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Österreichs Pensionskassen mit erheblichen Klimarisiken

Ein neuer Lagebericht der FMA zeigt, dass österreichischen Pensionskassen Klimarisiken ausgesetzt sind.

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Die PKs sind zu einem wesentlichen Faktor in der betrieblichen Vorsorge geworden.
© FMA

Stresstests sind seit der vergangenen Finanzkrise für die Aufsichtsbehörden das Mittel schlechthin, um die Widerstandsfähigkeit der beaufsichtigten Unternehmen zu überprüfen. Dabei rückt zunehmend das Abtasten der Klimarisiken in den Fokus. Die deutlichen Ergebnisse verdeutlichen, dass das auch höchst an der Zeit ist.

"Nicht zu unterschätzendes Klimarisiko"
Der neue Lagebericht der FMA zur allgemeinen Situation der österreichischen Pensionskassen (PK) zeigt, dass Klimarisiken ein nicht zu unterschätzender Faktor sind. Demnach sind die Pensionskassen sowohl über die Veranlagung als auch über Kunden exponiert: Rund 31 Prozent der Vermögenswerte der österreichischen Pensionskassen sind in klimarelevanten Sektoren angelegt. Gleichzeitig sind rund ein Fünftel der PK-Kunden – also die Unternehmen, die ihren Mitarbeitern betriebliche Altersvorsorge anbieten – in klimarelevanten Branchen tätig. "Pensionskassen sind einem nicht zu unterschätzenden Klimarisiko ausgesetzt", fassen die FMA-Experten die Lage zusammen.

In der Analyse identifizieren die FMA-Experten vor allem Betriebe als klimarelevant, die selbst einen hohen Energieaufwand haben, oder die generell durch den Übergang in eine CO2-neutralere Wirtschaft von Wertverlusten betroffen sein können – etwa Immobilien. Diese "Transition" in eine klimafreundlichere Wirtschaft wird bekanntlich auf Europaebene stark vorangetrieben und wird dazu führen, dass Unternehmen, die nicht umweltbewusst vorgehen, zunehmend Nachteile haben.

"Sichere" Staatsanleihen auf dem Prüfstand
Doch auch bei den als sicher geltenden Anleihen von Staaten mit gutem Rating wollen Investoren zunehmend wissen, wie es mit Klimarisiken ausschaut. Zwar ist allgemein bekannt, dass Naturkatastrophen oder die Veränderung der Umwelt aufgrund der Erderwärmung zu Steuerausfällen führen und die Wirtschaft lähmen können. Aber solche Risiken wurden bisher bei Staatsanleihen kaum gemessen.

Als Paradebeispiel kann Deutschland genannt werden, das bei allen drei großen Ratingagenturen die Topnote bekommt. Dementsprechend teuer kommen den Investoren die Staatsanleihen. Klimatechnisch ist aber Deutschland keine "Insel der Seligen": wenn etwa der Wasserstand des Rheins in machen Jahren so tief ist, dass er nicht mehr schiffbar ist, kostet das die Industrie hohe Verluste, die sich auch im BIP ablesen lassen. Aus der FMA-Analyse geht hervor, dass bei dem regulatorisch angewandten Schockmodell allein die Staatsanleihen im Portfolio der österreichischen Pensionskassen zwischen 0,2 und 0,55 Prozent an Wert verlieren könnten.

Österreichs Pensionskassen
Die österreichischen Pensionskassen, in die die Betriebe – im Unterschied zu den Vorsorgekassen, die verpflichtende Beiträge vereinnahmen – freiwillig für die Vorsorge ihrer Mitarbeiter einzahlen – haben sich seit ihrer Einrichtung im Jahr 1990 zu einem bedeutenden Anbieter der betrieblichen Altersvorsorge entwickelt. Per Ende 2019 verwalteten sie ein Vermögen von rund 24,3 Milliarden Euro für rund 980.000 Personen. Davon beziehen rund elf Prozent bereits eine Leistung. Insgesamt haben rund 23 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen in Österreich einen Anspruch (Anwartschaft) auf eine Pensionskassenpension.

Da erst rund elf Prozent eine Leistung beziehen, haben die PKs einen relativ geringen Liquiditätsbedarf. Sie können daher langfristigere Anlagehorizonte ansteuern und so höhere Ertrags-Risikoprofile verfolgen, wie es bei der FMA heißt. "Dies erlaubt ihnen auch riskantere Anlagen wie etwa 'nicht Investment Grade geratete Anleihen' sowie Investments in nicht geregelten Märkten", so die Experten. Veranlagt wird zu 97 Prozent über Investmentfonds – aber durchaus eben diversifizierte und dynamisch.

Jährlich hohe Unterschiede in der Performance
Das höhere Ertrags- und Risikoprofil erklärt laut der Behörde auch die Volatilität der Anlageperformance: Während im Jahr 2018 das verwaltete Vermögen um 5,2 Prozent zurückging, konnten die österreichischen PKs im darauffolgenden Jahr 2019 eine Performance von +11,6 Prozent verzeichnen. Die durchschnittliche VRG-Performance seit Einführung der PK beträgt 5,2 Prozent.

Vorsichtig bleibt die FMA, was das derzeitige Umfeld betrifft (Pandemie, Brexit, neue Präsidentschaft in den USA). Die anhaltende Niedrigzinsphase erschwere das Erreichen der angestrebten Renditen. Gleichzeitig erscheinen weitere Marktturbulenzen möglich. Zu diesem gesteigerten Marktrisiko kommt noch ein erhöhtes Kreditrisiko. "Im Pensionskassensektor können somit neben Vermögenswertrückgängen etwa auch Beitragsreduktionen oder gegebenenfalls Nachschussverpflichtungen der Arbeitgeber und niedrigere künftige Pensionen nicht ausgeschlossen werden", heißt es. (eml)

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