Metzler: Weltraum wird zur nächsten globalen Infrastrukturschicht
Die Raumfahrtwirtschaft steht laut Metzler AM vor einem historischen Wendepunkt. Bis 2035 soll der Sektor auf 1,8 Billionen US-Dollar wachsen. Die größten Chancen sehen die Experten aber nicht bei Raketenbauern, sondern bei Zulieferern, Rohstoffanbietern und europäischen Raumfahrtunternehmen.
Eckpunkte:
- Beginn der Phase der produktiven Anwendung und industriellen Skalierung
- Größte Chancen bei den Enablern der Wertschöpfungskette
- Spezifische Risiken der Space-Branche beachten
Die Raumfahrtindustrie entwickelt sich nach Einschätzung von Metzler Asset Management von einem staatlich dominierten Forschungsfeld zu einer kommerziellen Infrastrukturschicht der Weltwirtschaft. „Der Weltraum ist nicht mehr nur ein Ziel für staatliche Prestigeprojekte, sondern die ,neue Telekommunikationsinfrastruktur‘ unserer Zeit“, schreiben die Autoren Daniel Sailer, Marco Scherer und Steffen Tolzien in einer Analyse.
Die Experten sehen die Branche an einem Wendepunkt. „Die globale Weltraumwirtschaft hat im Jahr 2026 eine entscheidende Schwelle überschritten und tritt nun in die Phase der breiten, produktiven Anwendung ein“, heißt es in dem Papier. Bereits heute seien mehr als 75 Prozent der Branche kommerziell geprägt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte der bevorstehende Börsengang von SpaceX auf den Sektor lenken. Nach Einschätzung von Metzler könnte das Unternehmen mit einer Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar unmittelbar zu den zehn wertvollsten börsennotierten Konzernen der Welt aufsteigen.
Wachstum doppelt so stark wie die Weltwirtschaft
Der globale Raumfahrtmarkt soll nach Schätzungen des Hauses von rund 600 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 1,8 Billionen US-Dollar bis 2035 wachsen und damit doppelt so schnell expandieren wie die Weltwirtschaft. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählen globale Satellitennetzwerke, deutlich gesunkene Startkosten durch wiederverwendbare Raketen, steigende Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben sowie neue Anwendungen rund um Kommunikation, Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz.
Für Investoren liegt die attraktivste Chance laut Metzler allerdings nicht zwangsläufig bei den bekanntesten Raumfahrtunternehmen. Vielmehr empfehlen die Autoren eine „Spitzhacke-und-Schaufeln“-Strategie entlang der gesamten Wertschöpfungskette. „Partizipieren Sie am Wachstum durch die ,Enabler‘ der Wertschöpfungskette. Spezialmetalle und Gase ermöglichen Wachstum – unabhängig davon, welcher Satellitenbetreiber am Ende dominiert“, lautet eine der zentralen Handlungsempfehlungen.
Spitzhacke und Schaufel
Als Profiteure nennen die Experten unter anderem Anbieter kritischer Rohstoffe und Industriegase. Unternehmen wie Linde, Air Liquide oder Air Products profitieren vom steigenden Bedarf an Spezialgasen für Raketenstarts und Satellitentechnologien. Nach Unternehmensangaben beliefert Linde bereits mehr als vier von fünf Raketenstarts in den USA.
Auf europäischer Seite sehen die Autoren insbesondere Airbus, Safran, Thales, OHB und Hensoldt gut positioniert. Die Unternehmen seien eng in europäische Raumfahrt- und Sicherheitsprogramme eingebunden und könnten von der zunehmenden strategischen Bedeutung des Weltraums profitieren. Vor allem OHB wird in der Studie als deutscher Raumfahrt-Champion hervorgehoben.
Trotz der attraktiven Perspektiven warnen die Experten vor den Risiken der Branche. Hohe Kapitalanforderungen, regulatorische Eingriffe, ESG-Anforderungen sowie die zunehmende Vermüllung der Erdumlaufbahnen könnten die Entwicklung bremsen. Anleger sollten daher Unternehmen mit stabilen Cashflows, technologischen Eintrittsbarrieren und einer starken Marktstellung bevorzugen.
„Wir befinden uns am Ende der Prototyping-Phase und am Beginn der industriellen Skalierung“, lautet das Fazit der Autoren. Für Investoren eröffne sich damit die Möglichkeit, an einer Entwicklung teilzuhaben, die Metzler als eine der letzten großen industriellen Revolutionen unserer Zeit bezeichnet. (dv)



