Mega-Börsengänge ante portas: Erleben wir bald ein Déjà-vu?
Ein heißer IPO-Sommer könnte bald bevorstehen: Denn SpaceX, OpenAI und Anthropic streben an die Börse. Der Vergleich mit der Dotcom-Ära hingegen hinkt laut Feri, da diese Börsengänge keine Vorboten eines Bärenmarktes sein dürften.
Eckpunkte:
- Heißer IPO-Sommer mit Rekord-Volumina und -Fees erwartet
- Ein Dot-Com-Crash 2.0 ist trotz hoher Bewertungen nicht zu erwarten
- ?Straße von Hormus bleibt Belastungsfaktor bis auf Weiteres
Der übergeordnete Aufwärtstrend an den globalen Aktienmärkten ist weiter intakt, die Dynamik dürfte jedoch bald abnehmen. Die sehr starke Berichtssaison zum 1. Quartal 2026 war in den vergangenen Wochen ein wichtiger Treiber für die Börsen. Die positiven Impulse sind inzwischen jedoch weitgehend in den Kursen berücksichtigt, was sich auch an den hohen Bewertungen und den überkauften Trends ablesen lässt.
Belastungsfaktoren
Zudem entwickelt sich der Iran-Konflikt und die damit zusammenhängende Blockade der Straße von Hormus zum Belastungsfaktor. Die Investoren verlieren zunehmend die Geduld und beginnen, Inflationsrisiken immer stärker einzupreisen, was zu höheren Zinsen führt. Das wirkt perspektivisch als Bremsklotz für die hoch bewerteten Märkte.
Straße von Hormus: noch keine dauerhafte Lösung in Sicht
Dass die Hormus-Blockade zuletzt etwas gelockert wurde – chinesische und indische Schiffe dürfen die Meeresenge nun passieren – sowie die fortlaufende Freigabe strategischer Ölreserven konnten zwar einen noch stärkeren Inflationsschock verhindern. Ein tragfähiger Dauerzustand ist dies jedoch nicht. Damit der Inflationsdruck dauerhaft nachgibt, bleibt eine diplomatische Lösung des Iran-Konflikts in den kommenden Monaten unabdingbar. Ob die aktuellen Verhandlungen zu einer nachhaltigen Öffnung der Straße von Hormus führen werden, die über die diskutierten 60 Tage hinausgeht, ist mit hoher Unsicherheit behaftet.
Unternehmen im Wert von bis zu vier Billionen US-Dollar vor Börsengang
Das Technologie- und Raumfahrtunternehmen SpaceX steht kurz vor seinem Börsendebüt. Gleichzeitig hat das KI-Unternehmen OpenAI seine Pläne für einen IPO vorgezogen. Das dürfte den Hauptrivalen Anthropic unter Zugzwang setzen, ebenfalls zeitnah einen Börsengang anzustreben. Allein die genannten Unternehmen könnten insgesamt mit bis zu vier Billionen US-Dollar bewertet werden. Damit dürfte ein „heißer“ IPO-Sommer bevorstehen.
Transaktionsbegleitende Investmentbanken stehen vor enormen Einnahmen
Doch werden auch die Anleger profitieren? Die Parallelen zur Tech-Euphorie der späten 1990er-Jahre sind unbestritten: Eine neue Technologie dominiert das Börsennarrativ, die Stimmung ist euphorisch und Unternehmen nutzen das Umfeld, um zu ambitionierten Bewertungen Kapital am Markt einzusammeln. Die aktuell diskutierten Bewertungen implizieren häufig hohe zweistellige Kurs-Umsatz-Verhältnisse. Im Fall von SpaceX könnte bei einer Platzierung am oberen Ende der Bewertungsspanne sogar ein dreistelliges Kurs-Umsatz-Verhältnis stehen. Wohlgemerkt: Wir sprechen über Kurs-Umsatz- und nicht über Kurs-Gewinn-Verhältnisse, da viele dieser Unternehmen bislang keine nachhaltigen Gewinne erwirtschaften.
Déjà-vu?
In den späten 1990er-Jahren erwiesen sich die damaligen Mega-IPOs als Vorboten des Platzens der Dotcom-Blase und eines anschließenden jahrelangen Bärenmarktes. Droht sich die Geschichte zu wiederholen? Das sei keineswegs ausgemacht, meint man bei Feri. "Sollten die anstehenden IPOs tatsächlich zu den aktuell diskutierten Bewertungen erfolgen, drohen bei diesen Unternehmen mittelfristig enttäuschende Renditen. Aufgrund ihrer potentiell enormen Marktkapitalisierung könnten entsprechende Kurskorrekturen temporär auch den gesamten Technologiesektor belasten. Ein mehrjähriger Bärenmarkt bei Technologieaktien und damit eine Wiederholung des Dotcom-Szenarios ist aktuell jedoch weniger wahrscheinlich. Dafür sind Umsätze, Gewinne und Cashflows des Technologiesektors heute insgesamt deutlich robuster. Das ist der zentrale Unterschied zur Dotcom-Phase um die Jahrtausendwende", findet Dr. Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation bei Feri. (kb)


