MSCI-CEO: "Wer Klima-Risiken ignoriert, ist selbst schuld"
Steigende Temperaturen schlagen sich nach Einschätzung von MSCI-Chef Henry Fernandez zunehmend in Unternehmens- und Vermögenswerten nieder. Viele Marktteilnehmer blendeten die Folgen dennoch aus – obwohl Firmen extreme Hitze immer häufiger als Geschäftsrisiko einstufen.
ECKPUNKTE:
- Klimarisiken beeinflussen laut MSCI zunehmend Renditen und Bewertungen
- Unternehmen thematisieren extreme Hitze häufiger in ihren Quartalsberichten
- Besonders gefährdet sind Infrastruktur, Nahrungsmittelproduktion und Gesundheit
Die Warnung kam nicht unbedingt aus der links-grünalternativen Ecke, sondern von niemand anderem als MSCI-Chef Henry Fernandez: „Wer das Klimarisiko ignoriert, hat nur sich selbst die Schuld zu geben.“
Steigende Temperaturen seien inzwischen bei praktisch jedem Investment eine Quelle von Risiko und Rendite, sagte Fernandez im Gespräch mit Bloomberg. Viele Investoren konzentrierten sich verständlicherweise auf kurzfristige Entwicklungen. Währenddessen erwärme sich die Erde jedoch weiter, die landwirtschaftliche Produktivität gehe zurück und die Belastung für Unternehmen nehme zu.
Konkrete Risiken
Wie konkret diese Risiken bereits sind, zeigt sich derzeit in Europa. Waldbrände haben in dieser Saison mehr als 423.000 Hektar erfasst, Ernten vernichtet und Verkehrsverbindungen beeinträchtigt. In Frankreich und Spanien mussten über 300.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Europa erwärmt sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen schneller als jeder andere Kontinent.
Auch in den Unternehmen sickert das Thema zunehmend in die Risikowahrnehmung ein. Laut einer Analyse von BloombergNEF erwähnten große Konzerne extreme Hitze in ihren jüngsten Quartalsberichten so häufig wie nie zuvor. Besonders exponiert sind Infrastruktur, Nahrungsmittelproduktion und Gesundheitswesen.

Welche Größenordnungen dabei im Raum stehen, zeigen Berechnungen der Allianz. Der Versicherer veranschlagt die möglichen hitzebedingten Verluste bis 2030 für Deutschland auf rund 130 Milliarden US-Dollar, für Frankreich sogar auf etwa 240 Milliarden Dollar.
MSCI baut sein Geschäft mit Klimarisikodaten entsprechend aus. Im Juni übernahm der Indexanbieter den Datenspezialisten First Street für 120 Millionen Dollar und verschaffte sich damit Zugang zu physischen Risikodaten für 2,4 Milliarden Vermögenswerte.
Fernandez will seine Aussagen allerdings ausdrücklich nicht als politisches Bekenntnis verstanden wissen. Die Debatte über Klimawandel und nachhaltiges Investieren sei zwar stark von Politik und Ideologie geprägt. Die finanziellen Folgen steigender Temperaturen blieben davon jedoch unberührt. (bloomberg/hw)


