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Nordea AM: Wie Wahlkampf und Growth-Rally die Märkte beeinflussen

Wie sich der Wahlkampf in den USA auf den Handelskrieg und die weltweiten Märkte auswirken könnte, analysiert Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management. Aber auch, wie es im Herbst bei Growth-Aktien weitergehen könnte, erörtert Galy.

Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management
Sébastien Galy, Nordea Asset Management
© Nordea Asset Management

In den USA wird es immer spannender. Denn die Gewinnchancen von Joe Biden seien laut Prognoseanbieter "PredictIt" etwas gesunken, auf 59 Prozent. Donald Trump feiert hingegen ein leichtes Comeback, mit China-Bashing und einer Blutplasma-Therapie für Corona-Kranke. Darüber berichtet Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, in seinem aktuellen Marktkommentar.

Trump muss ins Risiko gehen: Das könnte die Märkte belasten
Während Trump bei Umfragen zu den Themen Wirtschaft und China vorne liegt, hinkt er bei Gesundheitsthemen insgesamt hinterher. Die Demokraten richten den Fokus laut Galy auf hohe moralische Aspekte und führen eine unauffällige, wenig kontroverse Kampagne gegen einen mit erheblichen Schwierigkeiten kämpfenden Amtsinhaber.

Dies habe zur Folge, dass der in die Ecke gedrängte Präsident nun riskante Strategien verfolgt, zumal das Risiko eines weiteren Abrutschens in den Umfragewerten sehr begrenzt ist.

"Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Trump seine Haltung gegenüber China beibehalten wird, und so ist es sehr wahrscheinlich, dass der Phase-1-Deal dieser letztlich zum Opfer fallen wird. Für den asiatisch-pazifischen Raum sind zudem einige Turbulenzen zu erwarten", prognostiziert Galy.

Die meisten Investoren hätten jedoch einen längerfristigen Horizont und erwarten eine künftige demokratische Regierung. Die Frage lautet deshalb: Wie hoch sind die Chancen, dass der Präsident, wie bei den letzten Wahlen, doch noch positiv überraschen kann?“

Höhere Volatilitäten voraus
Die US-Präsidentschaftswahlen sind Galy zufolge durchaus noch nicht entschieden, sodass eine gewisse Volatilität erwartet werden kann. Der Markt sieht jedoch bereits weiter in die Zukunft auf eine mögliche demokratische Regierung, die verspricht, all jenen mit einem Einkommen von 400.000 Dollar oder weniger keine zusätzlichen Steuern aufzuerlegen. In einem solchen Umfeld dürfte es taktisch sinnvoll sein, eine kleine Position in lang laufenden US-Staatsanleihen zu halten. "Grundsätzlich bleiben wir zuversichtlich im Hinblick auf eine von China ausgehende Erholung", ergänzt Galy.

Eine k-förmige Erholung
Es sei normalerweise ein sehr schlechtes Zeichen, wenn jemand Sie daran erinnert, dass er doch Recht hatte. Es ist allerdings häufig so, dass zwar viele Recht haben, aber aus dem falschen Grund. Der Momentum-Investmentstil wird aktuell durch eine rasche Erholung der Wirtschaft unterstützt. Dabei nehmen die wirtschaftlichen Überraschungen stark zu aufgrund des zu negativen wirtschaftlichen Konsenses und der positiven Entwicklung der Preise. Gleichzeitig werden die Anleger auch davon angetrieben, nichts verpassen zu wollen.

Infolgedessen haben Negativ-Wetten auf Top-Wachstumswerte ein Allzeittief erreicht. Momentum-Trades werden durch das Market Making von Optionshändlern verstärkt, und ihre Konzentration auf einige wenige Wachstumstitel ist typisch für eine k-förmige Erholung der Märkte. 

Beim Blick auf den Rest des Marktes stellt sich für Galy die Frage: Entwickelt er sich unterdurchschnittlich, weil er eher im Einklang mit den Fundamentaldaten oder bereits höher bewertet ist? Galy nennt vier Punkte:

1. Jene Sektoren, die sich schlechter entwickeln, liegen nicht im Trend. Eine solche Sichtweise liegt dem Momentum-Stil zugrunde und würde erklären, warum bestimmte Sektoren in Vergessenheit geraten sind.

2. Aufgrund ihrer vergleichsweise schlechten Performance und eben weil sie nicht im Trend liegen, können diese Sektoren nur begrenzt Kapital anziehen.

3. Einige dieser Sektoren befinden sich in einem strukturellen, Corona-bedingten oder unternehmensspezifischen Abwärtstrend (z.B. Zombie-Unternehmen). 

4. Manche Zukunftstrends werden schlichtweg missverstanden. Beispielsweise wurde Apple vor ein paar Jahren als Value-Unternehmen mit einem sehr niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis eingestuft.

"Diese Aspekte unterstreichen die Bedeutung von Portfoliomanagern und Analysten, wenn es darum geht, wirtschaftliche, geschäftliche, technologische und ESG-Trends sowie Sektor- und Einzeltitel-spezifische Themen zu beurteilen", ergänzt Galy.

Auswirkungen für Investoren
Galy erwarte im September oder Oktober vor allem bei Wachstumstiteln ein Ausgleichen von Short-Positionen durch Käufe, wobei auch alle anderen Bereiche des Marktes bis zu einem gewissen Grad davon betroffen sein dürften. Längerfristig dürfte sich das Marktumfeld dann komplexer gestalten. "Es stimmt zwar, dass einige Wachstumstitel wieder an Fahrt aufnehmen werden, aber von diesen abgesehen dürften sich die verschiedenen Marktsegmente sehr unterschiedlich entwickeln", erklärt Galy abschließend. (aa)

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