Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
| Märkte
twitterlinkedInXING

Ninety One: Wie groß ist das Erholungspotenzial von Costa Rica-Bonds?

Der Rentenchef von Ninety One ist für Hartwährungsanleihen von Costa Rica zuversichtlich. Zehnjährige Bonds bieten derzeit ca. 5,7 Prozent Rendite p.a.. Für weiter steigende Anleihekurse sprechen die jüngst von der Regierung verabschiedeten Sparmaßnahmen, die von der Bevölkerung akzeptiert werden.

Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One
Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One
© Ninety One

Unlängst hat der Internationale Währungsfonds (IWF) Costa Rica einen dreijährigen Kredit in Höhe von 1,79 Milliarden US-Dollar bewilligt. Dies markiert einen Wendepunkt in den Beziehungen des Landes zu multilateralen Organisationen, betont Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One, in einem "Institutional Money" exklusiv vorliegenden Kommentar.

Die erweiterte IWF-Fazilität (EFF) wird Eerdmans zufolge die seit Langem angeschlagenen Staatsfinanzen Costa Ricas stärken und dessen Erholung nach der COVID-19-Pandemie unterstützen. Die EFF entspricht rund drei Prozent des BIP und sieben Prozent des geschätzten Bruttofinanzierungsbedarfs des Landes in den Jahren 2021-2023. Voraussichtlich im Sommer wird die Fazilität grünes Licht vom costaricanischen Parlament erhalten. "Die auf Hartwährung lautenden Staatsanleihen des Landes haben sich unterdessen von ihrer Schieflage erholt. Mit der Haushaltskonsolidierung könnten sie ihren Aufwärtstrend fortsetzen", merkt Eerdmans an.

Hartes Sparen
Um die Vorgaben für die EFF zu erfüllen, hatte die Regierung nach umfassenden Konsultationen im Land Haushaltsanpassungen beschlossen. Diese summieren sich bis 2023 auf 4,7 Prozent des BIP und verteilen sich im Verhältnis 75:25 auf Ausgabenkürzungen und Maßnahmen zur Erhöhung der Staatseinnahmen.

Beamtenstaat kam teuer
Die Einsparungen sollen vor allem über eine Reform des öffentlichen Dienstes ermöglicht werden. Die Hälfte seiner Staatseinnahmen wendet Costa Rica für die Löhne im öffentlichen Dienst auf. Das ist doppelt so viel wie der Durchschnitt der OECD-Länder.

Costa Rica wird ferner die Zulagen zu den staatlichen Pensionen für steigende Lebenshaltungskosten einfrieren. Um die Einnahmen zu erhöhen, wird eine Steuer auf Luxusimmobilien und Lotteriegewinne eingeführt und auf einen einheitlichen Einkommensteuersatz umgestellt.

Auslandsfinanzierungen müssen künftig vom Parlament mit einer Zweidrittelmehrheit gebilligt werden.

Trotz der Herausforderungen eines gespaltenen Parlaments scheut Präsident Carlos Alvarado Quesada keine Mühen, um sich die Unterstützung ausreichend vieler Abgeordneter zu sichern, damit die erweiterte IWF-Fazilität spätestens zur Jahresmitte verabschiedet wird. Dann wäre die Auszahlung des Kredits noch vor den nächsten Wahlen im Februar 2022 möglich.

Die Gehälter der am besten bezahlten Staatsbediensteten zu kürzen und andere einzufrieren, dürfte bei der Bevölkerung, die mit einer Arbeitslosenquote von 22 Prozent zu kämpfen hat, auf Zustimmung stoßen, hält Eerdmans fest. Laut der nationalen Statistikbehörde ist die Zahl der Arbeitslosen seit Ausbruch des Coronavirus um mehr als zehn Prozent gestiegen.

Steigende Anleihenkurse
Der durch die Pandemie verursachte wirtschaftliche Schock hat die Regierung auch zu einer Steuerreform gezwungen. Anders als bei früheren Versuchen, multilaterale Hilfe zu erhalten, verhinderte dieses Mal der politische Dialog mit den Wählern über die für die EFF notwendigen staatlichen Maßnahmen, dass diese von breiten öffentlichen Protesten begleitet wurden. Aufgrund der günstigeren Rahmenbedingungen haben sich die Hartwährungsanleihen des Landes von ihren notleidenden Niveaus erholt. Zudem könnten die Risikoaufschläge als Reaktion auf die Haushaltskonsolidierung weiter sinken.

Übergewichtung
Trotz der Bedenken über das hohe Haushaltsdefizit Costa Ricas bleibt das Fixed Income-Team von Ninety One zuversichtlich und gewichtet die Hartwährungsanleihen über. Schließlich sei angesichts der Zustimmung des Parlaments zur EFF ein Vertrauensvorschuss gerechtfertigt, denn diese Fazilität könnte die Tür zu weiteren multilateralen Krediten öffnen.

Costa Rica auf einem guten Weg
Nicht ganz zu Unrecht hat Alvarado erklärt, dass Costa Rica auf einem guten Weg ist, zu dem am weitesten entwickelten Land in Lateinamerika zu werden. In den hohen ESG-Bewertungen spiegelt sich eine sehr offene Wirtschaft wider, die von einem gut entwickelten Bildungssystem profitiert. Darüber hinaus zeichnen das Land Investitionen in den High-Tech-Sektor, eine starke Gesundheitsversorgung (Costa Rica und Chile waren die Ersten in Lateinamerika, die ihre Bürger gegen COVID geimpft haben) und Erfolge beim Erhalt der natürlichen Ressourcen aus, die dem Tourismus als einem der wichtigsten Wirtschaftszweige zugutekommen.

Außerdem erfolgt die Energieversorgung schon heute zu 98 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Bis Ende 2021 sollen es 100 Prozent sein. Damit gehört das Land weltweit zu den Spitzenreitern in diesem Bereich.

"Vor Costa Rica dürfte zwar ein steiniger Weg liegen. Wenn es jedoch seine gute ESG-Bilanz zu seinem Vorteil nutzt und seinen Haushalt spürbar konsolidiert, könnten die Risikoaufschläge seiner Staatsanleihen deutlich sinken. Damit könnte das mittelamerikanische Land den Negativtrend der letzten Jahre umkehren, in dessen Verlauf Moody's sein Länderrating von Investment Grade auf B herabgestuft hatte", erklärt Eerdmans abschließend. (aa)

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren