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Neuberger zu KI-Aktien: Erhöhte Volatilität kein Warnzeichen

Starke Schwankungen bei KI-Aktien haben Investoren zuletzt verunsichert. Zwei Multi-Asset Strategies-Experten von Neuberger geben allerdings Entwarnung: Sie halten die Kursschwankungen für ein natürliches Phänomen.

Co-Chief Investment Officer Jeff Blazek von Neuberger hält derzeitge Gewinne im KI-Bereich für nachhaltig, das „beeindruckende Gewinnwachstum" der vergangenen zwei Jahre dürfte jedoch zurückgehen, erwartet er. 
Co-Chief Investment Officer Jeff Blazek von Neuberger hält derzeitge Gewinne im KI-Bereich für nachhaltig, das „beeindruckende Gewinnwachstum" der vergangenen zwei Jahre dürfte jedoch zurückgehen, erwartet er. © Neuberger

Eckpunkte:

  • Neuberger: Derzeitige Gewinne sind nachhaltig
  • Höhere Volatilität als natürliches Phänomen
  • Gewinnwachstum wird nachlassen
  • Nachfrage übersteige das Angebot
  • KI-Thema besser über Aktien als über Anleihen spielen

Starke Schwankungen bei KI-Aktien haben Investoren zuletzt verunsichert. Die Multi-Asset Strategies-Experten von Neuberger, Co-Chief Investment Officer Jeff Blazek und Senior Portfolio Manager Tokufumi Kato, geben allerdings Entwarnung: „Wir halten die derzeitigen Gewinne für nachhaltig, auch wenn das in den letzten zwei Jahren jeweils gegenüber dem Vorjahr verbuchte beeindruckende Gewinnwachstum zwangsläufig zurückgehen wird“, glaubt Co-Chief Investment Officer Jeff Blazek von Neuberger (Neuberger Berman). Die aktuelle Diskussion hingegen beziehe sich auf die starken kurzfristigen Schwankungen der letzten Zeit – und die hätten wenig mit den Gewinnaussichten zu tun.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der koreanische Aktienindex KOSPI, ein Gradmesser für die weltweite Einschätzung von KI-Aktien, habe in neun der vergangenen zehn Tage um mehr als fünf Prozent geschwankt. „Beim chiplastigen taiwanesischen Index sah es ähnlich aus. Die Aktien waren sehr gefragt und viele Positionen wurden aufgrund des Erfolgs gehebelt“, so Kato.

Marktteilnehmer wollen Belege sehen
Bei Momentum-Aktien seien aufgrund von Positionierungs- und Bewertungsänderungen jederzeit starke Schwankungen möglich, unabhängig von Gewinnaussichten und Fundamentaldaten, glauben Blazek und Kato. „Bislang waren die Marktteilnehmer einfach nur optimistisch. Jetzt wollen sie aber Belege sehen – selbst von Unternehmen, die nach wie vor Gewinne erzielen. Denn das Niveau, ab dem ein Quartal als gut gilt, ist so stark gestiegen, dass jetzt selbst solide Zahlen weniger Vertrauen schaffen als früher“, so Blazek.

Bedarf wird kontinuierlich wachsen
Der Ausbau der KI-Infrastruktur setzt sich aus Sicht der beiden Experten fort, unabhängig von kurzfristig schwankender Anlegerstimmung. Der Bedarf an Rechenleistung werde nicht sprunghaft ansteigen, sondern kontinuierlich wachsen.

Eine Billion Dollar in 2027
Hyperscaler wie Google, Microsoft, Meta und Amazon planten im nächsten Jahr Investitionen in Höhe von insgesamt rund einer Billion US-Dollar. Ein Teil davon werde für die KI-bedingten Preissteigerungen bei Chips, Arbeitskräften und Komponenten benötigt. „Der größere Teil ist aber auf die Nachfrage zurückzuführen: Die Unternehmen bauen heute eine Cloud-KI-Infrastruktur auf, weil sie davon ausgehen, dass sich das künftig auszahlen wird. So betrachtet scheinen die jüngsten Turbulenzen eher eine Korrektur in der Mitte eines Zyklus zu sein“, so Blazek. Die Bewertungen hätten sich so stark verändert, dass die Fundamentaldaten nicht mithalten konnten.

Nachfrage ist da
Den eindeutigsten Beleg dafür, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt, lieferten die Käufer selbst. „Die Finanzchefin von OpenAI hat beispielsweise gesagt, dass die Rechenleistung des Unternehmens nur noch bis Ende 2027 ausreichen wird“, so Blazek. Die Unternehmen versuchten, mit der Nachfrage Schritt zu halten.

Markt kann Bond-Neuemissionen noch aufnehmen
Die Credit-Märkte seien den Aktienmärkten gefolgt, wenn auch weniger dramatisch. „Die Spreads von Hyperscalern haben sich um etwa zehn bis 20 Basispunkte ausgeweitet. Das hatte aber eher technische als fundamentale Gründe, weil Credits von der Stimmung der Aktienanleger bestimmt werden“, so Jeff Blazek.

Neue Anleihen über 350 Milliarden Dollar
Einige Investoren verwiesen auf die hohen Anleiheemissionen der Hyperscaler als erstes Warnzeichen für eine KI-Finanzierungsblase. Teilweise handelt es sich aus Sicht von Jeff Blazek und seinem Kollegen Tokufumi Kato hier aber einfach nur um die Folge verzögerter Neuemissionen. Hyperscaler dürften in diesem Jahr für gut 350 Milliarden US-Dollar Anleihen begeben. „Das ist eine Menge, wurde aber im Vorfeld angekündigt. Für eine gewisse Zeit dürfte der Markt noch Neuemissionen aufnehmen können, bevor es zu viel wird“, schätzt Tokufumi Kato.

KI-Aktien der bessere Weg
Jeff Blazek resümiert: „Dennoch bleiben wir als Multi-Asset-Investoren in Credits neutral positioniert und bevorzugen nach wie vor Aktien. Wir halten sie wegen ihres attraktiveren Risiko-Ertrags-Profils für den besseren Weg, in KI zu investieren. In Technologieaktien bleiben wir übergewichtet – insbesondere in Aktien von Unternehmen aus Asien, den Schwellenländern und den USA, die von KI profitieren.“

Kosten vor Monetarisierung
Die Experten von Neuberger gehen davon aus, dass der Markt das ganze Jahr über unruhig bleiben wird. Die Quartalszahlen von Alphabet seien ein Beleg für die starke Nachfrage und den KI-Superzyklus gewesen. Allerdings betrachte der Markt die Risiken weiterhin vor dem Hintergrund des Kapazitätsausbaus und der damit verbundenen Kosten, die der endgültigen Monetarisierung vorausgingen. „Wir behalten die wichtigsten Trends im Blick: eine anhaltende Nachfrage, die Entwicklung der Investitionsausgaben und weitere Anzeichen für Kapazitätsengpässe“, so Tokufumi Kato. (de)

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