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Ölpreis-Crash: Einige Dinger sind aus dem Ruder gelaufen

Warum der Futurespreis von WTI-Öl Anfang dieser Woche extrem stark unter Druck geriet, erklärt Robert-Jan van der Mark, Co-Manager des Kames Global Diversified Growth Fund. Für die Zukunft des Schwarzen Öls ist der van der Mark pessimistisch gestimmt.

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© Edelweiss / stock.adobe.com

Von diesem Kurssturz werden Ölhändler und auch andere Marktteilnehmer noch viele Jahre später erzählen können. Was ist geschehen? Der WTI-Rohölpreis für die Mai-Lieferung ist am letzten Handelstag zusammengebrochen. Die Preise schossen in den negativen Bereich und gingen auf den außerordentlichen Tiefstand von minus 40,32 Dollar pro Barrel, rekapituliert Robert-Jan van der Mark, Co-Manager des Kames Global Diversified Growth Fund.

Cushing ist der "Nabel der Welt" aus der Sicht von US-Ölhändlern
Der Ausgangspunkt für WTI befindet sich in Cushing, wo dieses Rohöl gehandelt wird und wo normalerweise Lagerhaltung möglich ist. Aufgrund des jüngsten Nachfragerückgangs lagerten jedoch am 10. April bereits 55 Millionen bbl Rohöl in der Nähe von Cushing. Die Lagerbestände in Cushing steigen, derzeit mit einer Rate von 6-7 mb pro Woche. Die Kapazität wird auf ca. 79 Millionen bbl geschätzt. Dies bedeutet laut van der Mark, dass die verbleibende Lagerkapazität wahrscheinlich in etwa vier Wochen erschöpft sein wird. Seit dem 10. April weiß man, dass dies Mitte Mai der Fall sein wird.

Die OPEC+-Kürzungen treten ab dem 1. Mai in Kraft, aber das könnte van der Mark zufolge zu wenig und zu spät sein. Angesichts dieses Risikos, das über dem Markt schwebt, wollte kein Marktteilnehmer diese letzten offenen Kontrakte für Mai übernehmen.

Physische Öllieferung derzeit unerwünscht
Vor einem Monat sahen wir beim Lieferkontrakt für April einen Preisrückgang der Futures um fünf Dollar am letzten Handelstag. Dies war ein deutliches Zeichen dafür, dass die Händler sehr nervös wurden, physische Öllieferungen anzunehmen.

Man dürfe van der Mark zufolge jedoch nicht vergessen, dass am letzten Handelstag nur noch eine Restzahl an Kontrakten übrig ist. Die etablierte Gemeinschaft der Rohstoffanleger und die Rohstoff-Benchmarks sind bereits in der Woche vom 6. bis 10. April zum Juni-Lieferkontrakt übergegangen. Und der Juni-Lieferkontrakt wird immer noch über 20 Dollar pro Barrel gehandelt. Wenn die Volkswirtschaften jedoch geschlossen bleiben, besteht die Gefahr eines weiteren gigantischen Preisanstiegs beim Handel im nächsten Monat.

Einige kurzfristige Future-Halter verbrannten sich ziemlich heftig die FInger, da niemand das letzte offene Angebot übernehmen will. WTI ist eine physische Lieferung, so dass Anleger und Hedge-Fonds vor der Abwicklung aussteigen müssen. Dies hat zu einem noch nie dagewesenen Druck geführt, der noch nie zuvor aufgetreten ist. "Das ist definitiv eine außergewöhnliche Fehlfunktion und zeigt uns deutlich, dass einige Dinge auf den Finanzmärkten inmitten der COVID'19-Krise aus dem Ruder laufen", merkt van der Mark abschließend an. (aa)

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