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Online-Trader bescheren Hedgefondslegenden Milliardenfiasko

Hedgefondslegenden wie Steve Cohen und Dan Sundheim haben in den letzten Wochen vermutlich die schlimmsten Verluste ihres Lebens erlitten. Verantwortlich dafür sind Kleinanleger, die sich zu Tausenden in Onlineforen zusammengetan haben, um diesen Wall-Street-Stars die Stirn zu bieten. Bleibt das so?

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Hedgefondslegende Steve Cohen soll mit den Short-Positionen von Point72 Asset Management kräftige Verluste eingefahren haben. Dabei ist er aber nicht alleine.
© Bloomberg

Am Mittwoch erreichte der Kampf “David gegen Goliath” auch den US-Präsidenten und den Fed-Chef. Den Anfang machte der immer heißer laufende Handel mit GameStop, der sich auf weitere Aktien ausweitete, auf deren Fallen Hedgefonds gewettet haben. Die Verluste der bekanntesten betroffenen Fonds erreichen dabei wohl Rekordbeträge - vor allem Cohens Point72 Asset Management, Sundheims D1 Capital Partners, einer der besten Fonds des letzten Jahres, und Melvin Capital, Gabe Plotkins Investmentvehikel.

Zocker im Home-Office als Game Changer oder Eintagsfliegen?
Für einige Beobachter ist es ein passendes Gleichnis für eine Ära wachsender wirtschaftlicher Ungleichheit. Vielleicht sogar ein heimliches Vermächtnis des Trumpismus und seiner populistischen Kritik der “Eliten”. Für Teile der Hedgefonds-Industrie ist es eine existenzielle Krise. Für Anleger der alten Schule, die Fundamentalwerte und Disziplin predigen, ist es ein Alptraum, der böse enden wird. Die Wendung kommt als empfindlicher Dämpfer für Fonds, die gerade im letzten Jahr erst dank erfolgreicher Wetten auf die wilden Marktausschläge in der Corona-Pandemie ein Comeback gefeiert hatten. Ironischerweise war es dieselbe Pandemie, die zugleich eine Armee von Tausenden, wenn nicht Millionen Online-Trader mobilisiert hat, die von ihren Homeoffices aus am US-Aktienmarkt ein Faktor sind.

Nicht mehr nur ein Ziel
Diese Kleinanleger, die sich in der Gruppe “wallstreetbets” der Online-Diskussionsplattform Reddit verabreden, haben es besonders auf Aktien abgesehen, die bekanntermaßen von Hedgefonds leerverkauft werden. Der erste war GameStop, eine Ladenkette, die Computerspiele in US-Malls verkauft und der die Pandemie schwer zugesetzt hat - und die dieses Jahr dennoch über 1.700 Prozent im Plus liegt. Andere Ziele sind inzwischen dazugekommen.

Verluste dürften sich in der Hedgefonds-Branche noch weiter ausbreiten
Der Goldman Sachs Hedge Industry VIP ETF, der die Aktien nachbildet, die unter Hedgefonds am beliebtesten sind, fiel am Mittwoch um 4,3 Prozent, der höchste Verlust seit September. Geldabflüsse aus dem Markt erreichten den höchsten Stand seit Oktober 2014, wie Daten von Goldmans Prime Brokerage zeigen.

Sandten Hedgefonds, die unter Druck sind, US-Aktien südwärts?
Während die von den Reddit-Kampagnen getriebenen Einzelwerte nach oben schossen, brach der US-Aktienmarkt ein. Der S&P500 sank um fast drei Prozent, der größte Verlust seit Oktober. Eine Theorie lautet, dass Hedgefonds andere Aktien loswerden mussten, um die Leerverkaufswetten bedienen zu können.

Demokraten wollen regulieren...
Fed-Chef Jerome Powell wollte auf seiner Pressekonferenz am Mittwoch die Preisentwicklung von GameStop nicht kommentieren. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren nahm die Episode zum Anlass, Präsident Joe Biden zu schärferer Regulierung der Wall Street aufzufordern.

Wann herrscht wieder Normalität?
Letztlich ist klar, dass die Episode irgendwann enden muss und der Markt zu einer Art Normalität zurückkehren wird. “Die Vermögenswerte der Kleinanleger reichen nicht aus, um auf Dauer die globalen Märkte zu bewegen”, sagte Max Gokhman von Pacific Life Fund Advisors im Talk mit Bloomberg. “Einzelne, kleine Aktien? Absolut. Aber wird das die gesamte Landschaft ändern? Eher unwahrscheinlich.”

Das Imperium schlägt zurück...
Wie es aussieht, erlauben bestimmte Online-Handesplattformen wie Robinhood und Interactive Brokers den Spekulanten nicht mehr, Positionen in den zuvor konzertiert nach oben gepushten Aktien wie GameStop, AMC Entertainment und Blackberry einzugehen, sondern nur mehr zu verkaufen. Auch Nokia befand sich unter den Aktien mit bizarrem Kursverlauf, wo die ADRs webstlich höher notierten als die Aktie in Europa. Nun kommt es zu satten Korrekturen dieser Kurssprünge.

Hype abgedreht?
Ob die Aufsicht den Handelsplattformen nahegelegt hat, Kaufsperren für die gehypten Titel zu verfügen, wird man vielleicht in Zukunft erfahren. Damit wird der Hype "Wir, die gute Community, dort die bösen Hedgefonds" wohl bald ein Ende finden - oder sich die Online-Gemeinschaft trotzig neue Aktien über andere Foren als Opfer suchen, bevor auch bei diesen die Kauforders wieder unterbunden werden. Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Das könnten doch noch Hedgefonds sein, die nun auf der Short-Seite trotz horrender Leihgebühren doch noch ihren Profit einstreichen....  (kb)

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