Logo von Institutional Money
| Märkte

Möglicher US-Zahlungsausfall: Diese Währung dient als sicherer Hafen

Während das fortgesetzte Patt zum Schuldendeckel die größte Volkswirtschaft der Welt in die Zahlungsunfähigkeit zu reißen droht, besinnen sich die Investoren auf ein bewährtes Mittel zur Absicherung des US-Risikos - den Schweizer Franken.

Joe Biden muss seine Reisepläne ändern, da die Anhebung der Schuldengrenze der USA noch nicht in trockenen Tüchern ist und zähe Verhandlungen mit den Republikanern anstehen. 
Joe Biden muss seine Reisepläne ändern, da die Anhebung der Schuldengrenze der USA noch nicht in trockenen Tüchern ist und zähe Verhandlungen mit den Republikanern anstehen. 

© Chris Kleponis / Bloomberg

Die Schweizer Währung erhielt schon in der Vergangenheit Auftrieb, wenn sich in Washington der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze in die Länge zog. Händler nutzen den Franken, um ihre Dollar-Engagements gegen Kursverwerfungen und potenzielle Verluste abzusichern. Inzwischen gehört selbst der brasilianische Real zu den Währungen, die diesbezüglich zum Einsatz kommen.

“Es ist die Schuldenobergrenze, die die Märkte im Moment am meisten beunruhigt”, sagte Meera Chandan, Co-Chefin der Devisenstrategie bei J.P. Morgan Chase & Co. in London gegenüber Bloomberg. “Absicherungen im Devisenbereich sind sehr sinnvoll.”

US-Finanzministerin Janet Yellen warnte am Montag, dass die USA Gefahr liefen, schon am 1. Juni 2023 nicht mehr genügend Geld für die Erfüllung aller staatlichen Verpflichtungen zu haben. Am Markt für T-Bills gibt es bereits Verwerfungen, die auf ein besonders hohe Risiko zwischen Anfang Juni und August hindeuten.

Auch die Nachfrage nach Hedging-Geschäften für diesen Zeitraum hat zugenommen
Beim J.P. Morgan-Volatilitätsbarometer für G10-Währungen hat der Abstand zwischen Laufzeiten von einem und drei Monaten zeitweise den größten Wert seit September 2020 erreicht. Absicherungen gegen eine Zuspitzung der Lage beim CBOE Volatilitätsindex (VIX), dem sogenannten Angstindex der Wall-Street-Börsen, sind so gesucht wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Safe Haven
Der Schweizer Franken stieg um fast sieben Prozent im Juli 2011, als die USA an der Schwelle zum Zahlungsausfall standen

Wie stark die Schweizer Währung von Ängsten internationaler Investoren profitieren kann, illustriert der Blick auf das Jahr 2011, als die Regierung in Washington ebenfalls kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stand. Im Monat vor der Ende Juli erzielten Einigung, mit der die Krise schließlich abgewendet wurde, legte der Franken damals fast sieben Prozent gegenüber dem US-Dollar zu.

Wiederkehrende Dynamik
Laut J.P. Morgan dürfte diese Dynamik zurückkehren, wenn das Risiko eines US-Zahlungsausfalls zunimmt. Am heutigen Mittwoch notiert der Franken im Vormittagshandel minimal leichter bei 0,8963 US-Dollar. Gegenüber dem Jahreswechsel notiert die Währung 2,9 Prozent im Plus.

US-Präsident Joe Biden wird nach seinen G7-Gesprächen in Japan nicht wie geplant nach Australien und Papua Neu-Guinea weiterreisen, sondern kehrt zu weiteren Gesprächen mit den Republikanern heim. Auf Stabsebene gehen indessen die vorbereitenden Gespräche zwischen Vertretern des Weißen Hauses und des Kongresses weiter. (kb)

Dieses Seite teilen