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Naturkapital: Gold mit Kupon?

Naturkapital bietet nach Einschätzung von Nuveen in einem volatilen Marktumfeld ähnliche Schutzeigenschaften wie Gold – allerdings mit laufenden Erträgen. Im Interview mit Institutional Money erläutert Martin Davies, warum er Renditen von bis zu neun Prozent für realistisch hält.

Martin Davies, Nuveen: "Wir werden immer Nahrung brauchen, und wir werden immer Land benötigen, um sie zu produzieren."
Martin Davies, Nuveen: "Wir werden immer Nahrung brauchen, und wir werden immer Land benötigen, um sie zu produzieren."© Nuveen

Eckpunkte:

  • Naturkapital soll Krisenschutz und laufende Erträge verbinden
  • KI steigert Produktivität in Land- und Forstwirtschaft
  • Nuveen empfiehlt Allokationen von bis zu fünf Prozent

Naturkapital entwickelt sich nach Einschätzung von Nuveen zunehmend zu einer eigenständigen Anlageklasse für institutionelle Investoren. Während Gold traditionell als sicherer Hafen gelte, biete Naturkapital vergleichbaren Schutz vor Inflation und Marktunsicherheit – kombiniere diesen jedoch mit laufenden Erträgen. "Naturkapital ist vergleichbar mit Gold – nur mit einem Kupon", sagte Martin Davies, Global Head of Natural Capital bei Nuveen Asset Management, im Interview mit Institutional Money.

Treiber seien langfristige makroökonomische Entwicklungen. Die Weltbevölkerung wachse weiter, während produktive Agrarflächen knapper würden. Zugleich konkurriere die Landwirtschaft zunehmend mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und anderer Infrastruktur um verfügbare Flächen. "Wir werden immer Nahrung brauchen, und wir werden immer Land benötigen, um sie zu produzieren." Das spreche langfristig für den Wert produktiver Land- und Forstflächen.

KI erhöht Produktivität
Als wichtigen neuen Treiber nennt Davies den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Moderne Datenanalyse helfe Landwirten und Forstbetrieben dabei, Bewässerung, Düngemitteleinsatz und Bestandsmanagement präziser zu steuern. Das erhöhe Produktivität und die Margen und reduziere zugleich Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung. "Künstliche Intelligenz hat großen Einfluss auf Entscheidungen über den Einsatz von Betriebsmitteln, die Bewässerungsplanung und die Bewirtschaftung von Forstbeständen."

Gleichzeitig eröffnen sich nach Einschätzung von Nuveen zusätzliche Erlösquellen jenseits der klassischen Produktion. Biodiversitäts- und CO?-Zertifikate könnten die Erträge land- und forstwirtschaftlicher Flächen sinnvoll ergänzen. "Die Einnahmen aus Biodiversitäts- und CO?-Zertifikaten ergänzen die Erträge aus der landwirtschaftlichen Produktion." Entscheidend sei jedoch, dass diese zusätzlichen Erlöse die klassische Bewirtschaftung ergänzten und nicht die alleinige Renditequelle darstellten.

Sieben bis neun Prozent Rendite
Für breit diversifizierte Kernstrategien mit landwirtschaftlichen Flächen erwartet Nuveen Netto-Gesamtrenditen von sieben bis neun Prozent sowie laufende Erträge von drei bis vier Prozent. Einzelne Spezialstrategien könnten darüber hinausgehen: So seien bei Haselnussinvestments in Chile oder beim sogenannten Mitigation Banking in den USA Renditen von zwölf bis 14 Prozent möglich. Grundlage stabiler Ergebnisse sei jedoch eine breite Streuung über Regionen, Kulturpflanzen und Baumarten. "Unser Erfolg beruht auf der Diversifizierung, die wir in unsere Portfolios einbauen."

Für Pensionsfonds und Versicherungen hält Davies eine strategische Allokation von zwei bis fünf Prozent für angemessen. Während Naturkapital bei vielen internationalen Pensionsfonds bereits zum festen Bestandteil der Asset Allocation gehöre, sieht er auch Deutschland auf einem vergleichsweise fortgeschrittenen Entwicklungsstand. In der Schweiz sei die Anlageklasse dagegen noch weniger etabliert. "Deutschland ist sowohl beim Verständnis als auch bei den Investitionen in diese Anlageklasse weiter als die Schweiz." Nuveen erwartet jedoch, dass das Interesse institutioneller Anleger in beiden Ländern weiter zunimmt, sobald die Vorteile der Anlageklasse breiter erkannt werden. (dv)

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