Morningstar DBRS sieht Europas Autobauer vor hartem Umbau
Schwache Nachfrage, hoher Kostendruck und der wachsende Wettbewerb aus China setzen die globale Automobilindustrie unter Druck. Besonders europäische Hersteller müssen nach Einschätzung von Morningstar DBRS ihre Kosten senken und Kapazitäten anpassen.

Eckpunkte:
- Weltweite Pkw-Verkäufe liegen 2026 bislang mehr als vier Prozent unter Vorjahr
- Europäische Hersteller leiden unter China-Geschäft und wachsender Konkurrenz
- Morningstar DBRS sieht überwiegend negative Ratingtrends
Die globale Automobilindustrie bleibt nach Einschätzung von Morningstar DBRS in einem schwierigen Marktumfeld. Bis Ende Mai lagen die weltweiten Pkw-Verkäufe mit rund 35 Millionen Fahrzeugen mehr als vier Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Geopolitische Unsicherheiten, eine schwache Nachfrage, der schleppende Hochlauf der Elektromobilität in Nordamerika sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck chinesischer Hersteller belasteten die Branche. "Der deutschen Automobilindustrie könnte eine dauerhafte Schrumpfung bevorstehen", warnt Morningstar DBRS.
Europäische Hersteller unter besonderem Druck
Besonders angespannt sei die Lage in Europa. Vor allem deutsche Hersteller sähen sich mit sinkender Profitabilität in China, Überkapazitäten und wachsendem Wettbewerb durch chinesische Anbieter konfrontiert. Morningstar DBRS geht davon aus, dass chinesische Hersteller wie BYD erstmals einen gemeinsamen Marktanteil von mehr als zehn Prozent in Europa erreicht haben. Dadurch wachse die Sorge, dass die europäische Automobilindustrie dauerhaft an Bedeutung verlieren könnte. Überkapazitäten und Kostensenkungen seien deshalb entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Ratingagentur verweist auf umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen großer Hersteller. Volkswagen erwäge einen Abbau von bis zu 120.000 Arbeitsplätzen sowie Werksschließungen. Auch BMW und Mercedes-Benz hätten umfassende Programme angekündigt, um auf die schwächere Nachfrage, sinkende Gewinne in China und den verschärften Wettbewerb zu reagieren. "Der Abbau von Überkapazitäten und Kostensenkungen sind für Europas Hersteller entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben", heißt es bei Morningstar DBRS.

Kostendisziplin statt Wachstum
Weltweit verfolgten die großen Automobilhersteller inzwischen ähnliche Strategien. Im Mittelpunkt stünden Kostensenkungen, die stärkere Lokalisierung der Produktion, eine Straffung der Modellpalette sowie eine diszipliniertere Kapitalallokation. Während sich der US-Markt bislang vergleichsweise robust zeige, bleibe die Lage in China schwierig. Dort sei der Pkw-Absatz in den ersten fünf Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent zurückgegangen. In Westeuropa hätten die Verkäufe zwar leicht zugelegt, die Ratingagentur erwartet angesichts der schwachen Konjunktur jedoch auch dort einen gedämpften weiteren Jahresverlauf.
Ratingtrends bleiben überwiegend negativ
Entsprechend vorsichtig fällt der Bonitätsausblick aus. Morningstar DBRS sieht bei den von ihr bewerteten Automobilherstellern überwiegend negative Ratingtrends – insbesondere bei europäischen und japanischen OEMs. Belastet würden die Unternehmen durch anhaltenden Margendruck, den verschärften Wettbewerb und ein unsicheres Marktumfeld. Lediglich einzelne Hersteller mit einer stärkeren Position im nordamerikanischen Markt oder einer robusteren regionalen Aufstellung könnten sich dem Trend bislang entziehen. (dv)