Natixis IM-Chefstratege über die Frage nach der richtigen Duration
Der Chefstratege von Natixis Investment Manager zeichnet ein aktuelles Bild des US-Rentenmarktes und erklärt, ob er das kurze oder das lange Ende der Zinsstrukturkurve für attraktiver hält. Seine Empfehlung ist eindeutig.

Eckpunkte:
- US-Politik sorgt für weitere Unsicherheit und höhere Risikoprämien
- Es sei zu früh, sich US-Anleihen mit langer Laufzeit ins Portfolio zu holen
- Kürzere Durationen scheinen sinnvoller zu sein
Der Chefstratege von Natixis IM, Mabrouk Chetouane, hält es in einem aktuellen Kommentar für verfrüht, sich Anleihen mit langer Laufzeit ins Portfolio zu holen und kritisiert deutlich das geplante Vorgehen des US-Finanzministeriums: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“
Mit diesem Sprichwort kommentiert Chetouane die Ankündigungen von US-Finanzminister Scott Bessent, die Obergrenze für den Rückkauf von Schuldtiteln mit Laufzeiten zwischen 10 und 30 Jahren von vier auf sechs Milliarden Dollar anzuheben. Die Reaktion der Anleihemärkte war wie folgt: Die Rendite von US-Staatsanleihen stieg deutlich über die 4,8-Prozent-Marke und erreichte 4,95 Prozent. Das ist ein Niveau, das seit 2023 nicht mehr erreicht wurde.
„Ein klassisches Eigentor! Indem er versucht, sich Handlungsspielraum zu verschaffen, verstärkt Scott Bessent die Skepsis der Anleger hinsichtlich der versprochenen Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung", erklärt Chetouane. Mit solchem Stückwerk sind die Schwierigkeiten bei der Steuerung der Entwicklung der öffentlichen Finanzen und der Vorlage eines glaubwürdigen Fahrplans kaum zu verschleiern. "All dies führt unweigerlich zu einer zusätzlichen Prämie, die Anleger für das Halten von US-Staatsanleihen verlangen", merkt Chetouane an.
Zwei wichtige Fragestellungen
Aus dieser Beobachtung ergeben sich für den Natixis IM-Chefstrategen zwei Fragen:
Was ist bis zum Jahresende in Bezug auf die Zinssätze zu erwarten, und welche Folgen hätte dies?
Das Herannahen der für den 3. November angesetzten Zwischenwahlen dürfte den Druck auf die längerfristigen Segmente der Zinsstrukturkurve kaum mindern. Wahlkämpfe sind in der Regel Schauplatz politischer Versprechen – mit der absehbaren Folge, die Haushaltsdefizite noch zu verschärfen und die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Haushaltskonsolidierung zu verringern.
"Wir halten es also für unwahrscheinlich, dass die Renditen von Staatsanleihen kurzfristig sinken werden; vielmehr halten wir weitere Anstiege der langfristigen Zinsen für wahrscheinlich. Darüber hinaus werden die bereits auf den internationalen Anleihemärkten – insbesondere in Europa – sichtbaren Auswirkungen anhalten. Die Rendite der Bundesanleihe hat 3,4 Prozent erreicht, und die OAT liegt nun fest bei 4,3 Prozent", erklärt Chetouane.
Kürzere Laufzeiten sinnvoll
Hinzu kommt, dass der europäische Wahlkalender ebenfalls für zusätzliche Belastung auf die Staatsanleihen sorgen wird. Angesichts des aktuellen Renditeniveaus ist die Versuchung groß, die Duration des Portfolios zu verlängern. "Wir halten diese Rendite jedoch angesichts der mangelnden Vorhersehbarkeit an den Märkten für unzureichend. Die Beibehaltung einer möglichst kurzen Duration scheint mehr denn je der richtige Ansatz zu sein", empfiehlt Chetouane abschließend. (aa)


