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Nick Gartside, J.P.Morgan AM: „Erwarten Sie das Unerwartete!“

Der internationale Rentenchef von J.P.Morgan Asset Managements Global Fixed Income, Currency & Commodity Group entmystifizierte in einem Vortrag fünf bei Credit-Investoren derzeit vorherrschende Mythen und gab dabei einen Ausblick auf die zukünftig zu erwartende Rentenmarktentwicklung.

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Italiener sind wieder Euro-freundlicher gestimmt.
Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren sind die Italiener (linke Säulen) mehrheitlich pro Euro gestimmt. Sehr hoch ist die Zustimmung in Deutschland, obwohl die Einheitswährung über zukünftig in Planung befindliche gemeinsame Budgets und Haftungsverbünde (Bankenunion) dem deutschen Steuerzahler vielleicht noch sehr teuer kommen könnte.
 
© J.P.Morgan AM

„Das BIP-Wachstum ist hoch, die Volatilität extrem niedrig und Aktienkurse steigen im zweistelligen Prozentbereich“, leitete Gartside, seines Zeichens „International CIO, Global Fixed Income, Currency & Commodity Group“ von J.P.Morgan Asset Management seinen mit Spannung erwarteten Marktausblick ein, den er anlässlich der „Neujahrskonferenz 2018“ des amerikanischen Vermögensverwalters in Wien vor professionellen Marktteilnehmern hielt. „All dies ist zu gut – und genau das könnte zukünftig Probleme bereiten“, fügte Gartside seinen Einleitungsworten rasch hinzu. Er empfahl Investoren damit zu rechnen, dass das „Undenkbare denkbar wird“ und widmete sich in Folge der Entmystifizierung von fünf Mythen am Rentenmarkt, die Investoren teuer zu stehen kommen könnten.

Mythos Eins: „Die Inflation ist tot“
Gartside monierte, dass immer mehr Investoren davon ausgingen, dass die Inflation in den Industrieländer noch sehr lange Zeit bzw. sogar „ewig“ sehr niedrig bliebe. Gerade diese sich immer stärker verfestigende „Mainstream-Meinung“ könnte sich als gefährlicher Trugschluss erweisen. Der J.P.Morgan Renten-CIO präsentierte dabei auf eine Grafik, die rasch anziehende Kerninflationsraten zeigt und die Sie oben in einer Bildergalerie betrachten können.

2018 könnte auch das Jahr werden, in dem die viele Jahre unterdurchschnittlichen Produktivitätszuwächse spürbar zurückkehren und US-Arbeitnehmer vor dem Hintergrund eines zumindest in den USA weitgehend ausgetrockneten Arbeitsmarkts seit langer Zeit wieder beginnen könnten, bei ihren Arbeitgebern Lohn- und Gehaltserhöhungen zu fordern. Dies könnte der aus den 1970er und 1980er bekannte „Lohn-Preis-Spirale“ zumindest teilweise zu einem Comeback verhelfen.

Höhere Inflationsraten könnten einerseits die Zentralbanken, aber auch Renteninvestoren durch die in Folge möglicherweise vorgenommen Leitzinserhöhungen am falschen Fuß erwischen. Gartside kritisierte, dass insbesondere die EZB eine zu expansive Geldpolitik verfolge. Die derzeitige Geldpolitik sei in einer schweren (Finanz-)Krise angebracht, aber nicht mehr im derzeitigen Konjunkturumfeld, in dem Euroland ein höheres BIP-Wachstum als die USA aufweise und Italien als Emittent 2017 zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren ein Upgrade bei der Bonitätseinschätzung erhielt.

Vor allem Investoren jener Rentenpapiere, die derzeit negative Sekundärmarktrenditen aufwiesen, drohen nach Auslaufen von QE Kursverluste. Diese Anleihen repräsentieren immerhin 30 Prozent des breiten Euro-Rentenmarkts (siehe Grafik oben).

Gartside verriet den anwesenden Investoren, dass sein Haus bei einigen Mandaten Short-Positionen bei diesen negativ verzinsten Anleihen bester Qualität eingegangen ist, um von deren zukünftig zu erwartenden Kursverlusten zu profitieren.

Mythos zwei: Die Politik wird die Märkte 2018 massiv negativ beeinflussen
Viele Investoren befürchten, dass einige der zukünftig anstehenden Wahlen das Potenzial hätten, Renten- und Aktienmärkte massiv zu beeinflussen und halten sich daher mit ihren Kaufentscheidungen zurück. Das sei laut Gartside ein Fehler. Denn Wahlen finden ständig irgendwo auf der Welt statt und eine Marktabstinenz an den besonders starken Tagen würde die Jahres- bzw. Lebensperformance von Investoren massiv schmälern. Vor allem was die anstehende Wahl in Italien anbelangt, gab Gartside Entwarnung: Die Euro-kritische „Fünf-Sterne-Bewegung“ werde aus heutiger Sicht nicht in eine Regierung einziehen und das italienische Volk ist trotz einer gewissen kritischen Haltung zur Einheitswährung derzeit für die Beibehaltung derselben (siehe Grafik oben). Auch seien die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen im Vergleich zu Deutschen Bundesanleihen derzeit relativ niedrig.

Mythos drei: Bei Credits gibt es eine Blase
Gartside geht von keiner Blase am Markt für Unternehmensanleihen aus. Er argumentiert mit steigenden Umsätzen und EBITDAs sowie damit, dass am HY-Markt die Emissionserlöse zuletzt nicht in die Finanzierung von Unternehmenskäufen, sondern mehrheitlich in die Refinanzierung alter Schulden gesteckt wurden.

Mythos vier: Alle Schwellenländer sind gleich
Der J.P.Morgan-Rentenchefstratege erklärte, dass diese Annahme vielleicht vor 20 Jahren Gültigkeit hatte, heutzutage Investoren jedoch eine wesentlich differenzierte Betrachtungsweise vornehmen sollten. Anhand einer Grafik zeigte Gartside die unterschiedlichen Performancezahlen ausgewählter Schwellenländeranleihen sowohl in US-Dollar als auch in Euro.

Gartside hält derzeit viel von auf Lokalwährung denominierte Bonds aus Indonesien, die von einem Bonitäts-Upgrade profitieren sollten sowie von brasilianischen Lokalwährungsanleihen.

Mythos fünf: Anleiheerträge beruhen nur auf Zinskupons
Diese Annahme hatte vielleicht vor vielen Jahren in Zeiten wesentlich höher Zinskupons ihre Berechtigung. Vor dem Hintergrund immer niedrigerer Zinsen gewinnen aber die damit einhergehenden Kursgewinne von Anleihen an Bedeutung für Investoren. Keinesfalls darf aber an dieser Stelle auch das inhärente Kursverlustrisiko, Stichwort „Durationsrisiko“, ausgeblendet werden. „Bei Renteninvestments wird die Selektion immer wichtiger“, betonte Gartside und verwies dabei auf die unterschiedlichen Entwicklungen von zwei 2023er-Anleihen der Unternehmen „Tesco“ und „New Look“ (siehe Grafik oben).

Wie sollen sich Rentenanleger positionieren?
Im zweiten Teil des Vortrags präsentierte Gartside jene „Ideen“, die er derzeit für aussichtsreich hält. Investoren sollten weiterhin auf US High Yield Bonds sowie in Euroland auf nachrangige Bankanleihen setzen. Bei Schwellenländeranleihen sieht Gartside das größte Potential bei Lokalwährungsanleihen. Aber auch viele US-IG-Corporate Bonds seien noch immer ein Engagement wert. Auf die Shortseite sollten Investoren jedoch bei Euro-Government-Bonds wechseln.

Investoren, die die genannten Ideen aus diversen Gründen nicht direkt umsetzen können oder wollen, empfahl Gartside abschließend ausgewählte Rentenfonds seines Hauses, die eine „unconstrained“ Strategie umsetzen: Beispielsweise den JP Morgan „Global Strategic Bond Fund“ sowie den „Global Bond Opportunities Fund“. Einen kurzen Überblick über die wichtigsten Eckpunkte sowie auch eine Vergangenheitsperformance dieser beiden Vehikel finden Sie oben in der Bildergalerie. (aa)


Veranstaltungshinweis: J.P.Morgan Asset Management ist am 11. Institutional Money Kongress Ende Februar 2018 vertreten und hält einen Workshop über die Aussichten von Emerging Markets-Aktien, für den Sie sich bereits jetzt einen Sitzplatz reservieren können:

 

 

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