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M&G: Was hat die EZB eigentlich an Corporate Bonds gekauft?

Transparenz sieht anders aus: Die Notenbanken sind oft nicht sonderlich bemüht, ein klares Bild dessen wiederzugeben, was die EZB im Rahmen ihres Corporate Sector Purchase Programme (CSPP), des Aufkaufprogramms im Unternehmenssektor, tatsächlich an Risiken in die Bücher genommen hat.

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Nachbesserungsbedarf bei den am Ankaufsprogramm der EZB von Unternehmensanleihen beteiligten Zentralbanken besteht allemal.

Das „Corporate Sector Purchase Programme“ der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Ankauf von Unternehmensanleihen läuft seit gut einem Monat.

"Am Montag dieser Woche wollte die EZB veröffentlichen, welche Anleihen sie bislang gekauft hat. Doch statt einer detaillierten Auskunft über das Programm erlaubt die Veröffentlichung eher einen Blick darauf, wie die Abstimmung zwischen den nationalen Notenbanken in der Eurozone läuft – oder auch nicht läuft", sagt Wolfgang Bauer (Bild links), stellvertretender Fondsmanager des M&G Global Corporate Bond Fund und des M&G European Corporate Bond Fund. 

Sechs separate Einkaufslisten der sechs beteiligten Notenbanken

„Statt einer ordentlichen, konsolidierten Liste mit sämtlichen angekauften Anleihen haben die sechs am Programm beteiligten nationalen Zentralbanken ihre separaten Einkaufslisten auf der Webseite der EZB eingestellt“, so Bauer. „Einmal abgesehen von dem offensichtlichen Mangel an Integration scheinen sie auch nicht sonderlich viel Wert auf Konsistenz gelegt zu haben.“ 

Außer ISIN nichts gewesen

Die meisten Banken haben sich dafür entschieden, lediglich die „International Securities Identification Numbers“ (ISINs) zu veröffentlichen, allerdings mit jeweils unterschiedlichem Layout. Während die detailverliebte Deutsche Bundesbank immerhin die Namen der Wertpapiere und ihrer Emittenten auflistet, findet die Banco de España noch nicht einmal eine englisch-sprachige Version nötig. Die Banque de France hingegen äußert sich zwar auf Englisch, allerdings ohne Liste, stellt Bauer fest: „Der Leser soll gefälligst selbst bei Bloomberg nachschlagen – Incroyable!“

Transparenz sieht anders aus

Das eigentliche Problem allerdings sei inhaltlicher Natur, sagt Bauer: „Wir kennen jetzt zwar das Gesamtvolumen der Einkäufe – 10,43 Milliarden Euro zwischen dem 8. Juni und dem 15. Juli – und die Identität der 458 eingekauften Unternehmensanleihen. Was wir jedoch nicht kennen, sind die Portfoliogewichtungen.“ 

Stark eingeschränkte Möglichkeiten zur Auswertung

Ein Beispiel: Die durchschnittliche Positionsgröße beläuft sich auf 22,8 Millionen Euro, doch ist die Streuung um diesen Mittelwert völlig unbekannt. So ist die Deutsche Bahn der populärste Emittent in Hinsicht auf die ISIN-Anzahl mit zwölf gekauften Anleihen, gefolgt von Telefonica mit elf und BMW mit zehn. „Doch ohne Kenntnis der Beteiligungsgrößen können wir keine gewichteten Durchschnittswerte berechnen und sind deshalb nicht in der Lage, zum Beispiel Rückschlüsse auf das konkrete Risikoexposure gegenüber der Deutschen Bahn zu ziehen. Transparenz sieht anders aus“, resümiert Bauer. (kb)

 
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