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Metzler-Chefvolkswirt fordert mindestens 30 Prozent Zölle gegen China!

Europa sollte seine Industrie nach Ansicht von Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk deutlich stärker vor chinesischer Konkurrenz schützen. Zölle von 30 Prozent betrachtet er dabei als Untergrenze. Besonders gefährdet sieht er unter anderem die Auto-, Halbleiter- und Batterieindustrie.

Edgar Walk, Metzler Asset Management: "Mit einem Preisvorteil chinesischer Autos von deutlich mehr als 30 Prozent ist die europäische Automobilindustrie kaum mehr überlebensfähig."
Edgar Walk, Metzler Asset Management: "Mit einem Preisvorteil chinesischer Autos von deutlich mehr als 30 Prozent ist die europäische Automobilindustrie kaum mehr überlebensfähig."© Metzler Asset Management

Eckpunkte:

  • Walk hält 30 Prozent Schutzzölle für eine Untergrenze
  • Besonders Auto-, Halbleiter- und Batterieindustrie brauchen Schutz
  • EU soll zugleich Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen verringern

Aus Sicht von Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, sollte die Europäische Union ihren handelspolitischen Schutz gegenüber China deutlich verstärken. Die bestehenden Zölle auf chinesische Elektroautos seien "bei weitem nicht ausreichend", erklärt Walk gegenüber "Institutional Money". Handlungsbedarf sieht er neben der Autoindustrie insbesondere bei Halbleitern, erneuerbaren Energien, Batterietechnologie, Medizintechnik und Maschinenbau.

Idealerweise sollte die EU zunächst ermitteln, wie groß der unfaire Wettbewerbsvorteil Chinas sei, und diesen durch entsprechende Zölle ausgleichen. Walk verweist auf Berechnungen des Ökonomen Brad Setser, wonach der chinesische Wechselkurs um 30 Prozent unterbewertet sei. "Daraus abgeleitet sollte ein Zollsatz von 30 Prozent die Untergrenze darstellen", sagt Walk. In einzelnen Branchen könnten nach seiner Einschätzung noch höhere Sätze gerechtfertigt sein.

Dauerhaft sollen die Handelsbarrieren allerdings nicht bestehen bleiben. Walk plädiert dafür, EU-Zölle auf zehn Jahre zu begrenzen und anschließend schrittweise abzubauen. Ergänzend hält er Vorgaben für einen bestimmten Anteil lokaler Wertschöpfung, sogenannte "Local Content"-Vorschriften, für sinnvoll.

Autoindustrie besonders gefährdet
Wie weit der Verlust industrieller Strukturen gehen kann, zeigt für Walk die deutsche Solarindustrie. Bei einem zu späten Eingreifen könne eine ganze Branche verloren gehen. Besonders kritisch beurteilt er inzwischen die Lage der europäischen Autobauer. China habe technologisch stark aufgeholt und Europa in einzelnen Bereichen wie der Elektromobilität bereits überholt.

"Mit einem Preisvorteil chinesischer Autos von deutlich mehr als 30 Prozent ist die europäische Automobilindustrie kaum mehr überlebensfähig", so Walk. Da die EU ihre Hersteller auf Drittmärkten nicht schützen könne, sei "ein geschützter Heimatmarkt für die mittelfristige Überlebensfähigkeit somit unerlässlich".

Ohne stärkeren Schutz drohe Europa nach Walks Einschätzung nicht nur Produktionskapazitäten, sondern langfristig auch technologisches Know-how zu verlieren. Wandere die Fertigung nach China ab, folgten mittelfristig Forschung und Entwicklung. Über Jahrzehnte aufgebautes implizites Wissen lasse sich nicht einfach reaktivieren. Als warnendes Beispiel verweist Walk auf die Deindustrialisierung von Teilen des Mittleren Westens der USA.

China könnte bei Rohstoffen reagieren
Eine härtere europäische Handelspolitik wäre allerdings nicht ohne Risiken. Walk rechnet damit, dass Peking auf zusätzliche Zölle asymmetrisch reagieren könnte. Besonders wirksam wären aus seiner Sicht Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Gallium oder Graphit. Davon könnten unter anderem die Halbleiter- und Windkraftindustrie getroffen werden.

Weitere Möglichkeiten seien gezielte Strafzölle auf europäische Agrar- und Luxusgüter sowie bürokratische Maßnahmen gegen deutsche Autohersteller, etwa verzögerte Zertifizierungen, Zollschikanen oder staatlich gelenkte Konsumboykotte. Besonders verwundbar ist Europa laut Walk bei Seltenen Erden. "Europa ist sehr auf den Import von Seltenen Erden angewiesen und könnte einen Lieferstopp nicht verkraften." Deshalb müsse die EU möglichst schnell alternative Bezugsquellen erschließen.

Walk erwartet dennoch, dass die EU bald neue Strafzölle gegen China verhängen und Local Content-Maßnahmen beschließen wird. Entscheidend sei, die Maßnahmen so auszutarieren, dass sie Europas Industrie ausreichend schützen, ohne zu starke chinesische Gegenmaßnahmen hervorzurufen.

Dauerhaftes Abschotten wäre hingegen fatal
Vor einem dauerhaften Abschotten Europas warnt der Metzler-Ökonom. Die historischen Erfahrungen mit Zöllen seien meist negativ, weil sich hinter Zollmauern ineffiziente Monopolisten entwickeln könnten. Deshalb müsse auch bei einem stärkeren Schutz gegenüber China ein intensiver Wettbewerb innerhalb Europas gewährleistet bleiben. (dv)

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