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Metzler: Deutschland bietet unterschätztes Industriepotenzial

Elektrifizierung, KI und starke Dividenden sprechen laut Metzler Asset Management weiterhin für deutsche Aktien. Viele Konzerne haben ausgezeichnete Perspektiven und profitieren von strukturellen Wachstumstrends, sagten CIO Oliver Schmidt und Portfoliomanager Fynn Battefeld im Interview.

Oliver Schmidt und Fynn Battefeld, Metzler Asset Management: „Wir diskutieren zu viel über Risiken und zu wenig über das enorme Self-Help-Potenzial vieler Industrien.“
Oliver Schmidt und Fynn Battefeld, Metzler Asset Management: „Wir diskutieren zu viel über Risiken und zu wenig über das enorme Self-Help-Potenzial vieler Industrien.“© Institutional Money

Eckpunkte:

  • Viele deutsche Konzerne international stark aufgestellt
  • Strombedarf als großer Treiber der kommenden Dekade
  • Hohe Dividenden stärken Total-Shareholder-Returns

Die deutsche Wirtschaft schwächelt seit Jahren, geopolitische Krisen dominieren die Schlagzeilen und viele Investoren blicken skeptisch auf Europa. Für Metzler Asset Management ist das jedoch kein Grund, deutsche Aktien pauschal abzuschreiben. Viele Unternehmen erzielten den Großteil ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands und seien damit deutlich robuster aufgestellt als häufig angenommen, sagten Oliver Schmidt, CIO, und Fynn Battefeld, Portfoliomanager Global Equities, im Interview in Frankfurt.

„Es macht Sinn, in deutsche Aktien zu investieren, selbst wenn man von der deutschen Konjunktur nicht überzeugt ist, da insbesondere deutsche Aktienkonzerne oft einen Großteil der Umsätze international erzielen“, sagte Schmidt. „Deutschland hat strukturelle Probleme, aber viele deutsche Unternehmen sind global hervorragend positioniert.“

Nach Einschätzung von Metzler unterschätzen viele Anleger die Widerstandskraft global aufgestellter deutscher Konzerne. Unternehmen wie Siemens, Siemens Energy, SAP oder die Deutsche Telekom erwirtschafteten den Großteil ihrer Erlöse außerhalb Deutschlands und seien damit weit weniger abhängig von der heimischen Wirtschaftsentwicklung als häufig angenommen.

Elektrifizierung als struktureller Wachstumstreiber
Besonders positiv sehen die Metzler-Experten den Elektrifizierungs- und Infrastrukturtrend. „Elektrifizierung ist einer der großen strukturellen Trends der nächsten Dekade“, betonte Schmidt. Getrieben werde er von Geopolitik, Digitalisierung, Klimaschutz und dem Wunsch nach größerer Energiesouveränität.

Siemens Energy etwa profitiere massiv vom steigenden Strombedarf durch KI-Datenzentren und Industrieumbau. „Siemens Energy ist im Gasturbinensegment bis 2030 praktisch ausverkauft“, sagte Battefeld. Gleichzeitig werde Strom zum strategischen Engpass der KI-Revolution: „Strom und Chips sind die zentralen Bottlenecks der KI-Revolution.“

Die steigende Nachfrage nach Strominfrastruktur, Netzen und Rechenzentren mache klassische Industrie- und Versorgerunternehmen wieder attraktiv. „Versorger waren früher unbeliebt, heute werden sie zu einem Wachstumssektor“, so Schmidt.

Auch beim Thema Künstliche Intelligenz sieht Metzler Deutschland keineswegs abgehängt. „Wir sind erst im Jahr eins oder anderthalb der monetären KI-Effekte“, sagte Schmidt. Unternehmen wechselten derzeit „von einzelnen KI-Use-Cases zu echten KI-Strategien“. Besonders SAP verfüge aufgrund seiner jahrzehntelang aufgebauten Datenbasis über erhebliche Wettbewerbsvorteile. „SAP ist aus unserer Sicht gerade wegen seiner Datenbasis schwer disruptierbar“, erklärte Schmidt.

Europa „Powerhouse der Dividende“
Neben strukturellem Wachstum sieht Metzler auch bei Dividenden einen wichtigen Pluspunkt für europäische Aktien. „Europa bleibt das Powerhouse der Dividende“, sagte Schmidt. Besonders positiv äußerte er sich über Versicherungswerte. „Versicherungsaktien liefern mit Dividenden teilweise ähnliche Total-Shareholder-Returns wie manche Tech-Werte“, so Schmidt. Steigende globale Risiken spielten großen europäischen Versicherern zusätzlich in die Karten.

Insgesamt plädiert Metzler für einen differenzierteren Blick auf den Standort Deutschland. „Wir diskutieren zu viel über Risiken und zu wenig über das enorme Self-Help-Potenzial vieler Industrien“, betonte Schmidt. (dv)

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