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Paradigmenwechsel? US-Aktienanleger entdecken Europa

Der relativ bessere Umgang mit der Corona-Pandemie Europas macht europäische Aktien aus der Sicht von US-Anlegern erstmals seit langer Zeit wieder interessant.

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© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Scott Thiel, Chefstratege des Blackrock Investment Institutes, so berichtet die "New York Times", könne sich nicht mehr daran erinnern, wann sein Haus eine positive Einschätzung für die Aussichten europäischer Aktien abgegeben habe. Zur Jahresmitte hat sich das geändert, die Analysten des Investmentriesen empfehlen US-Anlegern seither, Europas Aktien höher zu gewichten.

Verursacht wird diese Meinungsänderung durch den vergleichsweise besseren Umgang Europas mit der seit vier Monaten grassierenden Pandemie – zuletzt lag der Vergleichswert der täglich nachgewiesenen Neuinfektionen in den USA sechsmal höher als in Europa (65.000 vs. 10.000). Auch die Einigung der europäischen Staaten auf das 750-Milliarden-Euro-Paket zur Stabilisierung der Wirtschaft, so berichtet die Zeitung, habe die Aufmerksamkeit von US-Investoren geweckt, wobei nicht die Höhe des Betrags, sondern das Tempo der Entscheidungsfindung ausschlaggebend war. Europa habe signalisiert, dass man angesichts der Krise binnen vier Verhandlungstagen (und -nächten) zu einer gemeinsamen Lösung finden könne.

Ein wesentliches Ergebnis dieser neuen Einigkeit sei eine Fortsetzung des Wechselkursanstiegs des Euro gegenüber dem US-Dollar. Seit Ausbruch der Coronakrise legt die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar zu, davor hatte sie zwei Jahre lang an Boden verloren. Angesichts von fünf Prozent Wechselkursgewinn binnen weniger Monate ist auch die bis zuletzt schwächere Wertentwicklung des Stoxx 600 gemessen am S&P500 akzeptabel. Dass die Aussichten für den Euro günstig bleiben, lässt sich aus den aktuellen Terminmarktpositionen ableiten. Die New York Times berichtet: "Gegenwärtig gibt es weit mehr Wetten, dass der Euro steigen wird, als solche, dass die Währung abwertet. Diese so genannte Netto-Long-Position ist nach Angaben der Commodity Futures Trading Commission die größte, die es seit mehr als zwei Jahren gegeben hat."

Auch die Ertragssituation europäischer Unternehmen hat sich nach Einschätzung der Amerikaner in der relativen Betrachtung verbessert. "Der Corona-Hilfsfonds der EU ist ein gigantischer Fortschritt für Europa", sagte Thiel zur New York Times. Auch in den jüngsten ETF-Marktstatistiken seien Anzeichen für wachsende Zuflüsse in europäische Dividendenwerte erkennbar – sowohl aus Übersee als auch aus Europa selbst.

Sollte es tatsächlich zu einer Annäherung der Aktienmärkte USA vs. Europa kommen, wäre das Aufholpotenzial Europas enorm. Seit der Trendwende nach der Finanzkrise im März 2009 stieg der S&P 500 Index rund 350 Prozent, während sich der Stoxx 600 nur etwa 120 Prozent zulegen konnte. (gf)

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