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NPL-Risiken treffen nun auch Versorgungskassen

Nicht nur heimische Sparkassen und Landesbanken sind mit mit steigenden Kreditausfallrisiken konfrontiert, auch institutionelle Investoren könnten über Private-Debt-Exposure Verluste erleiden. Beispielsweise eine bekannte Adresse aus dem Westen Deutschlands.

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Wenn Flugzeuge am Boden bleiben, statt zu fliegen und Geld zu verdienen, wird es für Kreditgeber und Investoren teuer.
© goran_dj / stock.adobe.com

Die Pandemie schlägt über Lock-Downs und steigende Kreditrisiken bzw. -ausfälle nicht nur den Geldhäusern ins Kontor. Auch institutionelle Investoren scheinen offenbar mittlerweile davon betroffen, wie einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen ist.

Darlehen an die Luftfahrtbranche in Gefahr
Der Einbruch des Flugverkehrs in Folge der Pandemie und die damit verbundenen Kreditausfallrisiken treffen die Sparkassen-Gruppe gleich doppelt. Während Landesbanken viele Flugzeuge finanziert haben, zählen einige Sparkassen zu den größten Geldgebern regionaler Flughäfen. Diese standen bereits vor der Coronakrise unter Druck und leiden nun zusätzlich unter dem ausbleibenden Verkehr.

Angeschlagen sei laut Bloomberg etwa der Flughafen Paderborn-Lippstadt, zu dessen größten Gläubigern eigenen Angaben zufolge die Sparkasse Paderborn-Detmold gehört. Hier wurde eine Insolvenz in Eigenverwaltung auf den Weg gebracht.

Kaum besser sieht es beim Flughafen Friedrichshafen aus, der Anfang dieses Monats ein Schutzschirmverfahren beantragt hatte. In diesem Fall ist die Sparkasse Bodensee als einer der größten Geldgeber im Risiko.

Zwar plant Deutschland eine Finanzspritze für strauchelnde Flughäfen in Höhe von 600 Millionen Euro, wie letzte Woche bekannt wurde. Regionalflughäfen wie etwa Friedrichshafen oder Paderborn sind von den Hilfen aber größtenteils ausgenommen.

Im Fall von Paderborn-Lippstadt sieht der bereits gebilligte Insolvenzplan eine feste und einheitliche Insolvenzquote von 25 Prozent für die Gläubiger vor, sagte ein Sprecher der Sparkasse Paderborn-Detmold gegenüber Bloomberg. Wegen des Bankgeheimnisses wollte er keine weitere Angaben machen.

Dem Flughafen zufolge sind die Sparkasse Paderborn-Detmold, die Kommunale Zusatzversorgungskasse aus Münster sowie die Bundesagentur für Arbeit die größten Gläubiger. Angaben zur Höhe der Verbindlichkeiten machte er nicht. Bei einer Regelinsolvenz hätte wegen erheblicher Abwicklungskosten womöglich überhaupt nichts an die Gläubiger gezahlt werden können.

Kaum Flugverkehr
Der Flughafen Friedrichshafen verwies indes in einer Mitteilung darauf, dass wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Restriktionen kaum Luftverkehr stattfinde. Der Schutzschirm bringe Luft für eine Umstrukturierung. “Die laufenden finanziellen Belastungen werden mit diesem Verfahren etwas vermindert”, hieß es.

Laut Geschäftsbericht 2019 belaufen sich die Verbindlichkeiten gegenüber der Sparkasse Bodensee auf über acht Millionen Euro. Weder der Flughafen noch die Sparkasse wollten das auf Nachfrage kommentieren.

Neben der Bafin hatten zuletzt auch Wirtschaftsforscher vor Kreditausfällen durch die Coronakrise gewarnt, darunter das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Sparkassen und Volksbanken seien dabei besonders bedroht, erklärte die Experten aus Halle, wegen ihrer Kredite an vom Lockdown betroffene Branchen.

Hohe NPL-Quote
Hinzu kommt, dass die Sparkassen über ihre Zentralinstitute ohnehin schon Luftfahrt-Risiken ausgesetzt sind, da diese viel Geld für Flugzeuge verliehen haben. Bei der DekaBank beispielsweise lag der Anteil notleidender Kredite in der Flugzeugfinanzierung zuletzt bei relativ hohen 7,7 Prozent, hatte Bloomberg berichtet. Ende September belief sich das Flugzeugportfolio demnach auf rund 3,1 Milliarden Euro, wobei 238 Millionen Euro als notleidend eingestuft waren.

Die NordLB, die wegen fauler Schiffskredite gerettet werden musste, hält ein Flugzeugportfolio von etwa vier Milliarden Euro. CEO Thomas Bürkle hatte gesagt, ein beträchtlicher Anteil der Risikovorsorge in 2020 werde darauf entfallen.

Ebenfalls aktiv in der Flugzeugfinanzierung sind die Helaba mit einem Portfolio von 2,9 Milliarden Euro, für das sie Risikovorsorge in einer zweistelligen Millionenhöhe gebildet hat, und die LBBW mit einem Portfolio von über 600 Millionen Euro. Die BayernLB, bei der das entsprechende Geschäft einst im Zuge der EU-Beihilfegenehmigung komplett eingestellt worden war, engagiert sich inzwischen auch wieder in diesem Bereich. (aa)

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