Munich Re zählt Naturkatastrophen-Schäden von 57 Milliarden Euro
Extreme Stürme, schwere Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen haben im ersten Halbjahr branchenweit zu versicherten Schäden von 62 Milliarden US-Dollar oder 57 Milliarden Euro geführt. Das ist mehr als der zehnjährige Durchschnitt und zeigt sich in einer von Munich Re veröffentlichten Studie

Die Gesamtschäden, also inklusive der nicht-versicherten Fälle, bezifferte der Rückversicherer auf rund 120 Milliarden Dollar. “Die Schadenstatistik des ersten Halbjahres wird von Wetterkatastrophen in den USA dominiert. Zudem gab es Überschwemmungen in Gebieten, wo sie eher sehr selten sind, etwa in Dubai. Es liegt auf der Hand, dass der Klimawandel eine Rolle bei dieser Entwicklung spielt”, sagte Tobias Grimm, Head of Climate Advisory bei der Munich Re, in einem Interview mit Bloomberg.
Umweltrisiken scheinen sich zu verändern
Laut Studie geben meteorologische Daten in Verbindung mit versicherungstechnischen und sozioökonomischen Daten Hinweise darauf, dass Risiken aus Unwettern sich verändern. Häufigere und intensivere wetterbedingte Katastrophen führen demnach dazu, dass Versicherungsunternehmen zunehmend mit hohen Schadensauszahlungen konfrontiert sind.
Schwere Gewitter in den USA im ersten Halbjahr
In den USA gab es im ersten Halbjahr Schwergewitterschäden von 45 Milliarden US-Dollar. Davon waren mehr als 34 Milliarden Dollar versichert. Deutschland wiederum verzeichnete vor allem im Mai schwere Überschwemmungen. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer, Bäche wurden zu reißenden Strömen.
Japanisches Erdbeben
Die schadenreichste Einzelkatastrophe des ersten Halbjahres war ein Erdbeben in Japan am Neujahrstag. Es erschütterte die japanische Westküste nahe der Noto-Halbinsel. Zahlreiche Gebäude stürzten ein, tausende Menschen blieben wochenlang ohne Strom und Wasser. Geschätzt betrug der Gesamtschaden rund 10 Milliarden Dollar, der versicherte Schaden etwa zwei Milliarden Dollar.
Auch für das zweite Halbjahr deuten sich hohe Schäden an
“Aktuell gibt es Waldbrände in den USA, zudem rechnen wir mit einer sehr aktiven Hurrikan-Saison”, sagte Grimm. Munich Re geht von 23 Stürmen über dem Atlantik in der laufenden Saison aus, davon zwölf Hurricans. “Die Wassertemperaturen im Atlantik sind sehr hoch, was die Entwicklung von Hurricans begünstigt.”
100 Milliarden US-Dollar an jährlichen versicherten Schäden als das "New Normal"
Mit Blick auf die versicherten Schäden pro Gesamtjahr bezeichnete Grimm die Marke von 100 Milliarden US-Dollar als den neuen Normalzustand. “In sechs der vergangenen sieben Jahre lagen die versicherten Naturkatastrophen-Schäden bei mehr als 100 Milliarden US-Dollar”, sagte er. Das liegt daran, dass mehr versichert wird. Aber auch der Klimawandel mache sich bemerkbar. “Es gibt beispielsweise länger anhaltende Hitzewellen, die Waldbrände begünstigen.” (kb)