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Nationalbank-Präsident: Negativzinsen möglich!

Nach Ansicht von Martin Schlegel, Präsident der Schweizerische Nationalbank, sind neuerliche Negativzinsen möglich, die Hürde sei aber deutlich höher.

Martin Schlegel, SNB
Martin Schlegel, SNB© Stefan Wermuth / Bloomberg

Eine Wiedereinführung von Negativzinsen stieße laut SNB-Präsident Martin Schlegel auf erhebliche Hürden. Die Schweizerische Nationalbank wäre jedoch bereit, diesen Schritt zu gehen, falls er notwendig werden sollte. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

In der Schweiz ticken die Uhren anders
“Bei den Zinsen sind wir bei null, wir haben schon gesagt, dass wir bereit sind, in den negativen Bereich zu gehen, aber die Hürde ist einfach größer”, sagte Schlegel dem Schweizer öffentlich-rechtlichen Sender SRF. Er beschrieb die monetären Bedingungen derzeit als “angemessen”.

Die Zentralbank hatte die Zinsen im Juni auf null gesenkt und seither unverändert belassen. Diese geldpolitische Zurückhaltung hat die erneute Einführung negativer Zinsen von der Agenda der meisten Ökonomen verdrängt. Eine Mehrheit erwartet, dass die SNB die Zinsen bis Anfang 2028 unverändert lässt und sie danach anhebt, wie eine Bloomberg-Umfrage zeigt.

Als Notenbanker gelte seine größte Sorge der Preisstabilität, und die SNB werde alles Notwendige tun, um dieses Mandat zu erfüllen, sagte Schlegel. Er fügte hinzu, dass das aktuelle Niveau von 0,1 Prozent am unteren Rand der Definition von Preisstabilität der SNB von null bis zwei Prozent liege.

Ein Grund für den schwachen Verbraucherpreisdruck ist der starke Franken, der in der vergangenen Woche gegenüber Euro und Dollar auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen ist. Auslöser war ein globaler Rückgang der US-Währung. Präsident Donald Trump hatte den Ausverkauf mit Bemerkungen angestoßen, die darauf hindeuteten, dass er mit einem schwächeren Dollar zufrieden sei, da dies den amerikanischen Unternehmen zugutekomme.

“Die Aufwertung des Frankens ist natürlich für die Exportindustrie schwierig, sie ist eine große Herausforderung für viele Firmen”, sagte Schlegel. Zugleich fügte er hinzu, dass er viele Schweizer Firmen kenne, die sich auf den globalen Märkten behaupteten.

Größtes Risiko: Geopolitik
In der Vergangenheit haben sich Investoren bei geopolitischen Krisen häufig dem Franken als sicherem Hafen zugewandt. In einem Interview mit Bloomberg TV im vergangenen Monat hatte Schlegel die Geopolitik als das größte Risiko für den Franken bezeichnet.

In dem am Montag ausgestrahlten SRF-Interview sagte Schlegel, dass negative Inflationsraten in einzelnen Monaten möglich seien. Die SNB müsse darauf jedoch nicht reagieren, da sie auf mittelfristige Preisstabilität abziele.

Zur Schweizer Wirtschaft sagte Schlegel, das Wachstum sei “moderat” und “unterdurchschnittlich”. (aa)

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