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M&G-Manager über ESG-HY-Bonds: Nur Top-Segment "wäre uninvestierbar"

Wer bei Anleihen sowohl auf Rendite als auch auf ethische Kriterien achtet, hat es schwer: Unternehmen, die Hochzinsanleihen ausgeben, bieten nämlich deutlich niedrigere ESG-Standards als im Investment-Grade-Bereich.

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James Tomlins: "Gerade beim Thema ESG ist es wichtig, dass wir Zugang zu den Unternehmen haben, damit diese uns ihre Standpunkte zur Nachhaltigkeit erklären."
© M&G

Beim Thema "nachhaltig Anlegen" denken die meisten wohl zuerst an Aktien. In den vergangenen Jahren sind aber die drei Buchstaben ESG (Environmental, Social, Governance) auch bei Anleiheninvestoren zusehends ins Zentrum der Entscheidung gerückt – wenngleich dabei einige Schwierigkeiten auftreten. Diese muss James Tomlins überwinden, Co-Manager des M&G (Lux) Global High Yield ESG Bond Fund, der genau vor einem Jahr aufgelegt wurde.

"Nur Kreditgeber"
"Gerade beim Thema ESG ist es wichtig, dass wir Zugang zu den Unternehmen haben, damit diese uns ihre Standpunkte zur Nachhaltigkeit erklären. Als Anleiheninvestor sind Sie aber nur Kreditgeber, kein Eigentümer wie die Aktieninhaber. Sobald die Unternehmen Ihnen den Bond verkauft haben, bekommen Sie nicht mehr so leicht einen Termin", berichtet Tomlins, der mehr als ein Jahrzehnt High Yield-Expertise vorweist.

Bei M&G habe man es so gelöst, dass Aktien- und Anleihenteam beim Treffen mit den Unternehmen abgesprochen vorgehen. "Wir bündeln unsere Überzeugungen und treten als Gesellschaft mit einer Stimme auf, sagt Tomlins im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine weitere wesentliche Herausforderung besteht darin, im Anleihenbereich ESG und Rendite unter einen Hut zu bringen: Rendite heißt High Yield – und in diesem Segment der schlechteren Bonitäten sind die ESG-Standards sehr viel tiefer als im Investment Grade: Zum einen scheinen Unternehmen, die Hochzinsanleihen ausgeben, tatsächlich seltener ESG-fit zu sein, zum anderen erhalten Viele kein ESG-Rating, weil sie zu klein sind, oder nicht die erforderlichen Informationen liefern.

Informationsdefizit verschlechtert Rating – Ein Fünftel hat hat keine ESG-Note
"Das Informationsdefizit ist sicher eine Schwierigkeit. Wenn die Ratingagenturen keine Informationen bekommen, nehmen sie das Schlimmste an und die Einstufung sieht dann entsprechend schlecht aus", so Tomlins. Im weltweiten "BofA ML Global High Yield Index" sind fast ein Fünftel der Unternehmen nicht ESG-geratet, während im gleichnamigen Investment Grade Index nur eine verschwindende Minderheit von gut fünf Prozent keine entsprechende Beurteilung aufweisen. 

M&G siebt in seinem ESG-High Yield-Fonds Unternehmen nach mehrfachen Kriterien aus. Unter anderem wird auch die ESG-Benotungsskala von MSCI herangezogen. Diese trifft Einordnungen zwischen 0 (schlecht) und 10 Punkten (Top). Und hier zeigt sich sehr deutlich: Wer in Hochzinsanleihen investieren möchte, hat in den ersten beiden höchsten Stufen (zwischen 10 und 7,2 Punkte) gerade einmal fünf Prozent der Titel zur Auswahl; viel besser hingegen sieht es im Investment Grade-Segment aus, wo gut 20 Prozent der Titel in die Top-Kategorien fallen. "Der Markt ist zu eng, als dass man ausschließlich in die hoch gerateten Unternehmen gehen könnte. Das wäre uninvestierbar", so Tomlins.

Ziel des Fonds sei es, besser als der Marktdurchschnitt zu sein. Grundsätzlich werde nicht unter einer ESG-Note nach MSCI von 2,9 investiert. Das Fonds-Management kann solche Firmen aber aufnehmen, wenn es der Meinung ist, dass das Unternehmen zu Unrecht ein schlechtes ESG-Rating bekommen hat.

Die Renditefrage
Die vermutlich für alle Anleger brennende Frage, wie sich Nachhaltigkeit speziell im Hochzinsbereich auf die Rendite auswirkt, muss auch bei M&G vorerst unbeantwortet bleiben. Bei Aktien belegen zahlreiche Untersuchungen positive Aspekte von ESG; am Anleihensektor sieht es hingegen dürftiger aus; insbesondere im Hochzins-Segment: "High Yield in Kombination mit ESG ist ein junger Markt, es gibt wenige langfristige Erkenntnisse", so Tomlins. Er nennt aber eine Untersuchung für das Investment Grade Segment, die bei E (Umwelt) und S (Soziales) keinen Einfluss auf die Rendite festgestellt hat. G (Unternehmensführung) hingegen hatte einen positiven Effekt, "was logisch auch gut nachvollziehbar ist", so Tomlins.

ESG-Anleihenfonds holen kräftiger auf
Laut Angaben von M&G/Broadridge FundFile sind Anleihenfonds, die ESG-Kriterien anwenden, in Europa unterrepräsentiert. Sie machten 2016 mit einem verwalteten Vermögen von 123 Milliarden Euro deutlich weniger aus als ESG-kompatible Aktienfonds, die 2016 auf ein Volumen von 214 Milliarden Euro kamen.

Die Anleihenfonds holen aber auf. Sie hatten zwischen 2010 und 2016 mit jährlich 14 Prozent ein deutlich höheres Wachstum; bei den Aktienfonds waren es jährlich elf Prozent. (eml)

Redaktioneller Hinweis: Zum Thema "Nachhaltigkeit bei Hochzinsanleihen" gab es bereits in der Printausgabe 1/2018 von "INSTITUTIONAL Money" eine ausführliche Story. Nachzulesen unter nachfolgendem Link: "Schwierige Übung"

 

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