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Nordic High Yield bringt hübsche 230 Basispunkte mehr

Während sich die Risikoprämien im europäischen und amerikanischen High-Yield-Markt nahe historischen Tiefständen bewegen, bleibt der Norden ein Ausreißer. Rund 500 Basispunkte Spread bietet der nordische High-Yield-Markt derzeit – etwa 230 bis 240 Basispunkte mehr als Europa.

Svein Aage Aanes, Head Fixed Income bei DNB Asset Management
Svein Aage Aanes, Head Fixed Income bei DNB Asset Management© DNB Asset Management

Eckpunkte:

  • High Yield-Spezifika in den Nordics gewähren Strukturelle Prämie
  • Anderer Branchenmix, kurze Duration, weniger Ratings
  • Geringere Ausfallsraten, kleinere Emissionen runden das Bild ab

"Diese Renditedifferenz zwischen Nordic High Yield und den europäischen und amerikanischen High Yield-Anleihen ist kein zyklischer Ausreißer, sondern ein strukturelles Merkmal", weiß Svein Aage Aanes, Head Fixed Income bei DNB Asset Management. "Gleichzeitig ist Nordic High Yield längst kein Randsegment mehr. Der gesamte nordische Corporate-Bond-Markt ist seit 2010 von rund 90 Milliarden auf über 550 Milliarden Euro gewachsen. High Yield bildet darin einen substantiellen und dynamisch expandierenden Teil. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 24 Milliarden Euro neue Hochzinsanleihen emittiert – ein Rekordwert für die Region. Der Markt ist damit groß genug, um institutionell investierbar zu sein, bleibt aber klein genug, um strukturelle Ineffizienzen zu bewahren."

Der Spread-Aufschlag ist eingebaut
Seit Jahren liegt Nordic High Yield konstant deutlich über Europa. Historisch bewegte sich der Mehrertrag meist zwischen 170 und 250 Basispunkten. Aktuell notiert er am oberen Ende dieser Spanne. Wer argumentiert, der Norden sei schlicht riskanter, muss erklären, weshalb diese Differenz selbst in stabilen Marktphasen bestehen bleibt.

Der Aufschlag hat zwei zentrale Ursachen
Erstens sind die Emittenten im Schnitt kleiner als in den USA oder im großen europäischen Markt. Zweitens besitzt rund die Hälfte des Marktes kein offizielles Rating. Dieser Teil schränkt die Investorenbasis ein – viele internationale Mandate dürfen solche Anleihen gar nicht halten. Weniger Nachfrage bedeutet höhere Risikoprämie. Das ist weniger ein makroökonomisches Problem als eine Frage der Marktstruktur. "Wer Kreditrisiken selbst analysieren kann, wird für diese Komplexität bezahlt", sagt Svein Aage Aanes.

Weniger Zinssensitivität als Europa und die USA
Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Duration. Nordic High Yield weist im Schnitt eine Zinsbindungsdauer von rund einem Jahr auf. In Europa und den USA sind es typischerweise drei bis vier Jahre. Die Konsequenz ist unmittelbar: Ein Zinsanstieg um 100 Basispunkte belastet einen Markt mit einer Zinsduration von vier rechnerisch um rund vier Prozent. Im Norden wären es etwa ein Prozent. In einem Umfeld anhaltender Zinsvolatilität ist das ein gewichtiger Unterschied. Anleger erhalten also nicht nur mehr Spread, sondern tragen gleichzeitig weniger Zinsrisiko.

Die effektiven Verluste relativieren die Mehrprämie nicht
High Yield bleibt risikobehaftet, doch die historischen Verlustquoten im nordischen Markt bewegten sich langfristig im Bereich von gut einem Prozent pro Jahr. Selbst in Stressphasen lagen die Recovery Rates zuletzt um 70 Prozent. Bei fünf Prozent der Ausfälle resultiert rechnerisch ein Nettoverlust von rund 1,5 Prozent. Stellt man diesen Größenordnungen einen Spread-Aufschlag von über 200 Basispunkten gegenüber, bleibt eine rechnerische Mehrprämie. Svein Aage Aanes dazu: "Der Markt entschädigt nicht nur für erwartbare Ausfälle, sondern zusätzlich für geringere Liquidität, kleinere Emittenten und höhere Analyseanforderungen."

Anderes Branchenprofil
Die Zusammensetzung unterscheidet sich spürbar von den USA. Immobilienunternehmen – insbesondere aus Schweden – spielen eine größere Rolle. Der Energiesektor ist präsent, aber deutlich weniger dominant als vor einem Jahrzehnt. Technologie- und Telekomschwergewichte, die US-Indizes prägen, sind im Norden seltener. Für internationale Investoren entsteht dadurch eine echte Diversifikation. Die Korrelation mit Europa und den USA ist hoch, aber nicht vollständig synchron. Gerade in Phasen ausgeprägter Zinsbewegungen zeigte sich aufgrund der kurzen Duration eine andere Performance-Dynamik.

Solide Volkswirtschaften im Hintergrund
Die nordischen Länder gehören fiskalisch zu den solidesten Europas. Staatsschuldenquoten liegen klar unter dem EU-Durchschnitt, Norwegen verfügt über einen der größten Staatsfonds der Welt. Institutionelle Stabilität und transparente Regulierung reduzieren systemische Risiken im Hintergrund des Kreditmarktes. Das eliminiert keine Unternehmensrisiken – High Yield bleibt High Yield. Doch das Umfeldrisiko erscheint geringer als in manch anderer Region.

Mehr Rendite bei anderem Risikoprofil
Rechnet man konservativ mit einer laufenden Verzinsung um fünf Prozent, zieht langfristige Verlustquoten von gut einem Prozent ab und berücksichtigt die deutlich kürzere Duration, ergibt sich ein im Vergleich zu Europa ein attraktives risikoadjustiertes Profil. Dort sind die Spreads tiefer, das Zinsrisiko aber höher. Der Nordic High Yield-Markt ist kleiner und weniger liquide als der US-Markt. Doch mit einem Gesamtvolumen von über einer halben Billion Euro im Corporate-Bereich und einem Emissionsvolumen von 24 Milliarden Euro jährlich ist er groß genug, um strategisch allokiert zu werden. Svein Aage Aanes: "Die strukturelle Mehrprämie von über 200 Basispunkten ist kein Zufall – sie ist das Resultat einer Marktarchitektur, die Investoren für Komplexität und geringere Standardisierung entschädigt." (kb)

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