Logo von Institutional Money
| Märkte

Neuberger Berman: dreistelliger Ölpreis möglich, mehr Goldnachfrage

Die aktuellen Ereignisse im Iran erinnern daran, wie schnell das Rohstoffangebot eingeschränkt werden kann, schreibt Hakan Kaya von Neuberger Berman. Je nach Szenario seien deutlich höhere Ölpreise möglich, und für Gold bedeute der geopolitische Schock einen Nachfrageschub.

Hakan Kaya, Neuberger Berman
Hakan Kaya, Neuberger Berman© Neuberger Berman

Eckpunkte:

  • Überproportionale Auswirkungen auf Ölmarkt bei längerer Krise
  • Machtvakuum im Iran würde Ölmarkt langfristig stören
  • Argumente für Engagement in Rohstoffe und Gold

Eine vollständige oder fast vollständige Sperrung der Meerenge von Hormus von einem Monat oder länger hätte "nichtlineare Auswirkungen" auf die Ölpreise, erklärt Hakan Kaya von Neuberger Berman. Je länger die Sperrung dauere, umso mehr verschärfe sich das Problem, da die Lagerbestände zur Neige gehen, die Raffinerien ihre Produktion drosseln und es Zeit braucht, Ersatzlieferungen von außerhalb der Region zu mobilisieren, so der Senior Portfolio Manager Quantitative und Multi-Asset Strategien bei dem amerikanischen Investment Manager.

Deeskalation setzt rationales Handeln voraus
Kaya skizziert vier mögliche Szenarien. Das Szenario einer schnellen Deeskalation beinhaltet eine Normalisierung der Öltransporte und ein Einpendeln der Ölpreise möglicherweise leicht über dem Vorkrisenniveau. Dieses Szenario finde derzeit am meisten Zustimmung, aber Kaya merkt an, dass es Annahmen über ein rationales Handeln der Akteure voraussetzt, die unter außergewöhnlichem Stress agieren.

Das zweite Szenario einer begrenzten Pattsituation könnte Hormus vier bis fünf Wochen lang beeinträchtigen, wobei die US-Marine möglicherweise begrenzte Tankereskorten bereitstellt. In diesem Fall bliebe der Ölpreis in einem breiten und volatilen Bereich erhöht, wobei jede Schlagzeile zu starken Schwankungen in beide Richtungen führe.

Regimewechsel-Szenario zu wenig beachtet
Szenario drei eines Regimewechsels im Iran verdient Kaya zufolge mehr Beachtung, als ihm aktuell zuteil wird. Ein Machtvakuum könne zur Folge haben, dass langfristig täglich eine bis zwei Millionen Barrel Öl weniger aus dem Iran kommen, was eine erhebliche Verknappung des globalen Gleichgewichts bedeute.

Das vierte Szenario schließlich impliziert einen ausgedehnten regionalen Krieg mit der Möglichkeit iranischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur Saudi-Arabiens oder der Vereinigten Arabischen Emirate oder der Unversicherbarkeit der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus. Da dies fast die gesamten Exporte der Golfstaaten betrifft, bedeute das "akuten Druck" auf den Öl- und den LNG-Markt.

Erheblicher Spielraum für mehr Goldnachfrage
Kaya rechnet mit einem kurzfristigen Anstieg der Preise und empfiehlt, sich auf anhaltende Volatilität in beide Richtungen einzustellen, beeinflusst von Berichten über diplomatische Kontakte, Erklärungen der iranischen Führung, Marineeskorten oder Freigaben aus den strategischen Ölreserven. Er verweist auf Ölpreise von rund hundert US-Dollar zwischen 2010 und 2013.

Auch wenn die "geopolitische Prämie schnell verblasst", bleiben die fundamentalen Argumente für ein breit angelegtes Engagement in Rohstoffe bestehen, erklärt Kaya. Er sieht nach den aktuellen Ereignissen "erheblichen Spielraum" für eine Beschleunigung der Goldnachfrage. (dv)

Diese Seite teilen