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Nun ist der Weg frei für einen Brexit im Januar 2020

Mit dem Sieg von Boris Johnson bei den britischen Unterhauswahlen ist der Weg frei für einen baldigen, geregelten Brexit. Endlich, werden viele Börsianer sagen. Der Chef der Konservativen Partei interpretiert das Votum der Wähler als starkes Mandat für seinen neu ausgehandelten „Deal“ mit der EU.

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Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt und Mitglied des Union Investment Committee, sagt: "Auch wenn ein harter Brexit jetzt vom Tisch ist, bleibt die Lage erstmal unsicher. Entsprechend begrenzt sind die kurzfristigen Anlagechancen."
© Union Investment

Parlamentarischer Widerstand gegen diesen Kurs ist unwahrscheinlich, nachdem sowohl Johnsons innerparteiliche Kritiker als auch die oppositionelle Labour Party über eine deutlich geschwächte Basis in Westminster verfügen. Das Vereinigte Königreich sollte damit spätestens zum 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union ausscheiden.

Für die Kapitalmärkte sind das gute Nachrichten
Das Randrisiko eines „harten Brexit“ ist vom Tisch. Allerdings werde das Thema die Börsen weiter verfolgen, meint Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment: "Denn im nächsten Schritt steht die Neuverhandlung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien auf der Agenda. Dabei ist eine solche Vielzahl komplexer Fragen zu klären, dass im Vergleich hierzu die Aushandlung des Austrittsvertrages allerhöchstens ein leichter Aufgalopp darstellte. So lange die künftigen Handelsbeziehungen nicht festgezurrt sind, bleibt die Lage deshalb unsicher. Diese Unsicherheit dürfte weiter auf der britischen Investitionstätigkeit und dem Wachstum lasten. Ganz ad acta können die Märkte den Brexit also auch nach dem Austritt nicht legen." Entsprechend begrenzt sieht Dr. Zeuner die kurzfristigen Anlagechancen.

Wirtschaftliche Vernunft dürfte letztlich obsiegen
Je länger aber der Prozess dauert, umso mehr dürfte sich aber die wirtschaftliche Vernunft durchsetzen, ist Zeuner überzeugt: "Schließlich ist Johnson aufgrund seines deutlichen Wahlsieges nicht mehr zwangsläufig auf jene Abgeordnete aus den eigenen Reihen angewiesen, welche mit voller Vehemenz die Lossagung des Vereinigten Königreiches von der EU fordern. Wir sehen daher die Chance auf engere Wirtschaftsbeziehungen. Sollte sich eine solche Lösung abzeichnen, dürften auch die britischen Kapitalmärkte profitieren: Das Pfund sollte aufwerten und der Aktienmarkt gleichzeitig klettern. Das ist ungewöhnlich, da die Londoner Börse normalerweise negativ mit der Währung korreliert ist. Viele in London notierte Unternehmen sind global tätig, ein schwaches Pfund beschert ihnen daher Wettbewerbsvorteile und höhere Gewinne in der Heimatwährung. Durch das Einpreisen der Chance auf enge Handelsbeziehungen besteht nun aber das Potenzial für Gewinne sowohl bei Aktienkursen als auch bei der Währung. Das macht Aktienanlagen auf der Insel perspektivisch wieder attraktiv. Britische Staatsanleihen dürften im Gegenzug unter dieser „Risk-Off“-Bewegung leiden."

Prognosen von Union Investment

 

(kb)

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