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M&G Investments: This time it’s different – „I“ ist wahrscheinlich

Für den britischen Vermögensverwalter verläuft die aktuelle Krise, die „Stay at home Flash Crash“-Rezession“, ganz anders als vorige Krisen. Interessant sind vor allem jene Auswirkungen, die nach Krise zu sehen werden. Investoren sollten sich bereits jetzt damit auseinandersetzen.

Richard Woolnough, Manager des M&G (Lux) Optimal Income Fund
Richard Woolnough, Manager des M&G (Lux) Optimal Income Fund
© M&G

Erfahrene Großanleger wissen: Wann immer die Gefahr oder das Eintreten einer Rezession droht, folgt sie in der Regel einem typischen Muster. Sie wird durch eine angespannte Finanzlage, das Platzen einer Blase, einen dramatischen Anstieg des Ölpreises oder eine Kombination der oben genannten Faktoren hervorgerufen. Für Richard Woolnough, Manager des M&G (Lux) Optimal Income Fund, ist dieses Mal aber alles anders, angesichts der "stay at home"-Rezession. In einem Kommentar wagt er folgenden Blick in die Zukunft:

Der Wirtschaftsabschwung 2020 ist nicht auf die üblichen Verdächtigen zurückzuführen, also dass zum Beispiel die US-Treasury-Kurve invertiert, sich der US-Immobilienmarkt abschwächt oder der Ölpreis steigt. Es liegt also nicht an einer politischen Fehlentscheidung, sondern an dem Ausbruch des Corona-Virus, der zu einer von der Politik veranlassten Rezession geführt hat und zu einem Einbruch des BIP führen wird.

„Glücklicherweise gehen wir mit einer bereits unterstützenden Geldpolitik der Zentralbanken in diese Rezession“, erklärt Woolnough. Seiner Ansicht nach braucht die Geldpolitik allerdings etwa zwei Jahre, bevor wir ihre Wirkung auf die Wirtschaft sehen können. Beispielsweise haben wir 2018 eine Verlangsamung des Wachstums erlebt, einige Jahre nachdem die Fed die Zinsen bis 2016 angehoben hat. Jetzt hat die Wirtschaft einen Vorsprung, denn die Fed hat die Zinserhöhung Anfang 2019 gestoppt und dann die Zinsen weiter gesenkt. Während die EZB aufgrund ihres ohnehin schon sehr niedrigen Leitzinses nur über einen begrenzten Spielraum verfügt, haben die Fed und die Bank of England einen solchen Spielraum.

Es gibt laut Woolnough drei Phasen einer Rezession: Wie anders wird diese Rezession im Vergleich sein?

Stufe 1: Hinein in die Rezession
Dies ist die „sicherste“ Rezession, die wir je erlebt haben: Wir alle können den dramatischen Rückgang der Aktivitäten täglich um uns herum beobachten. Die diskretionären, also nicht notwendigen Konsumausgaben sind stark zurückgegangen, und die davon höchsten, Reisen und Tourismus, wurden am stärksten getroffen. Dies ist keine langsame Entwicklung, bei der der Einzelne allmählich die neue wirtschaftliche Realität entdeckt, sondern eine Anweisung an alle, mit dem Konsum aufzuhören. Diese Anweisung ist weltweit und augenblicklich, etwas, das noch nie zuvor geschehen ist.

Rezessionen werden laut Woolnough gewöhnlich als V- oder U-förmig beschrieben. „Die erste Phase dieser Rezession wird der U-Form ähneln. Sie wird vertikal und dramatisch verlaufen und den größten Einbruch des BIP im Wochen- und Monatsvergleich in vielen Ländern darstellen“, erklärt Woolnough.

Stufe 2: Ende der Rezession – kommt ein „I“?
Die Schnelligkeit und Massivität der Rezession sind auf den Virus und die daraus resultierenden Maßnahmen der Regierungen zurückzuführen, die uns daran hindern sollen, soziale Kontakte zu haben. Deshalb haben wir eine ungewöhnlich klare Vorstellung davon, wann und wie die Rezession enden wird. Dieses Virus scheint saisonale Muster wie die Grippe zu zeigen, und sobald es seinen Weg durch die Bevölkerung gefunden hat, wird eine Immunität aufgebaut.

Irgendwann, vermutlich innerhalb von drei Monaten, werden die Regierungen ihre Politik ändern. Und wir können möglicherweise zu einem normalen Verhalten zurückkehren. Dieser Aufschwung wird enorm sein, da die Bevölkerung nicht mehr aufgefordert wird, zu Hause zu bleiben. Die Wirtschaftsdaten werden also eine rasche Erholung zeigen: „Es wird kein V oder U sein, sondern eher ein I. Es wird in vielen Ländern im Wochen- und Monatsvergleich der größte jemals erreichte Sprung des BIP sein“, prognostiziert Woolnough.

Stufe 3: Nach der Rezession
Dieser dramatische Zusammenbruch und die Erholung werden dem Wirtschaftssystem längerfristig einige Schäden zufügen. Erstens, was das ökonomische und persönliche Vertrauensniveau angeht und zweitens aufgrund des beispiellosen Charakters des schweren, so kurzfristig eingetretenen Rezessionsschocks. Das Verhalten der Menschen könnte sich ändern. Krisenanfällige Unternehmen, die auf kurzfristige diskretionäre Ausgaben angewiesen sind, werden geschwächt und möglicherweise dauerhaft Schäden davontragen. Während ein Teil des Konsums einfach nur aufgeschoben wird, wie beispielsweise der Kauf eines Autos, wird vieles ersatzlos verloren gehen, wie etwa bei Kinobesuchen.

Positiv ist, dass die Industrieländer im Vergleich zu den meisten anderen Rezessionen derzeit eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit aufweisen. Eine beträchtliche Anzahl der Bevölkerung wird weiter beschäftigt und viele Unternehmen können stabil bleiben. „Hoffentlich wird es eine steuerliche Unterstützung für diejenigen geben, die größere Probleme haben“, betont Woolnough.

Rezession wie ein „t“ oder ein „T“?
Daher könnt sich laut Woolnough das Wachstum nach der Rezession wieder normalisieren. Aber es sei aktuell unwahrscheinlich, dass es wieder das frühere Niveau erreichen wird. So wird diese Art von Rezession wie ein „t“ geformt sein: ein starker Rückgang, ein starker Aufschwung und dann wieder der normale Wirtschaftszyklus, wahrscheinlich auf einem niedrigeren Niveau als zuvor, es sei denn, das Eingreifen der Politik übersteigt den Abwärtstrend. In diesem Fall kehren wir wieder dorthin zurück, wo wir vorher waren (T nicht t).

Für die am stärksten betroffenen Volkswirtschaften wird dieses t einen deutlichen Abwärtstrend und dann eine Erholung darstellen, auch wenn der dauerhafte Schaden möglicherweise höher sein wird.

Fazit für Rentenanleger
Für Anleiheinvestoren ist es in dieser Zeit wie immer wichtig, zwischen den Anleihequalitäten zu unterscheiden. Während bei den Ausfällen von Hochzins-Unternehmensanleihen ein Anstieg zu erwarten ist – in früheren Rezessionen sind bis zu 30 Prozent der Unternehmen über einen Fünf-Jahres-Zeitraum ausgefallen – , werden Unternehmen mit Investment-Grade-Rating deshalb so genannt, weil sie überleben sollten. In schwierigen Zeiten fallen etwa zwei Prozent der Unternehmen im Laufe von fünf Jahren aus.

„Diese Rezession ist anders. Wir wissen, warum sie passiert, haben eine weitaus klarere Vorstellung von ihrer Länge als üblich und können nachdrücklich postulieren, wie sie zu Ende geht. Verschiedene Regierungen und Zentralbanken arbeiten daher an Maßnahmen, um uns durch den kurzfristigen BIP-Blitzabsturz zu bringen. Dies hat es den politischen Institutionen ermöglicht, mutig und rigoros zu handeln. Diese beispiellose Stimulierung wird wahrscheinlich auch nach dem Schock bestehen bleiben, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft die Chance hat, auf ein Niveau zu kommen, das so nah wie möglich an das frühere heranreicht“, erklärt Woolnough abschließend. (aa)

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