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Neuberger Berman: Wer ist schuld an der Inflation?

Joseph V. Amato, Neuberger Bermans President und CIO Equities, äußert sich in seinem aktuellen Kommentar zu den Hintergründen der aktuellen Inflation und beleuchtet, wie Omikron und die Fed mit der Teuerung zusammenhängen.

Joe Amato, Neuberger Berman
Joe Amato, Neuberger Berman
© Christoph Hemmerich / Institutional Money

Bei Neuberger Berman bleibt man laut Joseph V. Amato, Neuberger Bermans President und CIO Equities bei der Annahme, dass die Volatilität mehr mit Konjunktur, Inflation und Geldpolitik zu tun hat als mit anderen Faktoren: "Das könnte bedeuten, dass die Märkte wohl unabhängig von Omikron bis ins neue Jahr hinein volatil bleiben."

Vorsichtig oder übervorsichtig
Corona ist noch nicht vorbei. Die Inzidenzen sind in den vergangenen zwei Monaten weltweit gestiegen. Die Entdeckung der Omikron-Variante, die nach ersten Erkenntnissen ansteckender und vielleicht auch impfresistenter ist als frühere Varianten, mahnt zur Vorsicht.

Augenscheinlich schützen die Impfstoffe und andere Medikamente aber noch immer vor schweren Verläufen. Wenngleich die Analysen gerade erst begonnen haben, so scheint die neue Virusvariante doch harmloser zu sein. Sollte sich ein in diesem Sinne ungefährlicheres Virus weltweit durchsetzen, könnte die Coronakrise schneller als bisher angenommen vorbei sein, hofft Amato.

Da jetzt gegen Corona geimpft werden kann, rechnen ohnehin nur noch wenige Investoren mit einem ähnlich langen und harten Lockdown wie im Jahr 2020. Allenfalls fürchtet man, dass es die Regierungen mit vorübergehenden Kontaktbeschränkungen übertreiben. In diesem Fall könnten die Lieferengpässe noch länger anhalten und das Wirtschaftswachstum bei steigender Inflation noch stärker nachlassen. Das hatten viele Anleger allerdings ohnehin schon erwartet.

Schnelleres Tapering?
Auffällig ist laut Amato, dass Omikron mit einer deutlich schärferen Rhetorik der Fed zusammenfiel. In seiner Anhörung vor dem Ausschuss für Banken, Wohnungsbau und städtische Angelegenheiten des US-Senats Ende November verkniff sich Fed-Chairman Jerome Powell den üblichen Hinweis auf die „vorübergehende“ Inflation, der für viele Investoren schon zur Gewohnheit wurde. Stattdessen hieß es, die Wertpapierkäufe könnten schon einige Monate früher beendet werden. Damit gab die Notenbank letztlich zu, die Inflation falsch eingeschätzt zu haben. Das ist eigentlich keine Überraschung, aber die Märkte waren dennoch irritiert, hält der Neuberger Berman-CIO fest.

Dies habe möglicherweise zu mehr Volatilität geführt – kurz darauf fielen die Kurse. Monatelang hatten die Anleger wegen der steigenden Inflation eine zu späte Straffung der Geldpolitik befürchtet, doch nun könnte das Gegenteil drohen: eine zu schnelle Straffung, während Omikron die Konjunktur bedroht.

Der US-Arbeitsmarktbericht vom 3. Dezember war widersprüchlich. Das Beschäftigungswachstum hat zwar enttäuscht, jedoch ging die Arbeitslosenquote stark zurück und die Erwerbsquote stieg an. Diese gegensätzlichen Zahlen sorgten nur für noch mehr Unsicherheit. An den Anleihemärken rechnet man jetzt erst später im neuen Jahr mit dem ersten Zinsschritt.

Anfang Dezember hatte sich diese Einschätzung dann abermals stark gewendet: Nun gilt eine Zinserhöhung bereits im Mai wieder für wahrscheinlicher als vor Omikron. Das dürfte kaum allein oder überwiegend mit dem Virus zu tun haben. Eher schon rechneten die Anleger mit einer erneut hohen US-Inflation, zu der es dann auch kam: Vergangene Woche stieg die Teuerung im Vorjahresvergleich auf 6,8 Prozent, so viel wie zuletzt 1982. Das bestätigt die Annahme, dass die Fed das Tapering beschleunigt, wie von Powell bereits angedeutet, erlärt Amato.

Große Veränderungen
"Wenn sich der Omikron-Nebel lichtet, sieht man in Bezug auf die Konjunktur wieder klarer. Wie entwickelt sich das Wirtschaftswachstum? Wie die Inflation? Was tun die Notenbanken? Und, vor allem, wie schnell und stark kann die Geldpolitik gestrafft werden, ohne dass Anleihen und Aktien Probleme bekommen?", fragt Amato.

Entscheidend bleibt in Amatos Augen die Fed. Für Aktien ist Inflation kein größeres Problem, solange die Fed die steigenden Preise akzeptiert. Wenn sie die Geldpolitik aber massiv strafft, reagieren die Märkte meist heftig.

Noch kennt keiner die Antworten. Das ist wohl auch der Grund für die Volatilität, die bis weit ins neue Jahr hinein anhalten könnte. Bei Neuberger Berman geht man jedoch recht sicher davon aus, dass für eine weiche Landung bei den derzeitigen Bewertungen nur wenig Spielraum besteht. In den letzten drei Jahren ist der S&P 500 Index jährlich um über 20 Prozent. gestiegen. So kann es nicht weitergehen.

"Die Impfstoffentwicklung könnte 2021 in der Pandemie die Wende gebracht haben. Und auch im neuen Jahr könnte sich sehr viel ändern – diesmal aber wohl wegen der US-Geldpolitik", erklärt Amato abschließend. (aa)

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