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Ninety One über die Aussichten von EM-Hartwährunganleihen

Welches Potenzial Hartwährungsstaats- und -unternehmensanleihen aus den Schwellenländern haben, erläutert der Rentenchef von Asset Manager Ninety One, der ehemaligen Investec Asset Management.

Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One
Peter Eerdmans, Ninety One
© Ninety One

Immer mehr institutionellen Investoren wird laut Peter Eerdmans, Head of Fixed Income, Ninety One, bewusst, dass an strukturellen Allokationen in Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern kein Weg mehr vorbeigeht. Immerhin bieten Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern höhere Renditen verglichen mit ihren Pendants aus Industrieländern. Nicht selten sind auch ihre Fundamentaldaten besser.

Zu den strukturellen Veränderungen bei Hartwährungsstaatsanleihen aus Schwellenländern gehört auch die Erweiterung des Frontier-Market-Universums und die Zunahme an Emittenten aus dem Nahen Osten sowie eine geringere Verschuldung in anderen Währungen als der Landeswährung, merkt Eerdmans an. Durch das Wachstum in Asien und China ist die Anlageklasse der Unternehmensanleihen aus Schwellenländern breiter aufgestellt. Höhere Risikoaufschläge als vor Ausbruch des Coronavirus deuten auf interessante Anlagechancen in beiden Anlageklassen hin.

Grundsätzlich handelt es sich zwar sowohl bei Unternehmensanleihen als auch bei Staatsanleihen aus Schwellenländern um festverzinsliche Wertpapiere, jedoch sind bei diesen einige für ihr jeweiliges Universum entscheidende Unterschiede zu berücksichtigen. Das zeigt sich auch in Bezug auf ihre Wachstumsfaktoren:

Was sind die Antriebskräfte dieser Indizes?
Einer der zentralen Treiber der jüngsten Zuwächse bei Staatsanleihen ist das Wachstum der Frontier-Märkte. Diese können grob als High Yield-Märkte mit niedrigen bis mittleren Renditen definiert werden, die nicht in anderen Schwellenländerindizes enthalten sind. Mittlerweile machen diese einen Anteil von 50 Prozent am JP Morgan Emerging Market Bond Index (EMBI) aus (Alle Angaben von Bloomberg mit Stand Oktober 2020, sofern nicht anders angegeben) Die größte Veränderung hat es laut Eerdmans in den letzten Jahren mit Blick auf Anleihen aus dem Nahen Osten gegeben, deren Anteil am Index sich inzwischen auf fast 20 Prozent beläuft.

Was Unternehmensanleihen angeht, stellt das Wachstum in China sicher, dass Asien mit ziemlicher Sicherheit die größte Komponente im JP Morgan Corporate Emerging Markets Bond Index (CEMBI) bleibt. In den letzten zehn Jahren ist allein die Gewichtung von chinesischen Unternehmensanleihen im CEMBI von sechs auf 25 Prozent gestiegen. Insgesamt haben Emissionen aus Asien von einem Drittel des Angebots auf zwei Drittel zugenommen.

Was sind die jüngsten Wachstumstreiber?
Für Staatsanleihen aus Schwellenländern war 2020 ein schwierigeres Jahr als für Unternehmensanleihen. So hat die Corona-Pandemie die Wirtschaftsleistung gebremst. Zudem wird es bei einigen der größeren Schwellenländer wohl mehrere Jahre dauern, bis sie die Produktionseinbußen wieder wettmachen.

Drei Faktoren kamen Unternehmen aus Schwellenländern dabei in der Corona-Krise zugute. Zum einen ist hier die Abwertung vieler Schwellenländerwährungen während der jüngsten Rezession zu nennen. Dadurch sind die Produkte der jeweiligen Unternehmen auf den Weltmärkten wettbewerbsfähiger geworden. Zudem sind Unternehmen aus der Region stärker auf das verarbeitende Gewerbe und die Industrie ausgerichtet. Folglich haben sich ihre Volkswirtschaften besser behauptet als die vieler Industrieländer, in denen Dienstleistungsunternehmen dominieren. Das kommt auch in den Ausfallraten von Schwellenländerunternehmen zum Ausdruck, die zuletzt niedriger ausgefallen sind als erwartet.

Angebot und Nachfrage
Emittenten von Investment-Grade-Anleihen aus dem Nahen Osten waren im Jahresverlauf sehr aktiv, um Finanzierungslücken infolge des niedrigeren Ölpreises zu schließen. Sie machten daher fast die Hälfte der Gesamtemissionen von 100 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr aus. Durch die starke Nachfrage nach Erträgen qualitativ hochwertiger Anleihen dürfte dieser Markt im Aufwind bleiben.

Aufgrund weltweit sinkender Renditen war 2020 ein Rekordemissionsjahr für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, primär angeführt von Asien. Mit der Zurverfügungstellung eines COVID-19-Impfstoffs im Jahr 2021 könnte sich dies grundlegend ändern, was vor dem Hintergrund längerfristig niedrigerer Zinssätze und unterstützender Zentralbanken zu einer potenziellen Spread-Einengung führen könnte.

Ausblick auf 2021
Im Segment der Schwellenländerstaatsanleihen haben hochverzinsliche Bonds mit Rating BB und B+ aus Eerdmans' Sicht das beste Wertpotenzial. Auch einige Investment-Grade-Anleihen mit längerer Laufzeit erscheinen attraktiv angesichts steiler Spread-Kurven.

Eerdmans Analyse zu Unternehmensanleihen aus Schwellenländern legt nahe, dass die Risikoaufschläge rund zwölf Monate nach einem größeren Marktereignis in einer Bandbreite von 270-280 Basispunkten liegen dürften. Zuletzt lagen sie bei über 300 Basispunkten, was auf das Potenzial für einen weiteren Spread-Rückgang schließen lässt.

Für die Fundamentaldaten der Schwellenländer ist der globale Handel von enormer Bedeutung. "Daher sehen wir eine US-Regierung unter Joe Biden als wichtige Stütze für Schwellenländerinvestments, da die USA künftig eine berechenbarere Außen- und Handelspolitik verfolgen dürften. Darüber hinaus sind viele Unternehmen stärker aus der aktuellen Krise hervorgegangen, denn sie haben sich darauf konzentriert, die Kosten zu senken, ihre Margen zu erhöhen und ihre eigenen Bilanzen weiter zu stärken", merkt Eerdmans abschließend an. (aa)

 

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