Ob und inwieweit KI den CLO-Markt disruptiert
KI berge neue Risiken für die Kreditmärkte – und zwinge Investoren, ihren Ansatz zu überdenken, sagt Edwin Wilches, Co-Head of Securitised Products bei PGIM. Er beobachtet derzeit eine zunehmende Streuung der Preise für CLO-Tranchen.
Eckpunkte:
- Preise für CLO-Tranchen gehen je nach Manager stark auseinander
- Nicht nur die Softwarebrache, sondern auch Firmendienstleister und Gesundheitswesen betroffen
- Europäische Portfolios weniger fokussiert auf Software
Die rasante Entwicklung und Verbreitung künstlicher Intelligenz sorgt nicht nur für Volatilität an den Aktienmärkten, sondern wirkt sich zunehmend auch auf die Unternehmenskreditmärkte aus. Dies beobachtet Edwin Wilches, Co-Head of Securitised Products bei PGIM.
Bei Instrumenten wie Collateralized Loan Obligations (CLOs), bei denen Unternehmenskredite den zugrunde liegenden Pool bilden, habe dies zu einer zunehmenden Preisstreuung bei CLO-Tranchen geführt. Diese Streuung sei auf Unterschiede im Branchenexposure der zugrunde liegenden Kredite zurückzuführen – und nicht allein auf Software-Exposure – denn technologische Veralterung falle mit zunehmender Verbreitung von KI stärker ins Gewicht, so Wilches.
Elf Prozent der US-Portfolios im CLO-Markt betroffen
Während viele Investoren die Exponierung gegenüber Software als Näherungsgröße für das Risiko einer KI-bedingten Disruption nutzen, greife dieser Ansatz mitunter zu kurz: „Dadurch können anfällige Teilsektoren in angrenzenden Branchen wie Unternehmensdienstleistungen und Gesundheitswesen übersehen werden, die ebenfalls von KI-getriebener Disruption betroffen sind“, so Wilches. Im Durchschnitt seien etwa elf Prozent der US-amerikanischen CLO-Portfolios und sieben Prozent der europäischen CLO-Portfolios kurzfristig KI-bedingten Disruptionsrisiken ausgesetzt, wobei dies je nach CLO-Manager erheblich variiere.
Senior-Tranchen weitgehend stabil
Dieser Druck spiegele sich bereits in den Marktpreisen wider. „Preisrückgänge bei Krediten mit KI-Exposure haben die Bewertungen von CLOs belastet, insbesondere bei den vorrangigeren Tranchen“, sagt Wilches.
In den USA sei die durchschnittliche „Market Value Overcollateralization“ (MVOC) von BB-Tranchen auf rund 104 Prozent gefallen. „Das bedeutet, dass nur noch ein Puffer von etwa vier Prozent besteht, bevor das Risiko eines Kapitalverlusts entsteht“, so Wilches. Gleichzeitig sei der Anteil der BB-Tranchen mit sehr geringen Puffern deutlich gestiegen: Rund 23 Prozent verfügten über weniger als drei Prozent Schutz, und etwa 13 Prozent zeigen aus Marktwertsicht bereits eine Kapitalbeeinträchtigung. Während Junior-Tranchen weiterhin am stärksten der Volatilität der zugrunde liegenden Kredite ausgesetzt seien, blieben Senior-Tranchen jedoch weitgehend unbeeinträchtigt.
Performance geht deutlich auseinander
Wichtig ist aus Sicht von Edwin Wilches, dass die Performance-Streuung zwischen den verschiedenen CLO-Strategien zunimmt. Die Ergebnisse würden nicht allein durch das gesamte Software-Exposure bestimmt, sondern auch durch die Auswahl der Emittenten, die Portfoliozusammensetzung und die Qualität des Underwritings. Einige Portfolios mit vergleichsweise geringem Softwareanteil hätten aufgrund des Engagements in schwächeren Krediten dennoch schwächer abgeschnitten. Dies unterstreiche die zunehmende Bedeutung einer detaillierten Bottom-up-Analyse.
Refinanzierungsrisiko steigt
Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Fälligkeitsprofile der Kredite. In einigen Portfolios werden bis zu 50 Prozent des Software-Exposures innerhalb der nächsten drei Jahre fällig. Dadurch steigt das Refinanzierungsrisiko in einem zunehmend selektiven Marktumfeld. Zugleich trage dies zu Unterschieden in der Performance der CLO-Manager bei.
Europäische Kredite mit längeren Laufzeiten
In Europa ist die Lage Wilches zufolge etwas weniger angespannt. Der Anteil an Software-Engagements ist geringer, und die Kredite weisen im Durchschnitt eine längere Laufzeit auf. Dennoch gebe es auch hier deutliche Unterschiede zwischen den Strategien. Zudem seien europäische Portfolios oft stärker konzentriert, wodurch einzelne Ausfälle stärker ins Gewicht fielen. Pauschale CLO-Investments reichten dehalb nicht mehr aus, so Wilches. Wer erfolgreich investieren wolle, müsse genauer hinschauen und sein Portfolio auf eine fundierte Analyse sowie eine gründliche Auswahl stützen. (de)