Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
Ad

Ohne Umwege zu Private Assets

Weltweit verwaltet Schroders über EUR 29 Mrd. in Private Assets. Das Produktspektrum umfasst dabei Immobilien, Private Equity, ILS, Infrastrukturanlagen und Privat Debt. Meiden Sie Umwege - hier mehr erfahren!

Anzeige
| Märkte
twitterlinkedInXING

Martin Hüfners Gedanken zum Investieren in Zeiten der Handelskriege

Wie wird man in zehn Jahren einmal auf das Jahr 2019 zurückschauen? Ist es das Jahr, in dem der zehnjährige Aufschwung nach der großen Finanzkrise zu Ende kam? In dem sich vielleicht eine globale Rezession anbahnt? Oder ist es etwas ganz anderes, nämlich das Jahr der Handelskriege?

hüfner_martin_2015_2.jpg
"Handelskriege sind keine Ausnahme mehr, sondern das "New Normal" für die Kapitalmärkte", sagt Dr. Martin Hüfner, Chefökonom der Investment-Boutique Assenagon Asset Management.
© Assenagon

"Bis vor kurzem hätte ich noch gezögert, die protektionistischen Maßnahmen des amerikanischen Präsidenten gegen China und andere Länder so hoch zu hängen. Es könnte ja wirklich sein, dass die USA nur Ungleichgewichte korrigieren wollten und dass es dann wieder Ruhe gäbe", räsoniert Hüfner. Inzwischen hat der Ökonom seine Meinung geändert:  "Entscheidend dafür war zuerst der abrupte Abbruch der Verhandlungen der USA mit China über eine Beilegung des Handelsstreites. Das hat mich skeptisch gemacht, ob Trump wirklich eine Einigung wollte. Kurz danach dann die Ankündigung neuer Zölle gegen Mexiko als Strafaktion wegen mangelnder Anstrengungen zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms. Beides deutet darauf hin, dass Zölle und sonstige Handelsrestriktionen nicht mehr Ausnahmen sind in einem System sonst freien Handels. Wenn Trump irgendetwas nicht passt (nicht nur im Handel), dann erhöht er Zölle (oder droht damit). Das wird auch woanders Schule machen."  Handelskriege seien, das "New Normal" der Weltwirtschaft geworden.

Der Geist der Handelssteuern ist aus der Flasche
Das sagte kürzlich der UBS-Volkswirt Paul Donovan. Es könnte neue Zölle gegen die Autoindustrie geben, oder es können an anderen Stellen neue Kriegsschauplätze eröffnet werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Es geht im Übrigen auch nicht nur um Trump. Auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Überlegungen. Hüfner vermutet, dass wir hier erst am Anfang einer längeren Entwicklung stehen. Das ändert natürlich auch das Umfeld für die Kapitalmärkte.

Hüfner macht sieben wichtige Effekte der Handelskriege aus
Erstens verringert sich der Welthandel, der in der Nachkriegszeit immer eine der treibenden Kräfte der wirtschaftlichen Entwicklung war. Das trifft alle am Welthandel teilnehmenden Staaten, besonders aber natürlich handelsintensive Staaten wie etwa Mexiko oder Deutschland. Das Wachstum des Welthandels ist seit Anfang 2017, als Trump Präsident wurde, regelrecht abgestürzt. Das zeigt die folgende Grafik.

Welthandel im Sinkflug
Quartalsweise Veränderung in Prozent; gleitender Durchschnitt

Quelle: CPB

Zweitens verringert sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum
Die konjunkturellen Risiken nehmen zu. Der IWF hat letzte Woche den Schaden für das Sozialprodukt allein durch die amerikanisch-chinesischen Auseinandersetzungen mit 455 Milliarden US-Dollar beziffert. Die Weltwirtschaft würde 2020 um einen halben Prozentpunkt langsamer wachsen, und zwar um 3,3 Prozent. Das ist im Weltmaßstab gesehen praktisch Rezession.

Drittens steigt die Inflation
Die Preise der von Zöllen belasteten Güter erhöhen sich. Theoretisch wäre es auch denkbar, dass die exportierenden Länder die Zölle tragen und ihre Güter billiger verkaufen. Nach allem, was wir in den USA sehen, ist dies diesmal aber nicht der Fall. Goldman Sachs schätzt, dass sich der Geldwert in den USA um mehr als einen Prozentpunkt verschlechtert.

Viertens nehmen die Staatseinnahmen zu
Die Zölle wirken für das zollerhebende Land wie eine Umsatzsteuer. Das verringert in den USA das Haushaltsdefizit. Andererseits verringern sich dadurch aber die positiven Effekte auf die Nachfrage, die sich durch die große Steuersenkung im vergangenen Jahr ergeben. Das ist im Augenblick noch "Kleingeld". Die gesamten Zolleinnahmen der USA betrugen im ersten Quartal auf Jahresbasis 75 Milliarden US-Dollar, doppelt so viel wie in der gleichen Zeit des Vorjahres. Es werden aber von Monat zu Monat mehr.

Fünftens erhöht sich das US-Handelsbilanzdefizit
Es erreichte im vierten Quartal 2018 mit 232 Millarden US-Dollar den höchsten Stand aller Zeiten. Das überrascht. Hatte Trump die Zollerhöhungen nicht ausdrücklich auch damit begründet, dass die Ausländer die USA im Handel ausbeuteten und sie daher einen Fehlbetrag hinnehmen müssten? Der Präsident wird all seine Tweet-Künste aufbieten müssen, um seinen Wählern zu erklären, dass das mit der Handelsbilanz nicht so läuft, wie er es versprochen hatte.

Sechstens verringert sich die Rentabilität der Unternehmen
Langfristige Planungen werden erschwert. BMW hat vorige Woche ein neues Werk in Mexiko eröffnet, das durch die neuen Zölle der USA gegen Mexiko möglicherweise weniger verdienen wird als ursprünglich geplant. Unternehmen müssen für die neuen Risiken vorsorgen.

Zinsen gehen wegen Wachstumsverlangsamung und lockerer Geldpolitik zurück
Das ist der siebente Punkt. Dagegen stehen aber die zunehmende Inflation und die erhöhte Unsicherheit auf den Märkten, die die Risikozuschläge nach oben treibt. Das Endergebnis ist offen.

Was bedeutet das für den Investor?
Per Saldo wird das Investieren an den Kapitalmärkten in Zeiten des Handelskriegs schwieriger. Hüfner ird konkret: "Die Gewinne sinken, das Wachstum wird schwächer. Andererseits – und das ist wichtig – gibt es einen positiven Effekt. Die Zentralbanken haben die monetären Schleusen aufgemacht. Sie haben einen Put in die Märkte eingezogen. Sie haben versprochen, dass sie bei einem stärkeren Einbruch der Wirtschaft – komme was wolle – gegensteuern werden. Das gilt sowohl für die Fed wie auch für die EZB. Das stützt die Märkte." (kb) 

 

 

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren