Norwegens Staatsfondschef warnt vor Verlustrisiken
Norwegens Staatsfonds hat im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn erzielt. Doch Fondschef Nicolai Tangen wird nach der Rally vorsichtiger – und verweist auf KI-Bewertungen, geopolitische Gefahren und enorme Konzentrationsrisiken.

Eckpunkte:
- Die hohen Kursgewinne der jüngeren Vergangenheit stimmen den CEO des Norwegischen Staatsfonds vorsichtig
- Falls die Aktienmärkte eines Tages crashen sollten, würde auch der Staatsfonds hohe Kursverluste erleiden
Eine Rekordrendite im ersten Halbjahr für Norwegens 2,3 Billionen US-Dollar schweren Staatsfonds ist nach Einschätzung von Nicolai Tangen, CEO von Norges Bank Investment Management, "so gut, wie es nur werden kann".
"Natürlich ist man nach einer solchen Rally etwas nervöser und sich all der Gefahren da draußen etwas bewusster", sagte er in einem Interview mit "Bloomberg TV". "Wir sehen viele Gründe, wirklich vorsichtig zu sein. Wir sehen, Sie wissen schon, die KI-Bewertungen. Wir sehen die Geopolitik."
Tangen äußerte sich, nachdem der Fonds für das erste Halbjahr einen Rekordgewinn von 1,4 Billionen norwegischen Kronen (rund 150 Mrd. US-Dollar) gemeldet hatte. Dazu trugen Kursgewinne bei den Beteiligungen an globalen Technologieunternehmen bei.
Politische und technologische Risiken
Die Äußerungen des Vorstandschefs folgen auf Warnungen vor politischen Risiken zu Beginn dieses Jahres. Ein Expertengremium hatte dabei unter anderem politische Risiken in den USA sowie Konzentrationsrisiken bei Technologieunternehmen genannt.
Tangen, der 2020 die Führung des Fonds übernommen hat, warnte die norwegische Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten zunehmend davor, dass der Fonds "irgendwann" von einem Einbruch getroffen oder im schlimmsten Fall sogar vollständig verschwinden werde. "Das Management von Erwartungen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit - und genau das tun wir jetzt", sagte er.
In einem separaten Interview mit "Bloomberg" verwies Tangen auf die wachsenden Sorgen, dass zirkuläre Finanzierungen eine KI-Blase aufblähen könnten. "Es erhöht das Risiko im System, wenn etwas schiefgeht", sagte er.
KI-Blase könnte Fonds 35 Prozent kosten
Der Fonds hatte zuvor erklärt, dass eine KI-Blase den weltgrößten Staatsfonds potenziell 35 Prozent seines Wertes kosten könnte. Geopolitische Risiken, darunter weltweite Investitionsbeschränkungen und drastische Zölle, könnten im schlimmsten Fall sogar bis zu 37 Prozent des Fondswerts vernichten. Die zehn größten Beteiligungen machen fast 25 Prozent des Fondsvermögens aus, sagte Tangen. "Wir haben noch nie ein solches Konzentrationsrisiko gesehen."
NBIM wurde Anfang der 1990er-Jahre gegründet und hält heute rund 1,5 Prozent aller weltweit börsennotierten Unternehmen. Der Fonds investiert entsprechend einem vom norwegischen Finanzministerium festgelegten Referenzindex und verfügt nur über begrenzten Spielraum für aktive Anlageentscheidungen. Das Portfolio umfasst Aktien, Anleihen, Immobilien und erneuerbare Infrastruktur – ausschließlich außerhalb Norwegens. (mb/Bloomberg)