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Metzler AM: Hohe Inflation ist eigentlich Staatsversagen

Wenn die Teuerung überschießt, haben Geld- und Fiskalpolitik versagt, meint Metzler-AM-Chefvolkswirt Edgar Walk. Inflation oder Deflation entstehen oft dann, wenn die Politik die Geldwertstabilität ihren Zielen unterordnet.

Metzler-AM-Chefvolkswirt Edgar Walk
Metzler-AM-Chefvolkswirt Edgar Walk
© Metzler Asset Management

Die Inflationsrate lässt sich mit dem richtigen Mix aus Geldpolitik und staatlicher Finanzpolitik auf das gewünschte Niveau bringen, sagt Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management (Metzler AM). Dabei kann es allerdings Nebenwirkungen geben. Nehmen diese überhand, hat der Staat seine Aufgabe nicht gut erledigt. So habe die US-Notenbank die hohen Inflationsraten in den 1960-er und 1970-er Jahren nicht ernsthaft über Zinsanhebungen bekämpft, weil eine Rezession aus politischen Gründen vermieden werden sollte, sagt Walk. "Historisch entstand oft dann eine hohe Inflation oder eine Deflation, wenn gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge falsch eingeschätzt wurden oder wenn politische Zielkonflikte entstanden, die die Geldwertstabilität zu einem untergeordneten Ziel degradierten."

Nach Beobachtung des Metzler-Ökonomen ist die Geldpolitik besonders gut dazu geeignet, eine steigende Inflation einzudämmen, weil sich die Zinsen schnell und unbegrenzt anheben lassen. Bei der Bekämpfung einer Deflation sieht er dagegen die Fiskalpolitik in der Pflicht, weil sie die gesamtwirtschaftliche Nachfrage beeinflussen kann. Wichtigste Prämisse für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik generell ist allerdings das Zutrauen von Bürgern und ausländischen Investoren in die Geldwertstabilität. "Geht das Vertrauen verloren, flieht das Kapital, und die Währung crasht", sagt Metzler. "Die langfristigen Inflationserwartungen spiegeln dabei am besten das allgemeine Vertrauen in die Geldwertstabilität wider."

Erwartungsmanagement als wichtigste Aufgabe
Mittelfristig sieht Walk nicht zu unterschätzende Inflationsrisiken. "Einerseits könnten die Zentralbanken und Regierungen die Zusammenhänge falsch einschätzen und die Inflationsraten könnten aufgrund des starken Wachstums und der Schwierigkeiten in den Lieferketten merklich steigen", sagt er. In diesem Fall müssten die Notenbanken die Leitzinsen deutlich anheben. "Gleichzeitig dürften sie jedoch die Inflation nicht zu stark bekämpfen, um Finanzmarkt- und Schuldenkrisen zu vermeiden." Letztlich sei es für die Zentralbanken momentan wichtiger, die Inflationserwartungen zu managen als die tatsächliche Inflation. (fp)

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