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Neuberger Berman: Was der Iran-Krieg für die Asset Allocation bedeutet

Der Nahostkrieg verunsichert, der US-Arbeitsmarkt scheint schwach – eine Herausforderung für Wirtschaft und Investorenschaft. Jeff Blazek, Multi-Asset Co-Chief Investment Officer bei Neuberger Berman, ist sich der Risiken bewusst, bleibt aber zuversichtlich.

Jeff Blazek, Multi-Asset Co-Chief Investment Officer bei Neuberger Berman
Jeff Blazek, Multi-Asset Co-Chief Investment Officer bei Neuberger Berman© Neuberger Berman

Eckpunkte:

  • US-Aktienmärkte reagierten anders als europäische, asiatische
  • US-Anlagen gelten als defensiv, siehe den stärkeren US-Dollar
  • Aber Staatsanleihenkurse sind auch gefallen

"Die Rohstoffpreisreaktion war insgesamt plausibel. Angebot und Nachfrage ließen die Energiepreise kräftig steigen – mit Volatilität und Backwardation bei Rohöl sowie Preisspitzen in Europa und bei Flüssigerdgas. Alles entsprach unseren Erwartungen in Zeiten wie diesen. Der Goldpreis fiel zunächst, durchaus überraschend, bevor sich das Edelmetall wieder als sicherer Hafen erwies", resümiert Jeff Blazek, Multi-Asset Co-Chief Investment Officer bei Neuberger Berman, die Ereignisse der letzten Tage.

Die Aktienmarktreaktionen waren uneinheitlicher
Die Verluste nicht amerikanischer Titel kamen nicht unerwartet, aber die Stabilität des US-Marktes überrascht, vor allem angesichts der hohen Bewertungen. Eine naheliegende Erklärung scheint, dass die USA als sicherer Hafen gelten. Dafür spricht auch der starke Dollar. Anleger bauen Risiken ab und halten US-Anlagen für defensiv. Dazu passt, dass Europa und Asien mehr Energie importieren, was die USA zu einer sichereren Anlage macht. Blazek weiter: "Das zeigt sich auch am Währungsmarkt: Der Dollar zählte zu den wenigen Anlagen mit Kursgewinnen. Andere Industrieländerwährungen werteten gegenüber dem Dollar ab, und Rohstoffwährungen aus den Emerging-Market-Ländern fielen besonders stark."

Überrascht haben hingegen die Staatsanleiherenditen
Diese sind durchweg stark gestiegen – die US-Zehnjahresrendite zeitweise um 20 Basispunkte. Zugleich rechnen Anleger aber jetzt mit mindestens einer Zinssenkung weniger – in den USA, im Euroraum und auch in Großbritannien. "Investoren erwarten sowohl mehr Inflation als auch höhere Realzinsen, eine ungewöhnliche Kombination. Normalerweise würde die Flucht in sichere Staatsanleihen Inflationssorgen bei einem Angebotsschock zumindest teilweise ausgleichen. Als die Angriffe am letzten Wochenende begannen, schien das zunächst der Fall. Aber dann kehrte sich die Entwicklung deutlich um", konstatiert Blazek.

An den Anleihenmärkten rechnet man jetzt wieder mit einer dauerhaft höheren Inflation, ohne dass die Nachfrage nach sicheren Häfen dies ausgleicht. Auf beiden Seiten des Atlantiks steigen die Renditen, und im Euroraum erwartet man sogar Zinserhöhungen. Da keiner weiß, wie lange der Krieg dauert und ob die Energiepreise bald wieder fallen, wirkt das sehr einseitig. Die Neuberger Berman Experten behalten die Lage genau im Blick.

Trotz aller Turbulenzen und des Ernsts der Lage waren Aktien weltweit recht stabil
Schließlich waren Unternehmensgewinne und Wachstumserwartungen vor dem Kriegsausbruch gut. Doch seitdem ist viel passiert, und optimistische Fundamentalannahmen werden auf die Probe gestellt. Blazek dazu: "Sorgen macht uns zurzeit vor allem der Energiepreisschock. Man darf aber auch den amerikanischen Arbeitsmarkt nicht aus dem Blick verlieren. Im Februar gingen in den USA 92.000 Stellen verloren, obwohl man mit einem Zuwachs von 55.000 gerechnet hatte – ein deutlicher Unterschied zum Januar, als noch 126.000 Stellen geschaffen wurden. Entscheidenden Anteil hatten Beschäftigungsverluste im Gesundheitssektor nach größeren Streiks von medizinischem Personal. Aber auch im Technologiesektor gingen Arbeitsplätze verloren, und die Bundesregierung baut ohnehin weiter Stellen ab."

Am Markt ist man zu Recht beunruhigt
Einen derart großen weltpolitischen Schock zusammen mit einer überraschenden Arbeitsmarktschwäche in den USA müssen die Optimisten erst einmal verarbeiten; man kann es nicht einfach als Noise abtun. Aber Unruhe ist nicht das Gleiche wie eine Korrektur – und Komplexität bedeutet nicht unbedingt Verschlechterung.

Résumé
Die Lage ist unübersichtlicher geworden, aber nicht fundamental anders. "Mittelfristig bleiben wir für risikoreiche Titel und die Wirtschaft optimistisch. Drastische Einbrüche sind für uns kein Grund zum Rückzug – sondern Kaufgelegenheiten", so Blazek bei seinem Fazit. (kb)

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