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Neues Phänomen: Schwindender Glaube an Inflation

Die Inflationserwartungen sind in den letzten Monaten gesunken. Die Gründe für den Rückgang sind aber alles andere als leicht zu verstehen, meinen die Experten der DWS Group.

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© marklt / Fotolia

In letzter Zeit tun sich seltsame Dinge an den Anleihemärkten. Seit Anfang des Jahres ist die US Federal Reserve von weiteren Zinserhöhungen abgerückt. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat sich verschärft, und der Ölpreis ist stark gestiegen. All das sollte normalerweise die Inflationserwartungen erhöhen. Teures Öl und höhere Zölle auf chinesische Importe führen letztlich zu höheren Preisen für US-Verbraucher. Stattdessen sind die Inflationserwartungen der Anleger gesunken.

Irrationale Reaktion auf höhere Zölle und Ölpreise: Warum nur, warum?
Der folgende Chart der Woche zeigt die fünfjährigen Forward-Breakeven-Inflationsraten für die folgenden fünf Jahre. Diese liefern ein nützliches Maß für die durchschnittlichen, mittelfristigen Inflationserwartungen. Normalerweise tendieren sie dazu, sich parallel zum Ölpreis zu bewegen. In letzter Zeit hat sich jedoch eine Lücke aufgetan.

Ungewohnte Lücke 
Inflationserwartungen haben sich von der Ölpreisentwickung entkoppelt

Gründe vorerst unklar
Vielleicht werden die Ölpreise korrigieren, oder vielleicht sehen die Investoren die Wachstumsaussichten der USA skeptischer, vermuten die DWS-Experten. In jedem Fall werden die Auswirkungen des Handelskonflikts ihrer Ansicht nach weit über die anfänglichen Verbraucherpreissteigerungen hinausgehen. Protektionistische Maßnahmen machen die Welt als Ganzes nämlich weniger effizient. Allerdings würde man erste Anzeichen dafür weniger bei den Inflationserwartungen vermuten, als bei den Realzinsen, die eng an die längerfristigen realen Wachstumsraten einer Volkswirtschaft geknüpft sind.

Alternative Erklärung
Vielleicht ist das eigentliche Geheimnis hinter dem Chart nicht das Ende, sondern das bisherige Bestehen der engen Beziehung zwischen den Inflationserwartungen und dem Ölpreis. Denn es gibt keinen wirtschaftlichen Grund, warum der heutige Ölpreis für die Inflation in fünf Jahren sonderlich bedeutsam sein sollte, geschweige denn für die langfristigen Inflationserwartungen.

Scheinkorrelation?
Bloß fehlt es auch an anderen zuverlässigen Indikatoren für die so ferne Zukunft. Die aktuellen Diskussionen erinnern ein wenig an die Suche nach einem Zusammenhang zwischen Sonnenfleckenaktivität und Maispreisen im 19. Jahrhundert. Ein statistisch zuverlässiger Zusammenhang zwischen Sonne und Konjunktur wurde bisher nicht gefunden, auch wenn sonniges Wetter die Stimmung an den Märkten zu verbessern scheint. Nach neuerer ökonomischer Theorie können solche Zusammenhänge durchaus Bestand haben, wenn sie ein Element von sich selbst erfüllender Prophezeiung beinhalten. (kb)

 

 

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