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Milliardenschwerer BlackRock-Fonds wettet auf steigende Bund-Renditen

Der BlackRock Tactical Opportunities Fund respektive dessen Management geht davon aus, dass die Renditen bei deutschen Bundesanleihen steigen werden und ist entsprechende Short-Positionen eingegangen. Bei UK-Gilts hatten vergleichbare Spekulationen jedenfalls Erfolg.

© alexskopje / stock.adobe.com

Eckpunkte:

  • Der milliardenschwere BlackRock Tactical Opportunities Fund wettet auf steigende Zinsen bei deutschen Bunds
  • Der Fondsmanager nennt gute Argumente, warum Bundesanleihen unter Abgabedruck geraten könnten

Ein BlackRock-Fonds baut seine Wetten gegen deutsche Staatsanleihen aus und setzt darauf, dass ein “ziemlich großer Inflationsanstieg” in Europa die Renditen wieder über die in der vergangenen Woche erreichten 15-Jahres-Hochs treiben wird. Das ist einem Bloomberg-Bericht zu entnehmen.

BlackRocks Tom Becker, einer der Manager des 6,5 Milliarden Dollar schweren Tactical Opportunities Fund, erwartet, dass Regierungen ihre Ausgaben erhöhen werden, um Haushalte im Euroraum bei steigenden Energiepreisen zu entlasten und gleichzeitig die militärischen Kapazitäten auszubauen. Vor diesem Hintergrund hat er seit Beginn des Iran-Kriegs vor einem Monat seine Short-Positionen in zehn- und fünfjährigen Bundesanleihen ausgebaut. Bereits zuvor hatte er auf fallende Kurse bei 30-jährigen Papieren gesetzt.

Mehr frische Anleihen, höhere Renditen
“Die Märkte unterschätzen möglicherweise die fiskalische Reaktion der europäischen Politik, mehr Geld für Energiesicherheit im Winter und für militärische Vorsorge auszugeben”, sagte Becker in einem Bloomberg-Interview. “Das bedeutet in den kommenden Quartalen ein größeres Angebot an Anleihen.”

Angesichts steigender Risikoaufschläge für langfristige Schuldtitel rechnet er damit, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen über den Höchststand von 3,13 Prozent steigen wird, der vor einigen Tagen zu beobachten war. Zu dem Zeitpunkt hatten der Krieg und steigende Ölpreise Inflationsängste geschürt. Zuletzt lag die Rendite bei rund drei Prozent.

“Diese Drei-Prozent-Marke ist kein besonders hoher Nominalzinssatz, da die Inflation wieder über das Ziel hinausschießt und mit einer größeren fiskalpolitischen Reaktion ein höheres Angebot einhergehen wird”, fügte Becker hinzu.

Der Ausverkauf bei Anleihen im Euroraum fiel bislang weniger stark aus als bei US-Staatsanleihen und britischen Gilts. Dennoch dürfte Europa laut Becker stärker von einem Inflationsschock betroffen sein - unter anderem wegen der Abhängigkeit von Energieimporten über die Straße von Hormus.

Höhere Staatsdefizite
Zudem haben europäische Staaten begonnen, Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten für Verbraucher anzukündigen. Die Europäische Kommission bereitet ebenfalls ein Paket vor, um die Auswirkungen höherer Energiepreise abzufedern. Dies weckt Erinnerungen an die Jahre 2022 bis 2024, als umfangreiche Energiesubventionen im Zuge des Ukraine-Kriegs die Staatsdefizite deutlich erhöhten.

Höhere Inflation ist zentrales Risiko für die Märkte
Beckers Positionierung passt zu seiner langfristigen Einschätzung, dass Inflation ein zentrales Risiko bleibt. Er verwies auf die Neigung von Regierungen, “auf jede Krise mit fiskalischen Maßnahmen zu reagieren und mehr Schulden aufzunehmen”, wie er in einem separaten Interview mit Bloomberg TV erklärte.

Bereits zu Jahresbeginn hatte Becker gegen den Marktkonsens Short-Positionen in US-Staatsanleihen und britischen Gilts aufgebaut. Damals rechneten viele Investoren noch mit mehreren Zinssenkungen durch die Federal Reserve und die Bank of England im Jahr 2026.

Der Krieg veränderte diese Erwartungen grundlegend, da die Ölpreise über 100 Dollar je Barrel stiegen. Die Geldmärkte gehen inzwischen davon aus, dass die US-Notenbank in diesem Jahr keine Zinssenkungen vornehmen wird. Für die Bank of England und die Europäische Zentralbank werden hingegen mindestens zwei Zinserhöhungen erwartet.

Becker bewies ein gutes Händchen
Diese Neubewertung spielte Becker in die Karten: Seine Wetten auf steigende Renditen bei britischen Anleihen trugen dazu bei, dass sein Fonds im vergangenen Monat um nahezu drei Prozent zulegte. Demgegenüber verzeichneten vergleichbare, von Bloomberg erfasste Fonds im Durchschnitt einen Verlust von vier Prozent.

Inzwischen hat Becker Teile seiner Gilt-Positionen mit Gewinn verkauft und den Fokus stärker auf Deutschland verlagert. Er geht davon aus, dass die deutschen Fünfjahres-Finanzierungskosten in fünf Jahren - ein Indikator für die zehnjährige Laufzeit - näher an denen der USA und Großbritanniens liegen sollten. Dies deutet auf einen stetigen Anstieg der Renditen hin, da der deutsche 10-Jahres-Zinssatz mit etwa drei Prozent deutlich hinter der Rendite von 4,4 Prozent für US-Staatsanleihen mit ähnlicher Laufzeit zurückbleibt. (aa)

Zehnjahres-Renditen im Vergleich

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