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Neuberger Berman-CIO Knutzen: Wichtige Unterscheidung wird obsolet

Für den Chief Investment Officer des US-amerikanischen Asset Managers geht der Trend dahin, dass institutionelle Investoren bei ihren Engagements seltener eine harte Grenze zwischen den Industrieländern und den Emerging Markets ziehen. Das hat Auswirkungen auf alle Investoren.

Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman
Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman
© Neuberger Berman

Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman, vertritt die Ansicht, dass Emerging Markets-Investments zukünftig Mainstream werden. Derzeit sind Investoren in den Emerging Markets noch immer unterdurchschnittlich vertreten, jedenfalls wenn man die Portfoliostruktur mit der Struktur des Welt-BIP vergleicht. Etwa 13 Prozent des MSCI All Country World Index entfallen auf die Emerging Markets, doch die Schwellenländer stellen etwa ein Viertel der weltweiten öffentlichen und privaten Schulden und sogar fast 40 Prozent des Welt-BIP – ein Anteil, der weiter steigen wird. „Die unterdurchschnittliche Emerging-Market-Gewichtung in den Portfolios dürfte weiter korrigiert werden, wenn die Emerging Markets zum wichtigsten Wachstumstreiber der Weltwirtschaft werden“, erklärt Knutzen.

Vieles spricht für eine stärke Bedeutung der Emerging Markets
Jüngste Entwicklungen, von der chinesischen Initiative "Belt and Road" über die Expansion der Fremdkapitalmärkte in lokaler Währung seit der Finanzkrise bis hin zur Einbeziehung der riesigen chinesischen Onshore-Equity- und Anleihemärkte in globale Benchmark-Indizes, deuten bereits auf diesen Übergang hin.

Die Liberalisierung der chinesischen Onshore-Märkte für internationale Investoren habe allein in puncto Größe eine immense Bedeutung. Entsprechend seiner großen Wirtschaftsleistung hat China den nach Marktkapitalisierung zweitgrößten Aktienmarkt der Welt. An seinen verschiedenen Segmenten sind über 4.000 A-Shares notiert, mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von zwölf Billionen US-Dollar.

Der Markt für Renminbi-denominierte Anleihen, die onshore gehandelt und abgewickelt werden (der sogenannte CNY-Markt), ist ebenfalls fast zwölf Billionen US-Dollar groß. Zum Vergleich: Der Markt für US-Dollar-denominierte Anleihen und Offshore-Markt (CNH-Markt), haben zusammen nur 82 Milliarden US-Dollar Volumen. Gemessen am Handelsvolumen ist der Renminbi jetzt die sechstwichtigste Währung der Welt; sein Anteil am weltweiten Devisenhandel hat sich seit 2013 verdoppelt.

China wird stärker gewichtet
Chinesische A-Shares sind erstmals im Juni 2018 in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen worden, und nach der Einführung der Bond-Connect-Handelsplattform im Jahr 2017 werden Staatsanleihen und Notenbanktitel vermutlich im April 2019 Teil des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index. Dann wird es für internationale Investoren wesentlich leichter, in sie zu investieren. „Wenn sie auf chinesische Anleihen verzichten, steigt für sie sogar der Tracking Error gegenüber dem Index. Es ist daher zu erwarten, dass der chinesische Anleihemarkt Milliarden US-Dollar an Mittelzuflüssen verzeichnen wird“, erklärt Knutzen

Es sei laut dem Neuberger-Berman-Mann davon auszugehen, dass das Engagement institutioneller Investoren an den Emerging Markets sowohl differenzierter als auch umfassender wird. „Da der Anteil der außerbörslichen Märkte insgesamt weiter steigt, glauben wir auch, dass zu den Anlagen in börsennotierte Emerging-Market-Titel immer mehr Investitionen in nicht-börsennotierte Schwellenländertitel hinzukommen werden. Vielleicht kommen Investoren sogar zum Schluss, dass sie in manchen Schwellenländern und Frontier-Märkten eher in binnenorientiertere, nicht börsennotierte Unternehmen investieren sollen als in Firmen, die an oft sehr kleinen Börsen notiert sind“

Diese Börsen werden nicht selten von lokalen Marktführern mit internationalem Geschäft dominiert. Außerdem dürfte die ESG-Analyse beim Emerging-Market-Research eine wesentlich größere Rolle spielen, nicht zuletzt, weil die Börsen der großen Schwellenländer oft strengere Reporting-Anforderungen haben als die USA.

Unterscheidung löst sich auf
In den nächsten zehn Jahren werden niedrigere Erträge Anreize schaffen, um in wachstums- und ertragsstärkere Märkte zu investieren. „Wir glauben daher, dass sich die gegenwärtige Unterscheidung zwischen Industrieländern und Emerging Markets auflösen wird. Die Investoren dürften diese ohnehin leicht willkürliche Trennung aufgeben und in der multipolaren Welt von morgen stattdessen viel globaler nach den besten Anlagemöglichkeiten Ausschau halten“, erklärt Knutzen abschließend. (aa)

 

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