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Norwegens Staatsfonds in Benchmark-Troubles

Norwegens Staatsfonds solle nicht die Benchmark, die jetzt verfolgt wird, über Bord werfen und gegen eine klima-adjustierte Benchmark tauschen, hat die norwegische Nationalbank ihrer eigenen Regierung unter anderem ausgerichtet.

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Trond Grande (Bild) als stellvertretender CEO des norwegischen Staatsfonds kontert die Begehrlichkeiten des norwegischen Finanzministeriums gemeinsam mit dem Notenbankchef.
© NBIM

In einem langen Antwortbrief auf das Schreiben des Finanzministeriums zu Klimarisiken hat die Norges Bank, die über ihre Tochter NBIM (Norges Bank Investment Management) den Government Pension Fund - Global (GPFG) managt, festgehalten, dass das Risiko schwer einzuschätzen sei und es nicht genügend Evidenz dafür gebe, dass der Markt die Situation falsch einschätzen würde.

Keine genügende wissenschaftliche Absicherung für einen Benchmarktausch
Der Gouverneur der Norges Bank Øystein Olsen und NBIMs stellvertretender CEO Trond Grande antworteten, dass der Klimawandel etwas sei, das von allen Investoren angesprochen werde. Es sei schwierig einzuschätzen, wie sich der Klimawandel auf die Investments des Staatsfonds auswirken werde. Auf Basis von Studien zum Zusammenhang von Assetpreisen und Klimarisiken glaube man nicht, dass es genügend belastbare Hinweise darauf gebe, dass Klimarisiken systematisch fehlgepreist würden. Vor diesem Hintergrund - so schrieben die beiden - sollte Norwegen vorsichtig sein in Bezug auf größere Änderungen der Prinzipien, die der Anlagestrategie des Fonds zugrundelägen. 

Ministerieller Aktionismus
Das Finanzministerium hatte der Norges Bank am 5. März 2021 einen Brief geschrieben, indem man um eine Einschätzung der Klimarisiken des GFPG ersuchte und um Anmerkungen bezüglich alternativer Wege des Handlings klimabezogener Risiken bat. Unter anderem wollte das Ministerium wissen, wie die Konsequenzen für das Risiko-/Ertrags-Profil des Fonds im Hinblick auf klima-adjustierte Benchmark-Indizes aussähe. 

Abfuhr für das Ministerium
Die Antwort lautete: "Die Norges Bank ist der Ansicht, dass das Finanzministerium die breite weltweite Aktien-Benchmark nicht durch einen klima-bezogenen Index ersetzen soll." Und weiter bei Olsen und Grande: "Eine solche Investment-Entscheidung sollte aufgrund der Annahme getroffen werden, dass das finanzielle Klima-Risiko systematisch fehlgepreist wird und dass dieser Umstand sich in einem klima-adjustierten Index  widerspiegelt." Alternative könnte diese Entscheidung auf der Annahme basieren, dass das Ministerium oder der Index-Anbieter über bessere Informationen als der Markt über Klimarisiken verfügt. Zum Schluss hieß es in dem Schreiben, dass der Vorstand nicht daran glaube, dass diese Annahmen halten würden.

Nicht-gelistete Infrastruktur
Norges Bank kommentierte auch die Freiheitsgrade, die die Regierung dem Fonds 2019 in Bezug auf Investment in nicht gelistete Infrastruktur auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien innerhalb eines Rahmen von 30 bis 120 Milliarden Norwegische Kronen erteilte. Diese sind Teil der umweltbezogenen Mandate, die man seit 2009 vergibt. Dies war das erste Mal, dass der GPFG die Erlaubnis erhielt, in nicht gelistete Infrastruktur-Assets zu investieren. Den Rahmen müsse man nicht erhöhen, auf diesen Punkt könne man später einmal bei entsprechenden Marktentwicklungen zurückkommen.

ESG-Modellierungen
NBIM hat unabhängig von dem Schreiben des Finanzministeriums ein Diskussionpapier publiziert, das sich mit Auswirkungen von ESG-Investments auf die Vermögenspreise befasst. Dabei wurden zwei  ESG-Modellierungsansätze verwendet um zu untersuchen, wie der Fokus auf ESG-Belange die Assetpreise beeinflusst.

Eine Schlussfolgerung lautete, wenn Investoren ESG in Portfolios als nicht-finanzielle Überlegungen miteinbeziehen, dies zu niedrigen erwarteten Renditen bei grünen Assets mit höherem ESG Scoring und zu höheren erwarteten Renditen bei braunen Assets führt.  

Hyundai Engineering & Construction unter Beobachtung
Hier ist vom Verdacht des inakzeptablen Risikos die Rede, dass die Firma in Korruption verstrickt sei, was den Richtlinien des Fonds zuwiderlaufe. Die in Thailand ansässige Schiffsgesellschaft Precious Shipping steht hingegen nicht mehr auf der Ausschlussliste, da sie die Praxis, ausrangierte Schiffe an den Stränden von Pakistan oder Bangladesh abzustellen, beendet hat. Auch Empire District Electric Company und Anglo American stehen nicht mehr auf der Ausschlussliste, und die Beobachtung von EDP – Energias de Portugal, Endesa, Portland General Electric und Enel wurde eingestellt. (kb)

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