbrauch in die Höhe treiben. In den Batterien werden hochgiftige Stoffe wie Kobalt verbaut. Während es bei den herkömmlichen Autos auf die Motorentechnologie ankommt, ist es bei den Elektroautos die Batterietechnologie. Diese wird aber von den Asiaten geliefert. In Deutschland kann gar keine Batteriefabrik kostendeckend gebaut werden, weil hierzulande die Energiekosten viel zu hoch sind. Ergo: Der Niedergang der deutschen Autoindustrie wurde erfolgreich eingeleitet. Kein Wunder, dass Unternehmen wie Daimler nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.

Fazit: Bürger und Unternehmen werden durch immer höhere Steuern und Abgaben in ihrer Wettbewerbsfähigkeit beschnitten und ächzen unter immer neuen Regulierungsvorschriften. Der Wohlfahrtsstaat und die Brüsseler Subventions-Bürokratie überwuchern die Marktwirtschaft. Höchste Zeit, dass sich hier etwas ändert, sonst geht Europa den Bach runter. 

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