Neun von zehn der Investoren zweifeln an den Pariser Klimazielen
Nachhaltigkeit bleibt bei institutionellen Investoren fest verankert. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber den globalen Klimazielen. Laut einer Umfrage von Union Investment glaubt nur noch knapp jeder zehnte Anleger, dass die Pariser Klimaziele erreicht werden können.

Eckpunkte:
- Mehrheit der Investoren glaubt an ökonomischen Nutzen von Nachhaltigkeit
- Nicht einmal jeder Zehnte hält die Pariser Klimaziele für erreichbar
- 92 Prozent fordern eine praktikablere ESG-Regulierung
Institutionelle Investoren in Deutschland halten an nachhaltigen Kapitalanlagen fest, blicken jedoch zunehmend skeptisch auf die Erreichbarkeit globaler Klimaziele. Das geht aus einer Befragung von 130 institutionellen Anlegern mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,7 Billionen Euro hervor, die Union Investment zwischen Januar und März 2026 durchgeführt hat.
Demnach berücksichtigen 85 Prozent der Investoren Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen. Nachhaltige Investments machen inzwischen durchschnittlich 65 Prozent der Portfolios aus.
Besonders auffällig ist jedoch die wachsende Skepsis hinsichtlich der Klimaziele. 91 Prozent der Befragten glauben nicht daran, dass die 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele erreicht werden können. Gegenüber der ersten Erhebung im Jahr 2016 ist der Anteil der Skeptiker damit laut Union Investment um weitere 20 Prozentpunkte gestiegen.
ESG bleibt fester Bestandteil des Investmentprozesses
Trotz der kritischeren Einschätzung der globalen Entwicklung denken die meisten Investoren nicht über einen Ausstieg aus nachhaltigen Kapitalanlagen nach. 87 Prozent der Befragten können sich dies nach eigenen Angaben nicht vorstellen.
„Die meisten institutionellen Investoren setzen eine Nachhaltigkeitsstrategie um, sind aber realistisch. Sie wünschen sich eine deutlich pragmatischere Regulierung und sehen Nachhaltigkeit zunehmend als integrales Instrument ihres Investmentprozesses und Risikomanagements“, sagt Harald Rieger, Leiter des institutionellen Kundengeschäfts bei Union Investment.
Auch die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung des Nachhaltigkeitsthemas scheint die Anlagestrategien kaum zu beeinflussen. 88 Prozent der Investoren geben an, dass diese Debatten keine Auswirkungen auf ihre Investmententscheidungen haben.
Rendite bleibt wichtiger als Nachhaltigkeitswirkung
Für die Mehrheit der Anleger steht bei nachhaltigen Investments weiterhin die wirtschaftliche Perspektive im Vordergrund. 62 Prozent der Befragten messen der Rendite eine höhere Bedeutung bei als der Nachhaltigkeitswirkung, die für 38 Prozent Priorität hat.
Zugleich sehen viele Investoren kaum Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Anlagen. 66 Prozent bewerten die Renditeaussichten als vergleichbar, 63 Prozent kommen zu einer ähnlichen Einschätzung beim Risiko.
Kritik an der Regulierung
Besonders deutlich fällt die Kritik an den regulatorischen Vorgaben aus. 92 Prozent der befragten Investoren fordern eine praktikablere Regulierung nachhaltiger Kapitalanlagen.
„Nachhaltigkeit bleibt bei institutionellen Investoren in der Breite etabliert. Die nachhaltige Kapitalanlage ist jedoch kein Selbstzweck, sondern muss auch ökonomisch sinnvoll sein“, betont Rieger. (dv)