Mega-IPOs sorgen bereits vorab für Stress
Mit Elon Musks Raumfahrt-Konzern und zwei KI-Konzernen stehen die größten Börsengänge seit Langem an. Für die Giga-IPOs passen die Indexanbieter die Regeln an. Das birgt enormen Zündstoff. Kritiker fürchten Nachteile besonders für ETF-Investoren.
Eckpunkte:
- Die geplanten IPOs von Unternehmen wie Anthropic, OpenAI und insbesondere SpaceX werfen ihren Schatten voraus
- Aufgrund eines nur geringen Free Floats könnten ETFs gezwungen sein, est nach dem IPO zu höheren Kursen zu kaufen und damit passive Investoren eventuelle zu schädigen
- Besser haben es jene aktiven Fonds, die bereits beim IPO ausreichend Aktien zugeteilt bekommen und auf Zeichnungsgewinne hoffen können
Die anstehenden Mega-Börsengänge von Elons Musks Raumfahrtfirma SpaceX, des ChatGPT-Entwicklers OpenAI sowie seines Konkurrenten Anthropic schüren die Sorgen vor Ungleichgewichten in großen Finanzmarktindizes. Denn die Entwickler der Börsenbarometer haben die Regeln für die Aufnahme von Börsenneulingen geändert oder arbeiten daran. Damit sollen die Riesen-IPOs zügiger in die Indizes einfließen können. Allein SpaceX soll einen Marktwert von gut zwei Billionen Dollar auf die Waage bringen.
Doch diese Anpassung birgt Zündstoff. Denn die Aufnahme der gigantisch großen Parkett-Aspiranten kann Nebenwirkungen aufweisen, die wiederum letzten Endes Anleger treffen, die über börsengehandelte Fonds (ETFs) in diese Messlatten investieren. Konkret hat bereits die Nasdaq angekündigt, für ihr Auswahlbarometer Nasdaq-100 eine sogenannte Fast-Entry-Regel einzuführen. FTSE Russell zog für seine US-Indizes nach.
Express-Aufstieg in den Index
MSCI verfügt nach eigenem Bekunden ohnehin über eine Fast-Entry-Klausel. Firmenchef Henry Fernandez kündigte im Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag" an, dass er bei SpaceX mit einer Aufnahme innerhalb von zehn Tagen nach dem Börsendebüt rechne. Der Weltaktienindex MSCI World zählt zu den bekanntesten Barometern des Hauses. ETFs auf den Index finden sich auch in vielen Privatanlegerdepots. Auch der Index-Riese S&P Dow Jones arbeitet an einer Regeländerung, welche die rasche Aufnahme von Mega-IPOs ermöglichen soll.
Die bisherigen Regeln sahen eine Art Bewährungsfrist vor, in der sich die Börsenneulinge erst beweisen mussten. Hinzu kamen Mindestanforderungen an die Quote frei verfügbarer Aktien sowie Profitabilitätsanforderungen. All das ergebe bei normalen IPOs Sinn, meint Jörg Held, Leiter Portfoliomanagement bei der Fondsgesellschaft Ethenea. Bei Unternehmen, die ab Tag eins des Börsengangs unter die größten der USA fallen, sehe das jedoch anders aus.
"Für normale IPO-Standards schlicht zu groß"
"Die Regeln werden auf Unternehmen zugeschnitten, die für normale IPO-Standards schlicht zu groß sind", kommentiert Held. "Die Indexanbieter rollen den roten Teppich aus." Damit wird einerseits die Börsenliga neu sortiert. "Aus den Magnificent Seven werden bald die Magnificent Ten", meint Held. "Das wird eine Indexkonzentration, wie wir sie zuletzt in den 1930er-Jahren gesehen haben."
Andererseits kann die Express-Aufnahme in die Börsenbarometer zu massiven Preisverwerfungen führen. Hintergrund sind geringere oder aufgegebene Mindestanforderungen an den sogenannten Free-Float. Die passiven Fonds müssen die Aktien der Börsenneulinge erwerben. Aufgrund eines geringen Free-Floats sind aber gar nicht so viele Papiere auf dem Markt. Preisverzerrungen scheinen damit vorprogrammiert – zum Nachteil der ETF-Anleger, monieren Kritiker.
Missverhältnis zwischen handelbaren Aktien und Indexgewicht
Bei der Nasdaq entfällt etwa die Mindestanforderung von zehn Prozent an frei handelbaren Aktien. Somit fließen die Aktien der Mega-IPOs gewissermaßen gehebelt in die Indexgewichtung ein. Eine gewisse Sicherungslinie bauen die Indexingenieure immerhin ein. So darf bei Aktien mit einem Streubesitzanteil von weniger als einem Drittel der Free-Float maximal verdreifacht werden und mit entsprechender Gewichtung in den Index einfließen. FTSE Russell wiederum betont, die Mindestanforderungen für den Streubesitz nicht verändert zu haben.
Gleichwohl fürchten Kritiker Verzerrungen. "Wer eine Allokation in diesen Namen bekommt, sitzt auf einem raren Gut", formuliert es Held. "Alle anderen werden den passiven Aufschlag zahlen müssen – und damit die Buchbewertungen der Altaktionäre nach oben treiben." Zu den Altaktionären zählen etwa Führungskräfte, Mitarbeiter – und Gründer wie Elon Musk. (ert)


