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Pensionsfonds für schlechten ESG-Track Record angegriffen

Schwedens staatliche Pensionsfonds (AP-Fonds), die zirka 250 Milliarden US-Dollar verwalten, sehen sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie nach Ansicht der größten Klimaschutzorganisation des Landes beim Schutz vor der Erderwärmung säumig seien. Schuld seien Investments in fossile Energieträger.

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Tobias Fransson, Nachhaltigkeitschef bei staatlichen schwedischen Pensionsfonds AP4
© AP4

Die AP-Fonds, die sich alle den ESG-Zielen unterworfen haben, sind noch immer in Firmen investiert, die Geschäft mit fossiler Energie betreiben. Durch die Weiterführung dieser Investments würden die AP-Fonds zum gefährlichen Temperaturanstieg des Planeten beitragen, berichtete letzte Woche die Schwedische Gesellschaft zum Schutz der Natur, ein mehr als hundert Jahre alter Verein mit 170.000 Mitgliedern.

Anwürfe durch Naturschutzverein
Keine einzige der Gesellschaften auf dem Gebiet fossiler Energieträger in den AP-Portfolios habe sich Klimaziele gesetzt, die dem Pariser Klimaschutzabkommen entsprächen. Die Fonds würden nicht transparent genug agieren, Nachhaltigkeitsziele vor sich hertragen, aber keine realen Schritte setzen, um einen Wandel einzuleiten, so die konkreten Anschuldigungen. Die Asset Manager von AP würden immer wieder  von “Dialog” mit den Portfoliofirmen sprechen, es sei aber schwierig zu erkennen, welche Fortschritte durch einen solchen Ansatz tatsächlich überhaupt erreicht würden.

Vermutete Lippenbekenntnisse
Die Aussendung des schwedischen Naturschutzvereins markiert einen vorläufigen Höhepunkt in der Auseinandersetzung zwischen Klimaschutz-NGOs einerseits, denen es mit der Energiewende und Verfolgung von ESG-Zielen nicht schnell genug gehen kann und die bloße Lippenbekenntnisse der Kapitalmarktakteure vermuten, und der Asset Management Industrie sowie den Akteuren in Realwirtschaft andererseits. Die Industrie würde die Definition von Nachhaltigkeit dehnen und damit auch umweltverschmutzende Firmen umschließen, die sagten, sie hätten Pläne zur Emissionsverringerung in der Zukunft.

AP-Fonds haben gehandelt…
Trotz der Verringerung des Engagements bei Firmen im fossilen Energieträgergeschäft im letzten Jahr hätten die AP Fonds noch immer 1,8 Milliarden US-Dollar in 66 der 200 weltgrößten Umweltverschmutzer angelegt, behauptet der schwedische Naturschutzverein. Dessen Generalsekretärin Karin Lexen sagte in diesem Bericht, dass das Potential, Firmen mit dem Geschäftszweig fossile Energie in nachhaltige Geschäftsmodelle zu überführen, sehr gering sei. Investoren, die sich zur nachhaltigen Geldanlage bekannt hätten, sollten einfach ihre  bestände an diesen Unternehmen verkaufen, so die NGO-Frontfrau. Insbesondere zwei AP-Fonds, AP4 und AP7, seien besonders mit Umweltverschmutzern in ihren Portfolios behaftet.

Unfaire Kritik
Die angesprochenen AP Fonds finden die Kritik unfair. Sie argumentieren, dass es eine Brücke in Richtung einer saubereren Zukunft brauche, ein Abverkauf der Positionen sei hingegen kontraproduktiv. Der AP7 Fonds, der direkt und indirekt in mehr als 3.000 Unternehmen weltweit investiert, eine aktive Rolle als Eigentümer sei die wirksamere Strategie als der Abverkauf. AP7-Sprecher Johan Floren sagte, natürlich seien weder alle klimabezogenen noch andere Nachhaltigkeitsthemen betreffende Probleme gelöst, dies zu erwarten sei einfach unrealistisch. Die gute Nachricht sei, dass die Investoren mehr denn je in diesen Fragen zusammenarbeiteten. Er verwies auf die Anstrengungen von AP7, Firmen mit fossilem Energieträgergeschäft davon abzuhalten, politisches Lobbying zu betreiben, um die Klimapolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen und Änderungen zu verzögern. 

Was AP4 sagt
AP4 wiederum, ein Langfristinvestor in schwedische und internationale Aktien, habe seinen CO2-Fußabdruck in den letzten zehn Jahre auf die Hälfte gesenkt, sagte Tobias Fransson, Nachhaltigkeitschef bei AP4. Der Fonds habe das ehrgeizige Klimaziel, bis 2030 die Treibhausgasausstoß nochmals zu halbieren und 2040 netto Null klimaschädliche Gase zu emittieren. Man habe sich dazu entschlossen, bei Energieunternehmen engagiert zu bleiben, die Pläne und Ziele sowie das Potential dazu hätten, im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens zu stehen. Diese Firmen hätten auch Pläne, große Investitionen in erneuerbare Energien zu tätigen. Man werde also weiterhin im Dialog mit diesen Unternehmen bleiben. (kb)

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