Partners Group über eine Anlageklasse, die jetzt auf den Radar gehört
Der Head of Liquid Private Markets bei der Partners Group nennt die wichtigsten Vorzüge von börsennotierten Infrastrukturaktien und warum sich institutionelle Investoren gerade jetzt damit beschäftigen sollten.

Die Anlageklasse Listed Infrastructure hat in den letzten 20 Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Dennoch werden die Vorteile von Investments in börsennotierte Infrastruktur-Assets von vielen institutionellen Investoren noch immer unterschätzt. „Dabei bietet das Segment gegenwärtig - nachdem die Zinsen ihren Höhepunkt überschritten haben und die Notenbanken auf einen Zinssenkungszyklus umgeschwenkt sind – die Chance auf überdurchschnittliche Renditen. Das fundamentale Bewertungsniveau entsprechender Aktien ist derzeit günstig, die Wachstumsperspektiven der Unternehmen intakt. Zudem punktet der Sektor mit Ertragsstabilität, Inflationsschutz und Diversifikation“, schreibt Prabal Sidana (Bild links, Copyright: Partners Group), Head of Liquid Private Markets and Portfolio Manager, Partners Group, in einem “Institutional Money” exklusiv vorliegenden Beitrag.
Standhaft auch in stürmischen Zeiten
Wie die Vergangenheit zeigt, zeichnet sich Listed Infrastructure, gemeint sind damit Aktiengesellschaften mit Business-Focus auf dem Betrieb von Infrastrukturanlagen, durch ein solides und stetiges Umsatz-, Cashflow- und Ergebniswachstum aus. „Betrachten wir dazu die Zeit nach der Jahrtausendwende, die durch zahlreiche Krisen, Rezessionen und extreme Markterschütterungen geprägt war: Während die Gewinne der S&P 500-Unternehmen erwartungsgemäß stark schwankten und das Index-EBITDA gleich mehrmals zum Teil deutlich rückläufig war, erwiesen sich die operativen Gewinne der Infrastrukturkonzerne auch in Phasen weltwirtschaftlicher Rezessionen als bemerkenswert robust. Nur einmal, im Jahr 2020, kam es im Betrachtungszeitraum zu einem leichten Rückgang des Sektor-EBITDA. Ursache hierfür waren die Covid19-Restriktionen, die die Transportinfrastruktur extrem belasteten“, hält Sidana mit Verweis auf nachfolgende Grafik fest:
Verlässliche Zahlungsströme

Was Listed Infrastruktur auszeichnet
Die außergewöhnliche Ertragsstabilität ist laut Sidana darauf zurückzuführen, dass Infrastrukturanlagen in der Regel langfristig angelegt und die Erträge häufig an die Inflation gekoppelt sind. Entsprechende Preisanpassungsklauseln sichern einerseits ein kontinuierliches Ertragswachstum und führen andererseits zu einer guten Prognostizierbarkeit zukünftiger Einnahmenströme. Aus diesem Grund weist der Sektor in der Regel auch eine geringere Volatilität als der Gesamtmarkt auf.
Ein weiterer Punkt ist, dass sich der Infrastruktursektor hinsichtlich der Marktstrukturen zum Teil deutlich von anderen Branchen unterscheidet: Infrastruktur ist in der Regel ein sehr kapitalintensives Geschäft, was die Eintrittsbarrieren für neue Anbieter erhöht. Zudem sind viele Teilsektoren dadurch gekennzeichnet, dass sich einige wenige Anbieter den Markt teilen. Diese quasimonopolistischen Strukturen führen dazu, dass Gewinne und Margen weniger unter Wettbewerbsdruck stehen, als das in anderen Branchen der Fall ist.
Zudem handelt es sich bei vielen Infrastrukturangeboten wie Energie, Versorgung oder Telekommunikation um Güter und Dienstleistungen, auf die auch in Krisenzeiten nicht verzichtet werden kann. Auch das erklärt, warum Listed Infrastructure in schwierigen Wirtschafts- und Marktphasen in der Regel besser abschneidet als der Gesamtmarkt.
Steigende Zinsen als Spielverderber
Ein Aspekt, den es bei Infrastrukturinvestments zu beachten gilt, ist die im Vergleich zum breiten Aktienmarkt höhere Sensivität gegenüber Zinsschwankungen. Dies liegt zum einen daran, dass Infrastrukturprojekte häufig in hohem Maße mit Fremdkapital finanziert werden. Zum anderen sind die Zinsen im Rahmen des Discounted-Cashflow-Pricing relevant, wobei dieser Punkt bei Infrastrukturunternehmen aufgrund der langen Laufzeit der Cashflows besonders ins Gewicht fällt. In beiden Fällen wirken sich steigende Zinsen kontraproduktiv auf die Unternehmensbewertung aus. Das war auch der Grund, warum Listed Infrastructure im vergangenen Jahr hinter der Performance des Gesamtmarktes zurückblieb. Nun, da die Zinswende eingeläutet ist, ergibt sich Sidana zufolge ein attraktives Aufholpotenzial.
Bewertungsampel auf grün
Im dritten Quartal dieses Jahres war Core Infrastructure mit einem EV/EBITDA von ca. elf günstiger bewertet als marktbreite Aktienindizes wie der MSCI World oder der S&P 500, die mit einem EV/EBITDA-Multiple von fast 14 bzw. 15 notieren.
„Mit anderen Worten: Selbst wenn sich die Marktzinsen auf dem aktuellen Niveau stabilisieren und nicht weiter nach unten tendieren, ist Kerninfrastruktur bewertungstechnisch sehr günstig. Noch größer ist das Outperformance-Potenzial, wenn die Zinsen weiter sinken. Dann dürfte börsennotierte Kerninfrastruktur die Performance der breiten Marktindizes deutlich übertreffen. Von weiteren Zinssenkungen sollten vor allem Infrastruktur-Subsektoren profitieren, die noch eine lange Wachstumsphase und entsprechend weitreichende Cashflow-Eingänge vor sich haben. Dazu zählen erneuerbare Energien, Kommunikationsinfrastruktur (z.B. Rechenzentren) sowie Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber“, prognostiziert Sidana.
Ein Markt mit Zukunft
Die langfristigen Wachstumsperspektiven für Listed Infrastructure sind Sidana zufolge bereichsübergreifend positiv. Dies liegt zum einen an den inflationsindexierten Ertragsströmen. Zum anderen profitiert der Sektor von globalen Megatrends wie Urbanisierung, Digitalisierung, Clean Energy und Energiesicherheit Laut Oxford Economics müssen bis 2040 rund 94 Billionen US-Dollar investiert werden, um die wachsende Infrastrukturlücke zu schließen. Davon müssen fast 50 Billionen US-Dollar in die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur und weitere 20 Billionen US-Dollar in die Energieinfrastruktur und Energiesicherheit gesteckt werden. Der Bedarf an schnellen Datennetzen und das rasant wachsende Datenvolumen dürften wiederum die Investitionen in die IT-Infrastruktur ankurbeln. Künstliche Intelligenz wird diesen Trend noch verstärken. Infrastrukturbetreiber sind daher in einer sehr guten Position, um mindestens in den nächsten zwei Jahrzehnten ein attraktives Gewinnwachstum zu erzielen.
Fazit: Einzigartige Kombination
„Börsennotierte Infrastrukturtitel bieten Anlegern eine einzigartige Kombination aus Inflationsschutz, Stabilität in volatilen Märkten und attraktivem Wachstumspotenzial weit über das Jahr 2024 hinaus. Die Bewertungen sind momentan günstig, was die Chance auf eine überdurchschnittliche Wertentwicklung eröffnet“, betont Sidana abschließend. (aa)

