Neuberger Berman zu Private Markets: Investment-Chancen bei Exit-Stau
Auch wenn die Transaktionsaktivitäten wieder zunehmen: Die Liste der Private-Equity-Unternehmen, die einen Exit anstreben, ist lang.

Anthony D. Tutrone, Global Head of Alternatives bei Neuberger Berman, erläutert in seinem Ausblick für 2026, inwiefern sich für Investoren aus dem Exit-Stau Chancen ergeben, welche Rolle künstliche Intelligenz an den privaten Märkten spielt und welche Trends den Private-Debt-Markt prägen.
Wenig IPOs und M&A-Tätigkkeit erschweren Exits
„Eine Herausforderung sind die verhaltenen Ausschüttungen infolge der eingeschränkten Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) sowie Börsengänge, die zu längeren Haltedauern der Vermögenswerte und einem schwierigeren Fundraising-Umfeld geführt haben. Die Transaktionsaktivitäten nehmen zwar wieder zu, es wird aber wohl mehrere Jahre dauern, bis der Rückstau an Private-Equity-Portfoliounternehmen, die einen Exit anstreben, abgebaut ist", merkt Anthony D. Tutrone an. Positiv sei, dass dieses Umfeld weiterhin Chancen für Anbieter von Liquidität für Private-Equity-Sponsoren und ihre Investoren schaffe. Secondaries, Kapitallösungen und Co-Investments in Eigenkapital böten nach Ansicht von Neuberger Berman potenziell attraktive Chancen über mehrere Jahre.
Verschiedene strukturelle Veränderungen nehmen konkrete Formen an
Dazu zählen die Deglobalisierung, ein potenziell weniger positives makroökonomisches Umfeld sowie die rasante Einführung künstlicher Intelligenz. Das bereitet den Boden für eine größere Renditestreuung an den privaten Märkten. Tutrone dazu: "In diesem Umfeld wird die Auswahl der Investments noch entscheidender sein. Manager, die sich mit fundiertem Fachwissen und ausreichend Ressourcen der Wertschöpfung in ihren Portfoliounternehmen widmen, werden am erfolgreichsten sein. Angesichts des langfristigen und flexiblen Charakters von privatem Kapital im Vergleich zu den traditionellen Märkten erwarten wir außerdem, dass die Private Markets eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des massiven Ausbaus der KI-bezogenen Infrastruktur spielen werden."
Neue Player im Private Markets-Anlagegeschäft
ine weitere, möglicherweise noch tiefgreifendere Veränderung ist der immer bessere Zugang zu den privaten Märkten für vermögende Privatanleger sowie Retail-Investoren. Nachdem der ELTIF in weiten Teilen Europas diesen Markt geöffnet hat, wird dies nun auch durch neue Regelungen des US-Arbeitsministeriums vorangetrieben, dank derer betriebliche Altersvorsorgepläne in die Private Markets investieren dürfen.
Auch bei Private Debt höhere Renditedispersion erwartet
Im Bereich Private Debt haben Direktkreditgeber weiterhin einen bedeutenden Anteil am Markt für Leveraged Lending gegenüber syndizierten Krediten traditioneller Banken. "Wir gehen davon aus, dass der Private-Debt-Markt weiter wachsen wird. Direktkreditgeber haben gezeigt, dass sie eine schnellere Abwicklung, flexiblere Konditionen und höhere Zuverlässigkeit bieten. Wie im Bereich Private Equity erwarten wir jedoch auch hier eine zunehmende Streuung der Renditen, da sich der Wettbewerb verschärft. Die Auswahl der Manager bleibt entscheidend“, gibt Tutrone zu bedenken.
Starkes Wachstum bei Secondary-Transaktionen
Dieses ist teilweise bedingt durch fehlende PE-Exits (Volumen in Milliarden US-Dollar)
Quelle: Neuberger Berman auf Basis von Daten von Jefferies. Stand: 30. Juni 2025.
(kb)