MFS IM: Diese Gefahren könnten die Hausse stören
Die Co-CIO von MFS Investment Management zeichnet ein aktuelles Bild der Finanzmärkte mit Schwerpunkt USA und erklärt, wo sie Risikoquellen sieht.

„Die USA sind zu einer Quelle der Unsicherheit geworden, was zusammen mit der angespannten Weltlage für neue Herausforderungen sorgt. Dabei könnten sich verschiedene Regionen recht unterschiedlich entwickeln“, schreibt Pilar Gomez-Bravo, Co-CIO von MFS Investment Management und Fondsmanagerin des MFS Meridian Global Total Return Fonds, in einer aktuellen Markteinschätzung. Gomez-Bravo wurde von Morningstar als eine der sechs besten Fondsmanagerinnen in Europa bezeichnet und ist eine sehr erfahrene Investmentexpertin.
Schwierige Gemengelage
Die Notenbanken reagieren zurückhaltend und warten vor großen Entscheidungen auf eindeutigere Zahlen. Dieser konservative Ansatz ist laut Gomez-Bravo sinnvoll, weil Zölle, Einwanderungspolitik, Deregulierung, Fiskalpolitik und Energiepolitik zu einer schwierigen Gemengelage führen. Das US-Haushaltsdefizit ist ein wesentliches Hindernis für die Wirtschaftspolitik von Trump. "Zwar hilft es den USA, dass der US-Dollar die Weltreservewährung ist, doch irgendwann könnte ein Punkt erreicht sein, an dem die Märkte das Haushaltsdefizit nicht mehr so leicht hinnehmen", warnt die Fondsmanagerin.
Ein schwächerer Dollar und höhere Langfristrenditen könnten Gomez-Bravo zufolge Anzeichen dafür sein, dass der Markt das Defizit kritischer sieht: "Dennoch rechnen wir zumindest kurzfristig nicht mit einem großen Kurseinbruch wie in Großbritannien oder Frankreich."
Gomez-Bravos größte Sorge ist ein möglicher Handelskrieg, der in den Anleihekursen noch nicht vollständig berücksichtigt sei. Weil er große Auswirkungen auf den Welthandel und die wirtschaftliche Stabilität haben könnte, sollten Investoren die Entwicklung genau im Blick behalten. Hinzu kommt, dass manche Positionen stark überkauft sind, was zu Liquiditätsengpässen führen könnte. Zurzeit sind die Märkte zwar liquide, wenn aber Leverage abgebaut wird, wie letztes Jahr beim Yen-Carry-Trade, könnten die Kurse ordentlich fallen. Das könnte viele Investoren Gomez-Bravo zufolge auf dem falschen Fuß erwischen.
"Aus unserer Sicht droht in den USA keine Rezession, auch wenn die wirtschaftliche Ungleichheit im Land noch immer groß ist, Teile der Bevölkerung nach wie vor Finanzprobleme haben und die politische Unsicherheit dem Konsum- und Geschäftsklima schaden dürfte. Ein weiteres Konjunkturrisiko ist Trumps Aktionismus. Die US-Wirtschaft könnte daher erst einmal nachgeben, bevor manche der wachstumsfreundlicheren Maßnahmen wirken", erkärt Gomez-Bravo abschließend. (aa)

