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Nifty 50: Warum Indiens Aktienindex kein Hype ist und überzeugt

Der indische Leitindex Nifty 50 feiert sein 30?jähriges Bestehen – und ist damit ein Sonderfall unter den Schwellenmärkten. Statt spektakulärer Ausschläge stehen nämlich Beständigkeit, Reformen und langfristiger Wertzuwachs im Vordergrund.

Jitania Kandhari, stellvertretende CIO der Solutions and Multi-Asset Group von Morgan Stanley IM
Jitania Kandhari, stellvertretende CIO der Solutions and Multi-Asset Group von Morgan Stanley IM© Morgan Stanley Investment Management

Eckpunkte:

  • Nifty Fifty Index toller Compounder für Langfristanleger
  • Performance wird unterstützt von Reformen in Krisenzeiten
  • Stille Reformen in den letzten zehn Jahren unter Modi sehr hilfreich

Jitania Kandhari, stellvertretende CIO der Solutions and Multi-Asset Group von MSIM, ist leitende Portfoliomanagerin für die Passport Equity Strategies und Leiterin der Makro- und Themenforschung für das Emerging Markets Equity Team bei Morgan Stanley Investment Management. Sie erklärt unter anderem, weshalb Indien auch im KI?Zeitalter strukturelle Vorteile besitzt.

Compunding at its best
„Die letzten drei Jahrzehnte haben gezeigt, wie ein wirklich belastbarer ‚Compounder‘ in den Schwellenländern aussieht“, sagt Kandhari. „Der Nifty 50, der am 21. April 1996 offiziell gestartet wurde und rückwirkend auf den 3. November 1995 mit einem Basiswert von 1.000 berechnet wurde, notiert heute bei über 24.000 Punkten. In US-Dollar gerechnet erzielte er eine durchschnittliche jährliche Gesamtrendite von rund 8,5 Prozent.“

Breite Emerging Markets Aktienindizes outperformt
Damit übertraf der indische Index den breiten Schwellenländermarkt (6,2 Prozent) deutlich und nähert sich US-Aktien (10 Prozent) an. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe der Rendite, sondern vor allem ihre Kontinuität – auch über Ereignisse wie die asiatische Finanzkrise, den Dotcom-Crash, die globale Finanzkrise und die Coronapandemie hinweg.

Kluge Reaktionen der Politik durch Reformwillen in Krisenzeiten
„Indien hat Krisen wiederholt als Katalysator für Reformen genutzt“, so Kandhari. „Phasen hohen politischen Drucks wurden gezielt genutzt, um strukturelle Veränderungen umzusetzen, die unter normalen Bedingungen kaum durchsetzbar gewesen wären – mit positiven Effekten für das langfristige Wachstum.“

Leise Transformation der letzten Dekade erfolgreich
Das vergangene Jahrzehnt war geprägt von einer stillen Transformation der makroökonomischen Architektur. Dazu zählen die Einführung von Inflationszielen ab 2016, der Aufbau einer digitalen Zahlungsinfrastruktur, eine stärkere Formalisierung der Wirtschaft sowie Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung. Gleichzeitig habe sich die Zahlungsbilanz schrittweise stabilisiert.

Mittelfristige Aussichten
Nach der Korrektur gegenüber den Höchstständen von 2024 bewertet Kandhari die mittelfristigen Perspektiven des indischen Aktienmarkts positiver als es die jüngste Entwicklung nahelegt. Erwartungen und Bewertungen seien angepasst worden – während ein Teil der Underperformance auf geopolitische Belastungen, Energiepreisdruck sowie die starke Kapitalallokation in KI-getriebene Technologiemärkte zurückzuführen sei. Gerade hier sieht Kandhari langfristige Chancen: „Indiens Stärke liegt nicht im Aufbau der großen KI-Modelle, sondern in deren Anwendung.“

Die technologische Infrastruktur – von UPI über Aadhaar bis hin zu einem großen Ingenieur?Talentpool – sei auf Skalierbarkeit und Kosteneffizienz ausgelegt. Genau das ermögliche eine breite Nutzung künstlicher Intelligenz in einer bereits stark digitalisierten Volkswirtschaft mit rund vier Billionen US?Dollar Wirtschaftsleistung und 1,4?Milliarden Menschen.

Strukturelle Fundamentaldaten intakt
Jenseits kurzfristiger Marktschwankungen bleiben aus Sicht von Morgan Stanley Investment Management die strukturellen Fundamentaldaten intakt: Immer mehr private Haushalte beteiligen sich an den Kapitalmärkten, die Abhängigkeit von Öl nimmt ab, Dienstleistungsexporte gewinnen an Bedeutung und die inländischen Kapitalströme erweisen sich als widerstandsfähig. Gleichzeitig ist die Positionierung ausländischer Investoren auf Mehrjahrestiefs gesunken – trotz normalisierter Bewertungen.

Positionierung ausländischer Investoren auf Mehrjahrestief gesunken
„Historisch gesehen waren solche Konstellationen eher Einstiegs? als Ausstiegspunkte“, so Kandhari. Die Geschichte des indischen Aktienmarktes zeigt, dass sich die Chancen in der Regel vergrößern, wenn sich das Bild eintrübt. Drei Jahrzehnte Nifty 50 erinnern daran, dass die beständigsten Renditetreiber selten die aufregendsten sind – sondern jene mit der institutionellen Tiefe, um Reformen voranzutreiben, und mit der makroökonomischen Stabilität, um diese wirken zu lassen. (kb)

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